1. NRW
  2. Städte
  3. Wesel

Wie die Volksbank Schermbeck vergleichsweise gut durch die Pandemie kam

Volksbank in Schermbeck : Hohe Dividende belohnt Bank-Mitglieder in Pandemiezeiten

Die Volksbank Schermbeck informierte 109 Vertreter im Saal der Gaststätte Ramirez unter anderem über die Folgen der Corona-Pandemie für die Wirtschaft. Die Bilanzsumme der Bank ist gestiegen, der Jahresüberschuss gesunken.

Die Worte machten schnell klar, wie sehr die Corona-Pandemie auch die Arbeit der Banken beeinträchtigt. „2020 war ein Jahr, in dem wir bei schwierigen Rahmenbedingungen versucht haben, unseren Kunden und Mitgliedern als Ansprechpartner und auch als Problemlöser zur Seite zu stehen“, bilanzierte Volksbank-Vorstandsmitglied Norbert Scholtholt am Dienstagabend für die 109 stimmberechtigten Vertreter der Volksbank. Ihre Versammlung fand im Saal der Gaststätte Ramirez statt.

Nach einer Bewirtung der Besucher, nach der Begrüßung der Vertreter durch den Aufsichtsratsvorsitzenden Eduard Kolkmann und nach dem Gedenken an die mehr als 200 verstorbenen Mitglieder teilten sich die beiden Vorstandsmitglieder Norbert Scholtholt und Rainer Schwarz den Bericht über das vergangene Geschäftsjahr.

Scholtholt beschrieb die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Fiskalpolitik. Die aus den Hilfspaketen resultierende dauerhafte Verschuldung der EU werde ergänzt durch die seit einem Jahrzehnt anhaltende Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank, durch eine schwächelnde Wirtschaft und eine steigende Inflation, die aktuell bei 3,9 Prozent liege, aber, so Scholtholt, „die vielbeschworene Bankenkrise durch Unternehmenspleiten haben wir im Jahr 2020 nicht gesehen und sehen wir aktuell für uns, die Volksbank Schermbeck, nicht.“

  • OB Stephan Keller und Kämmerin Dorothée
    Finanzkrise in Düsseldorf : Corona kostet die Landeshauptstadt eine Milliarde Euro
  • Mittelstandsfinanzierung : Corona-Folgen treffen vor allem kleine Unternehmen
  • Die Weltwirtschaft hat nach der Corona-Krise
    Liquiditätssicherung : Aufträge nur mit Angebot für Finanzierung

Die Bilanzsumme stieg um 13,9 Prozent auf 609,7 Millionen Euro, das betreute Kundenvolumen, also die Summe von Kundengeschäften in den Bereichen Krediten und Anlagen, um 10,9 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro. Die Niedrigzinsen haben dazu geführt, dass andere Geldanlageformen gesucht wurden. Nur noch 15 Prozent (90,6 Mio. Euro) der Geldanlagen (576 Mio. Euro) landeten auf Sparkonten.

Das bilanzielle Kundenkreditgeschäft ist um 12,6 Prozent gestiegen. 134 Millionen Euro neue langfristige Kundenkredite wurden vergeben, davon 60 Millionen Euro zur Finanzierung von 300 Wohnbaufinanzierungen. „Insgesamt also“, so Scholtholt, „ein überdurchschnittliches Wachstum im Kundengeschäft.“ Auf der Ertrags- und Kostenseite wurde allerdings registriert, dass bei einem durchschnittlichen Wachstum von über zehn Prozent der Jahresüberüberschuss vor Steuern um 17,5 Prozent auf 5,2 Millionen Euro gesunken ist. Um das Eigenkapital zu erhöhen, wurden inzwischen die Geschäftsanteile um 4500 Euro auf 6000 Euro pro Mitglied erhöht. „Gleichzeitig“, so Scholtholt, „werden wir zukünftig auch mehr Anteile des Jahresgewinns in die Rücklagen stecken müssen.“

Über besondere Ereignisse im Geschäftsjahr 2020 berichtete Vorstandsmitglied Rainer Schwarz. Im März 2020 wurde der erste Schermbecker Coronafall in der Volksbank registriert. In der Nacht zum 5. April fand mit einer schockierenden Brutalität und Professionalität eine Geldautomatensprengung in der Hauptstelle an der Mittelstraße statt. Mit dem im Jahre 2020 fertiggestellten Bauvorhaben in Dorsten-Holsterhausen hat die Volksbank Schermbeck eine erste Immobilieneigenanlage zur Erzielung von Mieterträgen erfolgreich abgeschlossen. Um ähnliche Projekte in Schermbeck realisieren zu können, werden geeignete Grundstücke gesucht.

Schwarz berichtete über die Digitalisierung der Beratung und der Arbeitsplätze, über die weiterhin bestehenbleibende Mensch-zu-Mensch-Beziehung, über die Ausbildung der Volksbank und über eine Spende in Höhe von 120.000 Euro, die zusammen mit drei anderen Volksbanken für die Flutopfer in der Region zur Verfügung gestellt wurde. In der nächsten Zeit sollen den Kindergärten in Schermbeck und Gahlen insgesamt 30.000 Euro zur Verfügung gestellt werden. Per Video wurde das Erweiterungsprojekt der Volksbank vorgestellt.

Nach dem Bericht des Aufsichtsrates über seine Tätigkeit und nach der Bekanntgabe des Berichtes über das Ergebnis der gesetzlichen Prüfung und Beschlussfassung über den Umfang der Bekanntgabe wurde die Gewinnverwendung beschlossen. Die Mitglieder erhalten auf ihre eingezahlten Geschäftsguthaben eine sechsprozentige Dividende, die am 21. September ausgezahlt werden soll.

Die Aufsichtsratsmitglieder Isabella Palik, Annegret Ruloff, Stefan Beyer und Kurt Holtkamp wurden im Ehrenamt bestätigt. Im kommenden Jahr soll ein weiteres Mitglied gewählt werden, sodass der Aufsichtsrat dann sechs Mitglieder hat.

Die Satzung wurde einstimmig geändert. Die Nachschusspflicht der Mitglieder im Falle einer Auflösung der Bank soll wegfallen. Diese Verpflichtung wurde zwar bei einer deutschen Genossenschaftsbank nie durchgesetzt, trotzdem sorgte sie regelmäßig für Nachfragen.

Beschlüsse im Vorstand oder im Aufsichtsrat können künftig auch in schriftlicher oder digitaler Form gefasst werden. Die Überwachungspflichten des Aufsichtsrates werden zudem um bankenaufsichtsrechtliche Regelungen erweitert. Ein weiteres Ergebnis: Die Vertreterversammlung soll grundsätzlich in digitaler oder schriftlicher Form möglich sein.