Wesel: Zwölf-Millionen-Projekt im Hafen startet

Wesel : Zwölf-Millionen-Projekt im Hafen startet

Stadtwerke lassen die Kaimauer sanieren. Sie tragen das finanzielle Risiko, die Stadt hält sich raus. In wenigen Tagen wechselt der Besitzer des Stadthafens. Er gehört dann der Hafen-Gesellschaft DeltaPort. Logistiker sehen Chancen.

Unter Zeitdruck musste das Sanierungsprojekt im Stadthafen entwickelt werden. Logistiker wie die Firma Rhenus haben nur am Standort angebissen, weil ihnen Investitionen zugesagt wurden. Jetzt startet das 12,4-Millionen-Projekt, dessen Kern die Kaimauer-Sanierung auf 700 Meter Länge ist. In der Summe enthalten ist auch der Ausbau der Hafenbahn für 1,5 Millionen Euro. Sie wird teils zweigleisig angelegt, um auch größere Mengen transportieren zu können, und über die kürzliche Sanierung einer Teilstrecke bis zum Bahnhof hin ausgebaut. Vor allem Logistiker sollen den Stadthafen neu entdecken, der Umschlag landwirtschaftlicher Güter und der Standort der Firma Hülskens (Kies und Wasserbau) werden bleiben. Im Frühjahr 2014 soll alles fertig sein — der Zeitdruck hält an.

Packen das Projekt Hafen an (v.l.): Franz Michelbrink (Stadtwerke), Ingenieur Udo Bovenkerk , Ingenieur Ingo Wellbrock und Jens Briese (DeltaPort). Foto: malz

Das Besondere: Die Stadtwerke finanzieren und bauen das Projekt, obwohl der Stadthafen in wenigen Tagen mit der Hafen-Gesellschaft DeltaPort einen neuen Besitzer hat. Die Stadt entlastet sich damit finanziell, obwohl sie es ist, die nach langen Verhandlungen mit dem Kreis den Weseler Hafenbereich unters Dach der neuen Hafen-Gesellschaft schlüpfen lässt. So soll mit Rhein-Lippe-Hafen und Emmelsum die Größe entstehen, die nötig ist, um Interesse in der Logistikbranche und darüber hinaus zu wecken.

Stadtwerke-Chef Franz Michelbrink, der die Sanierung gestern mit DeltaPort-Geschäftsführer Jens Briese vorstellte, urteilt so: "Die Stadtwerke stehen vor der größten Herausforderung ihrer Geschichte. Wir glauben an die Zukunft des Hafen-Standortes und die Wirtschaftlichkeit des DeltaPort-Verbundes." 15 neue Verträge seien zu verhandeln gewesen. Die drei wichtigsten sind der mit Logistiker Rhenus AG, der sich auch an heutigen Brachflächen an der Kaimauer ausbreitet, mit Anlieger Hülskens, der die Spundwand vor seinem Grundstück selbst baut, und mit dem Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) wegen langfristiger Pachtverträge.

Mit diesem wurde auch vereinbart, extra Pkw-Stellplätze für Rheinschiffer einzurichten. Das WSA hatte die Forderung aufgestellt, dass die marode und in den Jahren der Debatte um die Vision "Wesel an den Rhein" vernachlässigte Kaimauer spätestens bis 2015 zu sanieren ist.

Eine Großinvestition stand also so oder so an. Weseler Besonderheiten machten sie kompliziert. Besonderes — und teures — Problem sind die Weltkriegsfolgen. Weil im Hafen mit Bomben zu rechnen ist, wird vor dem Kai auf gesamter Länge bis zwei Meter Tiefe ausgebaggert, um explosive Kriegsrelikte ausfindig zu machen. Allein das führt zu 100 000 Euro Mehrkosten. Wie Udo Bovenkerk (Hamminkeln) vom zuständigen Ingenieurbüro sagte, bleibt die alte Kaimauer stehen und die neuen Spundwände aus 50 Zentimeter dickem Spezialstahl werden davorgesetzt. So wird ein Abrutschen ins Wasser verhindert.

Michelbrink, sagt, dass es wichtig sei, dass "der Hafen ans Laufen kommt". Der Umschlag wird deutlich erhöht. U. a. im Gespräch ist, dass esco (Borth) Salz im Stadthafen umschlägt. Briese sagt, dass auch Zuckerproduzent Pfeiffer & Langen aus Appeldoorn angeklopft habe. Er geht davon aus, dass sich in der Hafen-Branche herumspricht, dass in Wesel viel in Bewegung ist.

(RP)