Stadt Willich: Abitur wieder erst nach neun Jahren

Stadt Willich: Abitur wieder erst nach neun Jahren

An den Gymnasien in Willich, Tönisvorst, Kempen und Grefrath ist man sich einig: Es geht zu G9 zurück. Mit dem kommenden Schuljahr starten die Fünftklässler wieder den längeren Weg zum Abitur.

Am Lise-Meitner-Gymnasium (LMG) in Anrath sind die Würfel für G9 gefallen. Das generelle Abitur nach acht Jahren gehört damit der Vergangenheit an. "Bei G9 haben die Schüler einfach mehr Lernzeit. Bildung braucht Zeit und Tiefe. Das bekommt man nicht hin, wenn man über die Themen fliegt", sagt Direktor Thomas Prell-Holthausen. Die Lernprogression ist bei G8 um 20 Prozent gesteigert worden und führte zu einer eindeutigen Mehrbelastung beim Gros der Schüler. Es wurde ein größerer Leistungsdruck aufgebaut. Der Schulleiter des LMG sieht im Schwenk zu G9 nur Vorteile.

"Es war unter anderem schon abstrus, dass in der EF, also in der Oberstufe, der Bildungsabschluss für die Mittlere Reife gemacht wurde", sagt Prell-Holthausen. Auf der Grundlage von G9 will das Anrather Gymnasium dennoch einen G8-Zweig aufbauen, damit auch Schülern, die einen schnelleren Weg gehen wollen, diese Möglichkeit offen steht. Für die Fünftklässler, die mit dem neuen Schuljahr starten, heißt es aber: Es geht wieder mit G9 los.

Das trifft auch für das Schiefbahner St.-Bernhard-Gymnasium zu. Hier steht man ebenso in den Startlöchern für den längeren Bildungsweg. "Auch uns ist die vertiefte und nachhaltige Bildung wichtig. Mit G9 ist dies möglich. Ein Jahr mehr bedeutet ein gewonnenes Jahr", sagt der stellvertretende Schulleiter Andreas Päßler. Er hofft, dass die Entscheidung nachhaltig ist und nicht wieder durch die Politik Änderungen erfährt. "Wir brauchen verlässliche, langfristige Grundlagen für die Schulentwicklung", betont Päßler.

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Die Politik kritisiert auch Paul Birnbrich. "Ich finde es schlimm, dass die Eltern, die jetzt ihre Kinder anmelden, dies in einem rechtsleeren Raum tun. Wir sagen, dass wir wieder eine G9-Schule werden, aber die genauen Rahmenbedingungen dafür fehlen uns noch genauso wie allen anderen Schulen. Wir alle warten auf die Ausführungsbestimmungen", sagt der Schulleiter des Michael-Ende-Gymnasiums in St. Tönis. So stehen unter anderem Fragen nach dem Beginn der zweiten Fremdsprache und dem Einsetzen der Wahlpflichtfächer offen. Bei G8 waren es die Klasse sechs beziehungsweise die Klasse acht. Kommt die zweite Fremdsprache jetzt erst wieder in der siebten Klasse und das Wahlpflichtfach in der Klasse neun, wie es einst bei G9 der Fall war? Die genauen Stundentafeln liegen ebenfalls noch nicht vor. Die Landesregierung arbeitet an den Umsetzungen und will im Frühjahr die Rahmeneckpunkte festlegen. Birnbrich freut es indes, dass bei G9 den Schülern wieder mehr Zeit für musische und sportliche Aktivitäten bleibt, die schließlich mit zur Bildung gehören.

Beim Luise-von-Duesberg (LvD) Gymnasium in Kempen stehen ebenfalls alle Zeichen auf G9. "Wir haben mit G9 einfach mehr Zeit, den Schulstoff zu vermitteln. Außerdem sind die Schüler in der Oberstufe älter und haben mehr Reife, was für viele Unterrichtsinhalte wichtig ist", sagt Schulleiter Benedikt Waerder. In Anbetracht der gemeinsamen Oberstufe von LvD und Thomaeum gab es zwischen den beiden Gymnasien eine entsprechende Absprache für die Wiedereinführung von G9. "G8 hat gut funktioniert, wie man an den Ergebnissen sah. Aber die breite Öffentlichkeit wünscht sich G9 zurück. Wir folgen dem", sagt Agnes Regh. Die Richtung sei klar, fügt die Schulleiterin des Thomaeums an.

Lothar Josten, der Schulleiter der Liebfrauenschule Mülhausen setzt ebenfalls hinter das G eine "9". "Wir bleiben aber nach wie vor eine Ganztagsschule mit der dazu gehören Vielzahl von Angeboten, die über den eigentlichen Schulunterricht hinausragen", so Josten.

(tref)