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22 Corona-Fälle in der Justizvollzugsanstalt in Anrath

Verschärfungen der Corona-Schutzmaßnahmen im Kreis Viersen : 22 Corona-Fälle im Anrather Gefängnis

Wie der Erreger in die JVA gelangt ist, ist unklar. Unterdessen haben die ersten Impfungen im östlichen Teil des Kreises Viersen begonnen. Der Landrat hat wegen der steigenden Corona-Fälle schärfere Schutzmaßnahmen angekündigt.

Zu einer plötzlichen, starken Häufung von Corona-Infektionen ist es in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Willich I in Anrath gekommen: Seit dem 21. Dezember wurden dort 18 Gefangene und vier Bedienstete positiv auf das Coronavirus getestet, vorher habe es nur vereinzelte Corona-Infektionen gegeben. Das bestätigte die Landesvollzugsdirektion auf Nachfrage unserer Redaktion. Die Krankheit verlaufe bisher bei allen milde.Im Frauengefängnis nebenan gebe es keine auffällige Häufung, die Vielzahl von Infektionen in der JVA Willich I sei im Landesvergleich durchaus besonders, sagt Nils Radtke, stellvertretender Pressesprecher der Landesjustizvollzugsdirektion. Wie der Erreger ins Gefängnis gelangt ist, lasse sich nicht aufklären.

Am Sonntag, 27. Dezember, wurden 334 von insgesamt 387 Gefangenen Abstriche für eine PCR-Testung entnommen, sagt Radtke. Unabhängig von dieser Massentestung würden alle Inhaftierten und Bediensteten, die Symptome aufweisen und/oder bei denen ein nachgewiesener oder vermuteter Kontakt zu mit dem Coronavirus infizierten Personen stattgefunden hat, getestet.

Diese Tests werden vom Krankenpflegedienst der JVA selbst durchgeführt, denn jede Justizvollzugsanstalt verfügt über eine eigene medizinische Versorgung. Eine allgemeine Testpflicht gebe es nicht, sagt Radtke. Die Maßnahmen würden in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt getroffen. FFP2-Masken für Bedienstete und Gefangene stünden in ausreichender Zahl zur Verfügung. 

Seit Beginn der Corona-Pandemie gebe es umfangreiche Schutzmaßnahmen, die dem aktuellen Infektionsgeschehen immer wieder angepasst würden. Neben den Vorgaben der Gesundheitsämter orientieren sich die Justizvollzugsanstalten des Landes an den Vorgaben des Robert-Koch-Instituts (RKI), zudem lägen eigene Pandemiepläne vor, und es bestehen insbesondere Restriktionen beim Besuch, vollzugsöffnende Maßnahmen wurden beschränkt.

„Grundsätzlich wurde nach dem Auftreten der Corona-Fälle auf eine konsequente Quarantäne der Infizierten beziehungsweise Kontaktpersonen und Trennung der Gefangenen geachtet, um eine Weiterverbreitung des Virus zu unterbinden“, teilt Radtke mit. So seien Arbeitsbetriebe geschlossen, und Freizeitangebote könnten derzeit nicht stattfinden. Auch zu Silvester gebe es, wie schon zu Weihnachten, keine Feiern, sagt Radtke.

Wie der Kreis Viersen am Dienstag mitteilte, ist im Kreisgebiet Anfang Dezember ein Mann an der britischen Variante des Corona-Virus VUI-202012/01 erkrankt. Von dieser Mutation wird angenommen, dass sie noch erheblich ansteckender ist als die bisher weltweit dominante Variante des Virus. Über den Fall sei der Kreis am Dienstag vom RKI informiert worden.

Das RKI überprüfe stichprobenartig Material, das die Labore ihm schicken. Der betroffene 58-Jährige sei bereits wieder genesen. Der Mann habe sich nicht in Großbritannien angesteckt, sondern bei einem Kollegen aus Tschechien.

Unterdessen haben die Impfungen im östlichen Teil des Kreises begonnen, darunter in Einrichtungen in Anrath, Willich und Tönisvorst. Dafür wurden laut Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein (KVNO) mehr als 600 Impfdosen bestellt. Im Anrather Altenheim St. Josef impfte ein Ärzteteam am Dienstag alle 86 Bewohner sowie 116 Mitarbeiter. Vier Schülerinnen und zehn Mitarbeiter verzichteten auf die Impfung. „Ich bin dankbar, dass wir zu den Häusern gehören, die den Impfstoff so schnell erhalten haben“, sagte Heimleiterin Silvia Anna Küppers.

Im Alexianer Seniorenhaus in St. Tönis gab es gar einen Überschuss. 58 Ampullen wurden geliefert; das ergab 348 Spritzen, da sechs Dosen aus jeder Ampulle gezogen werden konnten. „144 Bewohner sowie 90 Mitarbeiter haben eine Impfung erhalten“, sagte Leiterin Jutta Hartmann. Vier Bewohner und 40 Mitarbeiter wünschten keine Impfung.

Es blieben 114 Spritzen übrig. Mit denen wurden die Mitarbeiter des Medizinischen Versorgungszentrums sowie weitere 100 Feuerwehrleute aus dem Kreis Viersen geimpft, die Dr. Arndt Berson, Vorsitzender der Kreisstelle Viersen der KVNO, mit ins Boot holte. Am 31. Dezember stehen weitere sieben Einrichtungen im Kreis Viersen auf dem Plan, mit mehr als 1200 für diese Heime bestellten Impfdosen.

Nachdem der Inzidenzwert erneut die 200er-Marke überschritten hat (am Dienstag lag er bei 203), wird der Kreis die geplanten verschärften Schutzmaßnahmen gegen die Ausbreitung der Corona-Pandemie jetzt umsetzen. Von Mittwoch, 0 Uhr, an müssen Personen aus unterschiedlichen Haushalten, die in einem Auto unterwegs sind, Mund-Nasen-Masken tragen, in Geschäften darf sich maximal eine Person pro 20 Quadratmeter Verkaufsfläche aufhalten.

Was die bevorstehende Silvesternacht betrifft, reagieren die Kommunen im Kreis unterschiedlich: In Willich wird es keine Aufstockung des Kommunalen Ordnungsdienstes geben, in Tönisvorst werden die Streifen von einem auf drei Zweiertrupps aufgestockt, um Kontaktverbote zu kontrollieren, sagt Stadtsprecherin Catharina Perchthaler. Besonders den Rewe-Parkplatz in St. Tönis würden die Mitarbeiter im Auge haben. In der Öffentlichkeit dürfen sich laut Coronaschutzverordnung des Landes NRW maximal fünf Personen aus zwei Haushalten zuzüglich Kinder bis 14 Jahre aufhalten.