Wesel: Wolf jetzt auch im Hünxer Wald gesichtet

Wesel : Wolf jetzt auch im Hünxer Wald gesichtet

Womöglich hat das Tier, das in Haffen und Bislich gesehen wurde, weite Strecken in der Region zurückgelegt. Das Landesumweltamt bestätigt eine Sichtung in Hünxe und in der Walsumer Rheinaue.

Noch ein Wolf am Niederrhein? Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (Lanuv) hat am Mittwoch zwei Wolfssichtungen bestätigt: Am 24. Februar wurde ein Tier im Hünxer Wald fotografiert, zwei Tage später lichtete eine Wildkamera einen Wolf in der Walsumer Rheinaue ab. In Haffen war am 20. Februar ein Tier gesehen worden, in Bislich einen Tag darauf. Das Lanuv kann weder bestätigen, noch dementieren, dass es sich um dasselbe Tier gehandelt hat. "Der wissenschaftliche Nachweis wäre nur durch DNA-Spuren erbracht, Fotos reichen da nicht", sagt Wilhelm Deitermann, Sprecher des Lanuv.

Doch der gesunde Menschenverstand sagt, was auch der Hünxer Förster Michael Herbrecht annimmt: Es wird sich um das gleiche Tier handeln. "Es ist normal, dass Wölfe vor einem Hindernis auf und ab laufen, bis sie eine Lücke gefunden haben, um es zu überwinden", sagt er. Vermutlich habe der Wolf eine Möglichkeit gesucht, den Rhein zu überqueren. Und vielleicht eine Gelegenheit gefunden, über eine Brücke zu laufen, "wenn der Druck zu groß wird, kann er auch schwimmen".

Ein Privatmann hatte den Wolf im Hünxer Wald fotografiert. "Wir haben die Stelle vermessen, an der er gesichtet wurde. Wir hatten genaue Angaben", sagt Herbrecht. Doch die Aktion war eher enttäuschend: Aufgrund des eiskalten Wochenendes gab es weder Pfotenabdrücke, noch DNA-Spuren. Daher war Herbrecht zunächst skeptisch. Inzwischen gibt es eine Art Sport: Digital bearbeitete "Wolfsfotos" werden den Förstern zugeleitet mit angeblich gesichteten Tieren. "Wir hatten sogar ein Video, per Handy aufgenommen", erzählt Herbrecht. Doch es war ein Fake, der Streifen geistert durch die Sozialen Medien. Da das Land nun die Echtheit der Hünxer Wolfssichtung bestätigt hat, ist auch Herbrecht davon überzeugt, das Land habe Fachleute um zu klären, ob Bilder manipuliert sind oder nicht. Tatsächlich hat die Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW), so etwas gibt es, bestätigt, dass es sich um echte Wolfsbilder handelt. Angaben zur Herkunft, zu Alter oder Geschlecht, können die Fachleute anhand der Fotos nicht machen

Ungefähr einmal im Jahr durchquere ein Wolf sein Revier, nimmt Herbrecht an. Wird er nicht zufällig fotografiert, "wir würden das gar nicht merken". Anders als andere Raubtiere wie Dachs, Fuchs und mitunter Waschbär, hinterlässt der Wolf kaum Spuren. "Wenn er in meinem Revier ein Reh reißt und ich es finde, ist er schon viele Kilometer weit weg", sagt Herbrecht. Und: "Den Reiseproviant gönne ich ihm, es wird kaum ein zweites Mal geschehen."

Der Förster beruhigt Besorgte: "Kinder im Wald laufen eher Gefahr, von einem Ast getroffen zu werden, als dass ein Wolf sie angreifen würde." Der kommt und geht auf leisen Pfoten.

Allerdings ist es durchaus möglich, dass er Schafe angreift. Am 23. Februar sollen zwei Schafe in Kerken-Rahm gerissen worden sein. Diesen Vorfall bestätigt Wolfsberater Peter Sprenger aus Aldekerk. "Zwei Tiere sind in Kerken tot aufgefunden worden, ob allerdings ein Wolf dafür verantwortlich ist, ist noch völlig offen", sagt er.

Sprenger hat Fotos der toten Tiere gemacht, nach Spuren gesucht und DNA-Proben genommen. Diese hat er zu den Experten des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen geschickt. Hier wird das Material aktuell untersucht. An Spekulationen will sich Sprenger allerdings nicht beteiligen, die Beurteilung obliege allein den Experten des Lanuv. Noch würden keine Ergebnisse vorliegen. Denkbar ist also auch, dass streunende Hunde für den Tod der Schafe verantwortlich sind.

(sz/lat)
Mehr von RP ONLINE