Zwölfjähriger aus Wesel hat bei Video-Projekt zum Welt-Down-Syndrom-Tag mitgemacht

Zwölfjähriger aus Blumenkamp : Youtube-Star mit Down-Syndrom

Der Weseler Björn Jasper Kamps (12) gehört zu den 120 Kindern, die an dem Song- und Videoprojekt „Du bist so“ zum Welt-Down-Syndrom-Tag mitgemacht haben. Es war nicht das erste Mal, dass er im Rampenlicht gestanden hat.

Bei Familie Kamps in Blumenkamp läuft derzeit ein Hit rauf und runter: „Du bist so“ heißt der Song, der extra zum Welt-Down-Syndrom-Tag, der am 21. März begangen wird, produziert wurde. Und ganz am Anfang des Videos zu dem Song ist der zwölfjährige Björn Kamps beim Luftgitarrenspiel zu bewundern. Der mittlere von drei Brüdern ist auf dem besten Weg, im Internet ein Youtube-Star zu werden. Fast jedenfalls. „Auf jeden Fall fühlt er sich so, wie ein Star“, sagt Mutter Stefanie Kamps und lacht. Björn selbst kann kaum sprechen. Aber er versteht fast alles. Und er weiß, dass es etwas Besonderes ist, sich selbst bei Youtube auf dem Tablet oder auf dem Fernseher zu sehen.

Björn Kamps ist eines von 120 Kindern mit Down-Syndrom, die kürzlich zu den Dreharbeiten des Song- und Videoprojekts „Du bist so“ ins münsterländische Ibbenbühren gefahren sind. Mit dabei waren auch seine Eltern und der jüngere Bruder Ole. „Die Dreharbeiten dauerten vier Stunden, in denen die Kinder aus ganz Deutschland getanzt und gespielt haben und dabei gefilmt wurden“, sagt Stefanie Kamps. Das Ergebnis ist jetzt unter anderem auf trisomie21.net und bei Youtube unter dem Stichwort „Du bist so“ zu finden.

Auf die Idee, mit Hilfe eines Musikvideos öffentlichkeitswirksam darauf hinzuweisen, dass Kinder mit Down-Syndrom ein absolut schönes und lebenswertes Leben haben können, sind Eltern von Kindern mit Down-Syndrom. Sie tauschen sich über die Internetplattform „Downsyndrom Deutschland“ bei Facebook aus. Dort ist unter anderem auch die Blumenkamper Familie Kamps aktiv. „2018 war die Band Kravallo unserer erster Ansprechpartner, den wir gebeten haben, doch ein Lied und einen Text für uns zu schreiben“, erzählt Stefanie Kamps. Dieser Bitte sei die Gruppe sofort nachgekommen. Mit befreundeten Musikern wurde dann der Song „Du bist so“ in einem Tonstudio aufgenommen, der dann bei den Dreharbeiten in Ibbenbühren immer wieder vom Band lief.

Das Video soll nun so oft wie möglich von Internetnutzern geteilt und heruntergeladen werden. Jeder Klick zählt. Denn, so sagt Stefanie Kamps: „Die Einnahmen, die durch die Aufrufe erzielt werden, wandern alle auf das Konto der Deutschen Stiftung für Menschen mit Down-Syndrom.“

Um für das Video zu werben, hängt Stefanie Kamps Poster von Björn, die auf den Welt-Down-Syndrom-Tag hinweisen, überall in der Stadt aus: in Kliniken, Apotheken, bei Ärzten und in Geschäften.

