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Stadt Willich: Abschied von St. Maria Rosenkranz

Stadt Willich : Abschied von St. Maria Rosenkranz

Zum 1. Juni kommenden Jahres muss die Kirche mit dem Gemeindehaus der Stadt besenrein und leer übergeben werden. Die Stadt hat die Immobilie gekauft. Viele Gemeindemitglieder sind enttäuscht.

Auch bei der Christmette in der Kirche St. Maria Rosenkranz wurde der Geburt des jüdischen Predigers Jesus von Nazareth und des Beginns des Christentums gedacht. Allerdings sah man nicht nur in frohe Gesichter. Trauer und Enttäuschung spiegelten sich in vielen wider. Denn es war die letzte Christmette in Maria Rosenkranz im Willicher Norden. Zum 1. Juni muss die Kirche mit dem Gemeindehaus der Stadt besenrein und leer übergeben werden. Die Stadt hat die Immobilie gekauft.

Im Bistum Aachen hatte das kirchliche Immobilienmanagement bei der zukünftigen Unterhaltung von pastoralen Gebäuden Einsparungen in Höhe von rund 33 Prozent vorgegeben. "Daher mussten wir uns von alten Immobilien trennen, die zu teuer im Unterhalt geworden sind", sagt Herman-Josef Schmitz vom Kirchenvorstand. "Dies haben wir auch jahrelang so kommuniziert", meint dazu der Leiter der Willicher Gemeinschaft der Gemeinden (GdG), Pfarrer Jürgen Lenzen. Regelmäßig werde, so Lenzen, in den Gremien, den Kirchenvorständen und im GdG-Rat über weitere Einsparungen nachgedacht, konkrete andere Veränderungen gebe es aber derzeit nicht. Lenzen spricht bezogen auf St. Maria Rosenkranz von einem "Trauerprozess", der jetzt bewältigt werden müsse.

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Für viele Anwohner geht mit dem Verlust der Kirche ein Stück Heimat und Identifikation verloren. Wegen der großen Entfernung zur Willicher Ortsmitte hatte sich schon im Januar 1937 auf Initiative einiger Landwirte, aber auch von Stahlwerksarbeitern und Lehrern der "Kapellenbauverein Willicher Heide" gegründet. Zuvor hatten die Gottesdienste in der Kapelle der benachbarten "Erziehungsanstalt" Fichtenhain stattgefunden. Diese wurde von den Nazis 1936 konfisziert.

Im Oktober 1939 wurde dann die neue Kirche eingeweiht. Es gab auch noch viel später einen Förderverein, der unter anderem Kirchenfenster oder Glocken stiftete. Drei hängen noch heute im Glockenturm und tragen den Namen der Spender: "Heinrich", "Wilhelm" und "Anna Katharina". Bei Heinrich muss es sich um den Landwirt Heinrich Dämbkes gehandelt haben. Noch im Juni 2014 wurde das 75-jährige Bestehen der Kirchengemeinde Maria Rosenkranz mit ihren rund tausend Gläubigen gefeiert. Die Vikarie hatte bereits 2010 ihre Selbstständigkeit verloren und musste mit der Hauptpfarre St. Katharina fusionieren.

Viele Menschen haben dort geheiratet oder ihre Kinder getauft. Dort fanden Gesprächskreise und viele andere Begegnungen statt, trafen sich Kinder in den Spielgruppen. Einige sind von den Verantwortlichen so enttäuscht, dass sie künftig die Hauptpfarre meiden und andere Kirchen besuchen wollen. "Allerdings sind wir nicht total überrumpelt worden, sondern waren die Veränderungen absehbar", sagt Sabine Hügging-Brehm, die ehrenamtlich in der GdG Willich arbeitet und die Organisatorin der Jugendarbeit in St. Maria Rosenkranz ist. Auch sie findet es bewundernswert, dass sich über so viele Jahrzehnte hinweg die Anwohner um das Gemeindeleben gekümmert haben.

Seit Längerem hatte die Willicher Pfarrgemeinde versucht, die Immobilie zu veräußern. Im November hatte die Stadt Willich das gesamte Kirchenareal dann gekauft. Dabei handelt es sich um 10 000 Quadratmeter Ackerland sowie um eine weitere Fläche von 6000 Quadratmetern, auf dem die Kirche, Pfarrhaus, Gemeindesaal, Glockenstuhl und ein Tennisplatz stehen. "Wir haben dies deshalb getan, um zukünftig die Entwicklung im Willicher Norden selbst bestimmen zu können", sagt Stadtkämmerer Willy Kerbusch.

Zumal es schon potenzielle Käufer gegeben haben soll, die dort eine Grabeskirche oder ein muslimisches Gemeindezentrum planten. Es gab aber auch eine Gruppe von Willichern, darunter Handwerker, Architekten und Finanziers, die sich dort die neue Veranstaltungshalle für Alt-Willich vorstellen konnten. "Das geht dort gar nicht, das Gebäude ist für diesen Zweck viel zu klein und die Zahl der Stellplätze zu gering", kommentiert Kerbusch. Nach Ansicht des Kämmerers habe die Überlegung dieser Interessengruppe, dort einen Saal entstehen zu lassen, bei dem Kauf durch die Stadt überhaupt keine Rolle gespielt.

(wsc)