Wir für Wesel (WfW) fordert Zusammenschluss Freier Wähler im Kreis

Freie Wähler gegen schwächelnde Volksparteien : WfW will Zusammenschluss freier Wähler

Wenn die Volksparteien CDU und SPD schwächeln, schlägt die Stunde der freien Wählergruppierungen. Auf diesen Effekt setzt die Fraktion „Wir für Wesel“ (WfW). Man will einen eigenen Bürgermeisterkandidaten und Kreis-Allianzen.

Die Fraktion „Wir für Wesel“ im Weseler Stadtrat will nun auch kreisweit aktiv werden. Wie Fraktionschef Thomas Moll und Vize-Chef Jürgen Lantermann mitteilen, soll die Wählergemeinschaft bei der Kommunalwahl 2020 auch für den Kreistag kandidieren. „Auch da wird Politik gemacht, auch da werden die Interessen Wesels vertreten.“ Moll kann sich dabei auch einen Zusammenschluss mit anderen Wählergemeinschaften in den Städten Schermbeck und Hamminkeln vorstellen.

Zum Hintergrund: In Schermbeck gibt es die Fraktion Bürger für Bürger (BfB) im Rat mit Fraktionschef Klaus Roth, in Hamminkeln sind dies die von Ex-Sozialdemokrat Martin Wente gegründete Freie Wähler der Isselgemeinden (FWI). „Wir müssen schauen, ob wir die Interessenlagen zusammenbringen können“, sagt Thomas Moll. Als freie Wähler könne man in vielerlei Hinsicht freier agieren. Während etablierte Parteien auf Festlegungen der Bundespartei achten müssten, gebe es für freie Wählergruppierungen die Chance, mehr auf die Belange vor Ort achten zu können. Eines schließen Moll und Lantermann aber für die nächste Wahl aus. Man sei mit vielen Ratsfraktionen im Gespräch, könne sich Bündnisse in vielerlei Hinsicht vorstellen. „AfD-Themen wollen wir auf keinen Fall besetzen“, sagt Lantermann. Die WfW versucht Politik im bürgerlich-liberalen Lager zu machen. Moll und Lantermann haben das Ziel, zur nächsten Kommunalwahl wieder alle Wahlkreise zu besetzen; für eine Partei mit nur 50 Mitgliedern ist dies nicht leicht.

Jürgen Lantermann, Vize-Fraktionschef der WfW. Foto: WfW

Die Themen, auf die sich die WfW konzentrieren will, sind solche, die dem Weseler politisch Interessierten bekannt vorkommen müssen:

Tagesmütter

Jürgen Lantermann setzt sich verstärkt für die Belange der Tagesmütter ein und verbucht als einen Erfolg, dass die von der WfW organisierte Infoveranstaltung in der Aula der Musikschule Wesel von 150 Personen besucht worden war. Man wolle die „Arbeitsbedingungen für Tagesmütter verbessern“ sagt Lantermann. Man habe als kleine regionale Weseler Partei mit diesem Thema bundesweit Aufmerksamkeit erzeugt – immer wieder gebe es Anfragen aus anderen Städten an die WfW wegen des Themas Tagesmütter.

Strandbar

Als ein weiteres kommunales Thema setzt sich die WfW weiter für eine Strandbar am Rhein ein. Obwohl in der Nähe der Biergarten mit dem Pächterwechsel weiterentwickelt werden soll und am Auesee eine weitere Gastronomie am Wasser entstehen könnte, glaubt die WfW an eine Strandbar im Bereich der Landzunge am Rhein hinter dem Kombibad. Die Stadt solle eine Fläche bereitstellen, ein privater Investor könne bauen, schlägt Thomas Moll vor. Die Strandbar könne Anlaufpunkt für Jugendliche sein, Cocktails sollten dort ausgeschenkt werden.

Biergarten Dass der Biergarten an der Rheinpromenade nach dem umstrittenen Pächterwechsel tatsächlich schon zum 1. Mai 2020 eröffnet, daran glaubt Moll nicht. Er zweifelt an, dass der neue Pächter die Investitionen wird stemmen können. Den bisherigen Pächter Dirk Aberfeld verteidigt der WfW-Fraktionschef: „Er hatte eine relativ stabile Kundschaft. Man durfte in diesen Biergarten auch seine eigenen Speisen mitbringen. Wo gibt es das heute noch?“ Moll sagt: „Ab Ende April/Anfang Mai werde ich immer wieder vor Ort sein und den Besuchern mitteilen, dass an dieser Stelle mal ein Biergarten stand.“

Kombibad

Beim geplanten Neubau des Kombibades plädiert die WfW für eine maßvolle Lösung. „Da wird kein neues Bahia-Bad wie in Bocholt entstehen, das ist Augenwischerei“, sagt Thomas Moll mit Verweis aus Aussagen von SPD-Fraktionschef Ludger Hovest, der gefordert hatte, dass das Kombibad „so weit wie möglich auch ein Spaßbad“, werden solle. Thomas Moll sieht insbesondere die Stellplatzproblematik am Standort. „Wo sollen die ganzen Autos parken, und wie sollen sie zum Standort kommen? Sollen die über den Deich fahren?“ Es fehle schon jetzt die Grundidee.

Schulsanierungen

Die WfW lobt die politische Willensbekundung, 90 Millionen in die Schulen zu investieren. Thomas Moll fordert aber ferner den Ausbau der digitalen Infrastruktur an den Schulen. Wenn nur zwei Millionen aus dem Digitalpakt flössen, gleichzeitig aber die Gebäudesubstanz für 90 Millionen saniert werden, dann „stimme die Verhältnismäßigkeit nicht“, sagt Moll.