„Wenn wir mit dem Song erreichen, dass sich nur ein Paar entscheidet, sein Kind zu bekommen, obwohl bei einer Fruchtwasseruntersuchung herausgekommen ist, dass das Kind ein Handicap haben wird, dann haben wir unser Ziel erreicht“, sagt die 44-Jährige. Dass neun von zehn Kinder, bei denen Trisomie 21 noch im Mutterleib festgestellt wird, in Deutschland abgetrieben werden, ist für Stefanie Kamps ein Skandal und für sie nicht nachvollziehbar. „Natürlich gibt es Probleme mit Björn – so wie mit meinen beiden anderen Jungs auch. Das ist völlig normal. Aber natürlich lieben wir unsere Söhne alle gleich.“

Der Videodreh war nicht das erste Mal, dass Björn im Rampenlicht stand. 2013 lief er an der Hand des damaligen Kapitäns Martin Stranzl von Borussia Mönchengladbach als Begleitkind ins Stadion ein. Gegner damals: Bayern München. „Wir hatten bei einem Gewinnspiel eines Borussia-Sponsors mitgemacht und gewonnen“, sagt Stefanie Kamps. Und vor drei Jahren war er erneut Einlaufkind. Im Stadion der anderen Borussia, die ebenfalls gegen die Bayern spielte, lief er ins Dortmunder Stadion ein. „Er ist schon ein großer Fußball-Fan – vor allem natürlich von Gladbach. So wie seine Mutter auch“, sagt Stefanie Kamps, lacht und holt die Rheinische Post vom 19. Januar zum Vorschein. Im Lokalen Sport wurde damals über den Landesmeistertitel der G-Judokas (G steht für geistig behindert) von Budokan Hünxe in Wort und Bild berichtet. Björn gehört dem erfolgreichen Team der acht- bis 27-jährigen Sieger an. Und im April reist er mit seiner Familie nach Köln, wo die Einzelmeisterschaften der G-Judokas auf dem Programm stehen.

Wenn Björn nicht gerade Sport treibt oder Fußball guckt, geht er zur Schule. Nicht in Wesel, sondern in die Waldschule in Hünxe-Bruckhausen. Eigentlich wollte Stefanie Kamps ihren Sohn in der Blumenkamper Grundschule anmelden, was – glaubt man Bildungspolitikern – in Zeiten von Inklusion eigentlich auch kein großes Problem sein dürfte. Doch in der Praxis ist es kaum möglich, ein mehrfach behindertes Kind in einer Regelschule zu unterrichten. „Björn hätte pausenlos einen Sonderpädagogen und zusätzlich Hilfestellungen in vielen Bereichen des täglichen Lebens benötigt. Doch in der Praxis gibt es diese Inklusionshelfer oft nicht, so dass wir uns für die Förderschule in Bruckhausen entschieden haben, die wirklich super gut ist und in der sich unser Sohn so wohlfühlt.“ Selbst wenn in Blumenkamp ein Sonderpädagoge und ein Helfer bereitgestanden hätten, wäre Björn nach Überzeugung seiner Mutter immer der Langsamste gewesen, der, der keine Arbeit hätte mitschreiben und der nie ein echtes Erfolgserlebnis hätte haben können. „Deshalb sind wir ja auch so froh, dass er in der Waldschule ist, wo er Schreiben und Rechnen lernt – ganz nach seinem Tempo.“

Voraussichtlich sechs Jahre noch wird der Junge die Waldschule besuchen, bevor er in einer Behindertenwerkstatt aufgenommen werden kann. Vielleicht aber, so hoffen seine Eltern, gibt es für ihren Sohn die Möglichkeit, in einem Unternehmen eine Stelle zu finden, die ihn glücklich macht. Ein befreundeter Friseur habe angekündigt, dass Björn vielleicht die Dinge tun könnte, die sonst Praktikanten verrichten. Oder er könnte in einem Betrieb für Garten- und Landschaftsbau beginnen. „Er wird zwar nie einen Garten planen können. Aber unter Anleitung kann er gewiss ein Pflanzloch ausheben oder andere Dinge im Gartenbau erledigen. Hauptsache, er findet ein Umfeld, in dem er so sein kann, wie er ist“, sagt Stefanie Kamps.

(kwn)
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