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Kommentar: Unsere Woche: Wildwuchs und Akkuratesse

Kommentar: Unsere Woche : Wildwuchs und Akkuratesse

In der vom Wetter bestimmten letzten Woche erhitzte zusätzlich das Thema Unkraut die Gemüter. Gibt es nichts Wichtigeres, mag sich mancher fragen. Sicher gibt es das, doch hat auch eine Diskussion über Sinn und Unsinn von Grünpflege ihre Daseinsberechtigung. Vor allem dann, wenn dem pflegenden Betrieb ASG die Mittel entzogen werden. Sparzwang ist eine Sache, das ordentliche Aussehen einer Stadt eine andere. Und da geht es auch schon los: Was ist schön? Was ist natürlich? Darüber haben sich seit Urzeiten schlaue Menschen ihre Gedanken gemacht. Von Thukydides (455-396 vor Christus) ist beispielsweise der Satz "Schönheit liegt im Auge des Betrachters" überliefert. Also: Es ist eine Frage des persönlichen Geschmacks. Shakespeare (1564-1616) geht klarer auf unseren Fall ein und sagt: "Schöne Blumen wachsen langsam, nur das Unkraut hat es eilig." Ich denke, dass eine romatische Wildblumenwiese auf privater Fläche ebenso existieren können muss wie der penibel in Form gehaltene Garten. Sie sollten sich halt nur nicht in die Quere kommen. Ebenso sollte öffentliches Grün jener Ästhetik unterworfen bleiben, welche die Mehrheit wünscht. Und dabei sagt mein Gefühl, dass es ordentlich sein soll, einladend, sauber - und eben nicht zum Müllabladen animierend. Dass der ASG pflegende Paten sucht, ist angesichts seiner Situation verständlich. aber leider auch ein Armutszeugnis für die steuernde Stadt.

fritz.schubert@rheinische-post.de

(RP)