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Interview Mit Simon Bleckmann: Winter-EselRock: Zehn Bands im Scala

Interview Mit Simon Bleckmann : Winter-EselRock: Zehn Bands im Scala

Ab Freitagabend steigt im Scala die erste EselRock Winter Edition. Zwei Tage lang treten dort zehn Bands auf. Organisator Simon Bleckmann spricht mit der RP über die Idee, die Bands und über die Planung des Festivals im Sommer.

Warum veranstaltet ihr jetzt im Winter ein zweites EselRock-Festival?

Simon Bleckmann Es war einerseits ein Wunsch der Festivalbesucher, dass wir auch außerhalb des Sommers Konzerte organisieren. Zum anderen hatte auch das Esel-Rock-Team immer mit dem Gedanken gespielt, im Scala eine Konzert-Veranstaltung durchzuführen. Die Location ist so toll, doch war sie lange geschlossen. Es wäre für uns ein zu großer Aufwand gewesen, das dort allein zu stemmen. Deswegen hat es uns sehr gefreut, dass Karin Nienhaus jetzt das Scala betreut. Wir wollten die Gelegenheit beim Schopfe packen.

Das EselRock wirbt mit dem Slogan "Umsonst&Draußen" . Die EselRock Winter Edition kostet allerdings Eintritt. Warum und wofür sind die Einnahmen gedacht?

Bleckmann So eine Veranstaltung umsonst durchzuführen ist unrealistisch. Wir bezahlen die Bands, die Miete fürs Scala, das Sicherheitskonzept und das Werbematerial. Wenn wir es "Umsonst" machen würden, müssten wir in die Niederrheinhalle ausweichen und auf tausende Besucher wie im Sommer beim EselRock im Heuberg-Park hoffen, damit sich das alles durch Getränke- und Essenverkauf refinanziert. Im Scala an der Wilhelmstraße rechnen wir nur mit etwa 250 Gästen, die zehn Euro Eintritt zahlen - ermäßigt fünf Euro. Man kann sie per Mail unter vvk@eselrock.de bestellen. Zusätzlich haben wir einen Förderantrag beim Landschaftsverband Rheinland gestellt. Angenommen, es würde Geld übrigbleiben, werden wir nichts in die eigene Tasche stecken. Das Geld fließt ausnahmslos in die Refinanzierung des Winter-EselRocks. Die Wahrscheinlichkeit, schwarze Zahlen zu schreiben, ist aber gering.

Macht es, was das Sicherheitskonzept angeht, einen der Unterschied, ob man ein Sicherheitskonzept für eine Indoor-Veranstaltung konzipiert oder ein Open-Air-Festival?

Bleckmann Es ist ein sehr großer Unterschied. Für das Scala liegen bereits ausgearbeitete Konzepte vor, auf die wir zurückgreifen können. Das vereinfacht es natürlich. Das liegt vor allem daran, dass die Zahl der Gäste viel geringer ist, als beim EselRock. So müssen wir auch viel weniger Sicherheitspersonal beauftragen. Auch die Notausgänge sind fix und müssen nicht von Jahr zu Jahr neu überdacht werden.

Sechs der zehn Bands kommen aus Wesel und der Region: Ihr bleibt damit dem Prinzip, regionalen Bands eine Bühne zu bieten, treu?

Bleckmann Das haben wir immer so gemacht. Wir kriegen bis zu 1500 Bewerbungen von Bands, die gern zum EselRock kommen möchten. Jetzt bei der EselRock Winter Edition können wir zumindest einigen Bands eine Chance für einen Auftritt geben. Das sind aus Wesel und Hamminkeln Busquets, Meine Zeit, Crash Down und Kompass, und aus dem Ruhrgebiet und dem Kölner Bereich Someon's Missing sowie Captain Disko. Wir möchten diesen Nachwuchsbands eine Plattform bieten und ihnen die Chance geben, sich mit anderen Bands zu vernetzen. So besteht für sie die Möglichkeit, dass andere auf sie aufmerksam werden und sie auch außerhalb Wesels für Auftritte gebucht werden. Die Weseler Band Flash Forward als prominentestes Beispiel hatte davon enorm profitiert.

Die vier weiteren Bands kommen teilweise aus ganz Deutschland und sogar aus der Niederlande. Wie kommt da der Kontakt zustande?

Bleckmann Die Bands sind Liedfett aus Hamburg, John Coffey aus Utrecht, La Confianza aus Selb in Bayern und Honig aus der Nähe von Düsseldorf. Wir arbeiten bei den Großen meistens mit dem Agenturen zusammen. Liedfett beispielsweise kommt von der Agentur K.O.K.S.-Musik aus Hannover. Von dort hatten wir schon viele Bands beim EselRock und wir haben immer sehr gut zusammengearbeitet. Deswegen erhalten wir von der Agentur immer neue Angebote, weil auch die Bands mit uns immer sehr zufrieden waren. Das wirkt sich auch positiv auf die Kondition aus. John Coffey war ein Tipp. Die Musik hat uns gefallen und ich habe dann Kontakt mit der Agentur aufgenommen. Im Optimalfall kriegt man es dann hin. Wir leben dann von unserem guten Namen in Sachen Band- Betreuung - nicht von großen Gagen, sondern von Herzblut, dass sich die Bands bei uns wohlfühlen.

Liedfett spielte auch Freitagabend in Moers beim Henri-Festival . Zufällig bist du dort Leiter des Jugendzentrums Henri. Schlägst du da zwei Fliegen mit einer Klappe?

Bleckmann Klar: Ich erklärte der Band: ,Moers ist weit genug weg von Wesel, da gibt es keine Überschneidung.' Man muss die Synergie-Effekte auch ausnutzen.

In Moers und auch beim Winter-EselRock sind ehrenamtliche Helfer eine große Unterstützung. Woher kommen sie?

Bleckmann Ich freue mich immer, wenn Helfer dabei sind. Das Team in Wesel besteht aus 22 Leuten. Jetzt in Moers haben uns unsere Freunde vom der Freefall-Festival-Kulturförderung unterstützt, die auch jeden Sommer ein Umsonst&Draußen-Festival organisieren. Ohne die Helfer können wir solche Veranstaltungen kaum durchführen.

Ihr habt jetzt auch den Ehrenamtspreis der Stadt Wesel gewonnen. Was ist das für ein Gefühl?

Bleckmann Wir haben uns tierisch gefreut. Ich wusste nicht mal, dass wir vorgeschlagen waren. Wir sind sehr stolz über die Anerkennung für das, was wir in den vergangenen Jahren hier geleistet haben. Der Preis ist stellvertretend für alle, die dabei sind und auch für Mirko Bucksteeg, der das EselRock einst aus der Taufe geholt hat. Er steht uns noch immer mit Rat und Tat zur Seite.

Das Esel Rock ist für den Juni 2015 schon terminiert. Heißt das, die Finanzierung ist gesichert?

Bleckmann Nein, die Finanzierungs steht eigentlich immer erst am Ende des Festivals. Es liegt eher daran, dass die Stadt Wesel an den darumliegenden Wochenenden feste Veranstaltungen terminiert hat. So bleibt uns nur das Wochenende über den 12. und 13. Juni 2015. Zudem liegen weitere Musik-Festivals wie Haldern-Pop, Ruhrpott-Rodeo, Grüne Hölle oder das Hurricane-Festival um dieses Wochenende. Wir wollen nicht, dass sich die Festivals überschneiden, damit möglichst viele Gäste zu uns kommen.

KILIAN TRESS FÜHRTE DAS GESPRÄCH

(RP)