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Zukunftswerkstatt: Mehrhoog soll schöner werden

Zukunftswerkstatt : Mehrhooger arbeiten am schöneren Dorf

Die Zukunftswerkstatt mit Bürgern sollte Ideen liefern, wie Mehrhoog Profil bekommt. Keine einfache Aufgabe für die Menschen, die in dem langegezogenen Straßendorf längs der Bahnhofstraße leben.

Die Antithesen an den Stellwänden ließen aufhorchen. „Was müssen wir tun, damit keiner mehr hier leben will?“ oder „Wie wird Mehrhoog zum hässlichsten Ort der Welt?“ stand dort geschrieben. Die Umkehrprovokation, eine Kreativtechnik, die in der Ideenfindung Provokationen benutzt, um das Denken aus den gewohnten Bahnen zu werfen, wirkte in der Begegnungsstätte Mehrhoog. Aus dem langegezogenen Straßendorf längs der Bahnhofstraße wird zwar keine Perle Hamminkelns werden. Aber es kamen in vier Arbeitsgruppen Vorstellungen in der Zukunftswerkstatt der Stadt zusammen, die Potenzial für den Ort aufzeigen.

Die Lage zählt und die guten Anbindungen. Die Mehrhooger können daran arbeiten, dass ihr Dorf schöner wird. Mit Workshops in den Ortsteilen holt die Stadt seit mehr als eineinhalb Jahren Wünsche der jeweiligen Bewohner ein. Die Bürger werden so nicht nur abgeholt, sondern sie wissen auch, wo der Schuh drückt. Weil der Blick von außen unverstellt ist, hat sich Hamminkeln die Unterstützung des Bochumer Forschungsinstituts InWIS geholt. Es half, die Akzente so zu setzen, dass nicht nur Visionen an die Pinnwände kamen, sondern auch die Zukunftsfähigkeit und die Realisierungschancen der Ideen. So sollen am Ende Projekte initiiert werden, die umsetzbar werden.

Den ersten Impuls setzte Eduard Kleinheyer vom Bürgerverein. Er ließ die Geschichte des Dorfs Revue passieren, das auf ärmlichen Böden entstand und nicht umsonst den Sandhasen als Kennzeichen hat. Das benachbarte Mehr war der eigentliche Siedlungskern, Mehrhoog kam erst wirklich auf die Landkarte, als die Bahnlinie gebaut wurde – und zwar mitten auf dem platten Land und bewusst eine Kanonenschussweite vom Rhein entfernt. Das kaiserliche Militär wollte es so. Im Zweiten Weltkrieg wurde deshalb das Dorf bombardiert. In den 60er und 70ern des letzten Jahrhunderts wurde auf Teufel komm raus Wohnungsbau geplant. Siedlungsschwerpunkte entstanden, einen Ortskern gibt es bis heute nicht.

Mehrhoog ist und bleibt ein beliebter Pendlerort mit vielen Einkaufsmöglichkeiten und guter Infrastruktur, doch mit Identitätslücken. Das ist bekannt und führte dazu, dass eine umfangreiche direkte Ansprache im Vorfeld erfolgte, um möglichst breites Interesse für das Thema zu entfachen. Die Resonanz indes blieb hinter den Erwartungen zurück, neue Gesichter über die alteingesessenen Aktiven hinaus waren kaum zu sehen. Die Jugend fehlte ganz.

Möglich, dass sich bald mehr tut, wenn es nun in weitere Veranstaltungen geht. Das Ziel ist dann, feste Arbeitsgruppen zu gründen, so wie es beispielsweise in Brünen („Bürger für Brünen“) gelungen ist. Man könne an der „Klammer für Mehrhoog“ arbeiten, befand Torsten Bölting vom Forschungsinstitut. Nicht so einfach. Zwar gibt es Traditionsvereine, doch relativ wenig Zusammenhalt. Heimatgefühle wurden von den Teilnehmern auf der Positivseite beschworen. Das Zuhause im Grünen, die Nahversorgung und die Bahn mit Haltepunkt Mehrhoog wurden gelobt. Doch die Negativseite ist nicht klein. Kein Zusammenhalt, fehlende Gastronomie, keine Mitte, wenig Angebote für die Dorfgemeinschaft – offensichtlich fehlt es an Rahmenbedingungen.

Die Mehrhooger, die da waren, um mitzureden in Sachen Zukunft, wollen ihren Stadtteil gerne weiterentwickeln. Als Perspektiven genannt wurden unter anderem neuer Zebrastreifen über die Bahnhofstraße, mehr Grünflächen, attraktiveres Wohnumfeld, Begrenzung der Verkehrs und eine Genossenschaftsgaststätte als Treff im kneipenlosen Dorf.