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Schermbeck: Zehn Schafe illegal geschlachtet

Schermbeck : Zehn Schafe illegal geschlachtet

Polizei und Veterinäramt rückten zu Beginn des islamischen Opferfestes nach Dämmerwald aus. Dort wurden zehn Schafe auf einem Bauernhof geschächtet, ohne vorher – unter Aufsicht – betäubt zu werden. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. 120 lebende Tiere wurden sichergestellt.

Polizei und Veterinäramt rückten zu Beginn des islamischen Opferfestes nach Dämmerwald aus. Dort wurden zehn Schafe auf einem Bauernhof geschächtet, ohne vorher — unter Aufsicht — betäubt zu werden. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. 120 lebende Tiere wurden sichergestellt.

Es sind Bilder wie diese am Sonntag in Dämmerwald, die alljährlich beim muslimischen Opferfest den Unmut deutscher Tierschützer erregen: Das Schaf hängt kopfüber, ein Hinterlauf ist an den Balken eines Schuppens gebunden. Das Fell des Tieres ist bis zur Körperhälfte abgezogen und wie ein Schirm über Kopf und Vorderläufe gestülpt, es verdeckt die klaffende Wunde am Hals.

Zehn illegal geschlachtete Schafe haben Polizei und Veterinäramt zu Beginn des Opferfestes auf einem Hof in Dämmerwald gefunden. Sonntagmittag rückten die Beamten zügig nach einem Hinweis aus und konnten so weitere 120 Tiere vor der Schächtung bewahren.

Dabei lässt der Metzger das Schaf an der Halsschlagader ausbluten, weil der Koran den Verzehr von Blut verbietet. In Deutschland darf laut Gesetz ein warmblütiges Tier nur geschlachtet werden, wenn es vorher betäubt wurde. Aus religiösen Gründen kann eine Ausnahme gewährt werden, wenn eine entsprechende Genehmigung beantragt wurde.

Die lag in Dämmerwald nicht vor, wie Dr. Susanne Diekmann, stellvertretende Amtstierärztin des Kreises Wesel, auf Anfrage bestätigt: "Zuerst bestand nur der Verdachtsfall, dass dort Schafe illegal geschlachtet wurden. Vor Ort stellte sich dann heraus, dass es keine Betäubungseinrichtung gab."

Das Veterinäramt habe das Schächten dann gestoppt, die restlichen 120 Tiere sichergestellt und zehn tote Schafe konfisziert. "Die Ermittlung hat jetzt die Staatsanwaltschaft übernommen", sagt Dr. Susanne Diekmann. Es bestehe ein Straftat-Verdacht. Nicht angemeldete Schlachtungen können mit einer Geldstrafe geahndet werden.

In Anhängern transportiert

Einmal pro Jahr werden die Experten des Veterinäramtes fündig, können eine illegale Schlachtung im Weseler Kreisgebiet entdecken. "Die Dunkelziffer ist durchaus höher", weiß die Amtstierärztin. Hinweise aus der Bevölkerung über "viele Schafe an einem Ort" könnten bei der Suche hilfreich sein.

"Die meisten Muslime akzeptieren die Tierschutz-Regeln und suchen sich an offiziellen Schlachtstellen die Schafe aus, die später unter amtlicher Aufsicht und unter Betäubung geschächtet werden", erklärt Dr. Susanne Diekmann. Denn auch ein betäubtes Tier könne gänzlich ausbluten. Mehrere Betriebe im Kreis Wesel würden diese legale Schlachtpraxis anbieten.

In Dämmerwald sollte es anders laufen, wie ein Augenzeuge berichtet. Dort reisten am Sonntag 40 Autos mit auswärtigen Kennzeichen und jeder Menge Tier-Anhänger an, um den Bauernhof zu nutzen. "Das ist eine Sauerei, zumal es legale Möglichkeiten gibt", sagt der Beobachter. Die Schafs-Kadaver hat das Veterinäramt noch am Sonntag abtransportieren lassen, die lebenden Tiere andernorts untergebracht.

(RP)