Willibrordi-Dom Wesel: Konzert zum Todestag von Johann Sebastian Bach

Wesel : Ach, Bach!

Am Todestag von Johann Sebastian Bach, der am 28. Juli 1750 verstarb, erklangen beim Orgelkonzert im Weseler Willibrodi-Dom einige seiner weltberühmten Werke.

Zweifellos ist Johann Sebastian Bach der berühmteste Kirchenmusik-Komponist aller Zeiten. Auch 268 Jahre nach seinem Tod sind seine Werke immer noch großartig und werden gespielt. Im Willibrordi-Dom gab es am Samstag wieder ein wunderbares Konzert mit bekannten Orgel- und Instrumentalwerken. Im Mittelpunkt standen aber zwei bemerkenswerte Vokalkompositionen.

Unter der Leitung von Domkantor Ansgar Schlei (er spielte die Orgel und das Cembalo) musizierten Cordula Breuer Traversflöte, Gabriele Nußberger und Saskia Moerenhout auf der Violine, Aino Hildebrandt, Viola, Ulrike Schaar am Violoncello und Eberhard Maldfeld am Kontrabass. Als Solistin hatte man die Sopranistin Ekaterina Korotkova verpflichtet. Konzertbesuchern dürfte die Moskauer Sängerin mit ihrer glasklaren Stimme schon lange bekannt sein, denn sie hat mehrfach schon im Dom mit großem Erfolg konzertiert.

Das Konzert begann mit dem Präludium und der Fuge Es-Dur für Orgel aus dem Bachwerkeverzeichnis (BWV) 552. Auf der Orgelbank hatte Ansgar Schlei Platz genommen und dieses Werk, das aus der Serie „Clavierübungen“ stammt, mit allen gezogenen Registern gespielt. Diese Komposition bewies, dass hier ein Stück für eine mehrmanualige Orgel mit Pedal zur Ausführung nötig ist.

Auf dem Programm standen weiter als Instrumentalstücke eine Bearbeitung über den Choral „Allein Gott in der Höh sei Ehr“ für Orgel aus dem BWV 662 sowie das Andante aus dem Violinkonzert a-Moll für Violine und Basso continuo BWV 1041/2. Hier spielte leicht im Hintergrund die „kleine“ Orgel. Bach selbst hatte wohl die Solo-Partie gespielt, denn gerne leitete er sein Orchester von der Violine aus.

Ein Highlight war auf jeden Fall die Kantate „Non sa che sia dolore“ (Nicht weiß, was Schmerz sei) BWV 209. Johann Sebastian Bach auf Italienisch? Eigentlich kennt man das nicht von diesem großen Barock-Komponisten. Bei diesem Werk, 1746 entstanden, handelt es sich um eine weltliche(!) Kantate. Sie ist als zwei Paar Rezitative und Arien konzipiert, denen eine erhebliche Sinfonia vorausgeht. Hierbei hat auch die Traversflöte einen großen Anteil. Nun stand die Sopranistin im Mittelpunkt. Die zierliche Russin begeisterte mit ihrer Stimme.

Das konnte man auch von dem zweiten Solisten-Stück, dem „Alles mit Gott und nichts ohn’ ihn“ BWV 1127 behaupten. 2005 wurde diese Komposition in Weimar gefunden, von deren Existenz bislang nichts bekannt war. Ursprünglich wurde das Stück mit einer zwölfstrophigen Arie geschrieben. Ansgar Schlei kürzte aber das Werk auf drei ausgewählte Strophen. Das Vokalwerk ist der einzige Beitrag von Bach zur Gattung der Strophenarie. Es entstand 1713 anlässlich des 53. Geburtstags von Herzog Wilhelm Ernst von Sachsen Weimar, wo Bach als Hoforganist für neun Jahre angestellt war.

Mit 65 Jahren verstarb Johann Sebastian Bach vor genau 268 Jahren. Elias Gottlieb Haußmann hatte den weltberühmten Komponisten 1746 porträtiert. Foto: Keystone

Erst nach knapp 80 Minuten hochwertigen Konzertklangs – nach den einzelnen Darbietungen wurde nicht geklatscht – gab es viel Applaus. Die Kollekte am Ausgang war für die Dommusik bestimmt, denn nach solch großartigen Leistungen kann man sich nur noch mehr solcher Konzerte wünschen.

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