Hamminkeln: Zwei Bodenständige mit Weitblick

Hamminkeln: Zwei Bodenständige mit Weitblick

Goldene Hochzeit: In einer arrangierten Ehe fanden Marianne (84) und Wilhelm Elmer (91) in der traditionsreichen Brüner Mühle ihr Glück. "Sport war mein Leben", sagt Wilhelm Elmer, der zu den Gründern des Sportvereins Brünen gehörte.

Wer in Brünen Wilhelm Elmer nicht kennt, dem ist nicht zu helfen. Der heute 91-Jährige hat sich enorm verdient gemacht, indem er die Geschichte des Ortes festgehalten hat. Ein halbes Dutzend dicke Bücher hat er geschrieben. Dabei hat Elmer zeitlebens nicht nur Brünen und Umgebung im Blick gehabt. Kriegserlebnisse weckten in ihm das Bedürfnis, mit internationalen Jugendbegegnungen zur Völkerverständigung beizutragen. Das führte zu Sportfreundschaften mit England, Polen und als Gipfel schließlich auch der Sowjetunion. 1991, wenige Tage vor dem Putschversuch gegen Gorbatschow, kam es zu einem bis heute für alle Beteiligten denkwürdigen Besuch von Leningrad und Moskau samt Treffen mit den Freunden aus dem sibirischen Magadan, die vorher in Hamminkeln zu Gast gewesen waren. Dass man mit ihm gut auskommen kann, weiß ganz besonders seine Frau Marianne (84). Heute vor 50 Jahren schlossen die beiden in der Brüner Kirche eine Ehe, die man arrangiert nennen darf.

"Wer mit 23, 24 Jahren noch niemanden hatte, der wurde vermittelt", berichtet Marianne Elmer geborene Zindel zur Geschichte ihres Kennenlernens. Die 1956 aus Ostdeutschland an den Niederrhein gekommene Frau war in der Landwirtschaft tätig und schon 33, als eine Cousine Elmers sie 1967 auf den damals 40-jährigen Witwer aufmerksam machte. Die beiden trafen sich, fuhren nach Wesel und aßen in der Bahnhofsgaststätte. Dass sie Forelle blau zu sich nahm, das weiß sie noch. Für ihn darf Schnitzel vermutet werden. Seine Leibspeise.

Die Sache entwickelte sich. Am 14. Juni 1968 ging es aufs Standesamt, anderntags vor den Traualtar. Und schon bald waren die Elmers mit Sohn Jürgen zu dritt. Sitz der Familie ist seit mehr als 100 Jahren die Mühle Elmer an der Weseler Straße.

Wilhelm übernahm den Betrieb - damals samt Landwirtschaft - nach dem Zweiten Weltkrieg und sowjetischer Gefangenschaft. Die war zwar nur kurz, weil er an der Ruhr erkrankt war und somit nicht für Jahre nach Sibirien abtransportiert wurde. Aber auch die Krankheit zeichnete ihn fürs Leben. Gegen die grauen Zeiten, die er erlebt hatte, setzte der Brüner Naturfreund mit kräftigen Farben deutliche Zeichen. Gegenüber der Mühle, auf der anderen Seite der B 70, liegt ein 8000 Quadratmeter großer Garten, der nicht nur der Vielfalt der Flora gewidmet war. Zäune und sonstige bauliche Elemente wurden zu knallbunten Bildern. Um das Areal, heute ein Wald, kümmert sich nun Harald Fenneken. Im Garten am Haus wächst immer noch allerlei. Zudem haben hier zwei Gänse, eine Schildkröte, Kanarienvögel, Wellensittiche, Hühner und ein Hund eine Heimat.

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Hier ist Marianne, die einst auf nicht minder abenteuerlichen Wegen "mit Hund und Federbett" in den Westen kam und gerade einen Schlaganfall vergleichsweise glücklich überstanden hat, die Stütze ihres Mannes. Sein Gehör und sein Augenlicht haben gelitten, auch sein Gedächtnis lässt nach. Aus der Rheinischen Post liest sie ihm morgens vor, spart ein paar spannende Berichte noch für den Abend auf.

"Sport war mein Leben", sagt Wilhelm Elmer, der 1946 zu den Gründern des Sportvereins Brünen gehörte. Jahrzehnte war er Vorsitzender des SVB und des Sportverbandes Hamminkeln. 1993 erhielt er das Bundesverdienstkreuz. Marianne Elmer hat ihren Anteil daran.

Und wer die beiden jetzt immer noch nicht kennt, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen.

(fws)
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