Wesel: Westkamp tritt erneut als Kandidatin an

Wesel: Westkamp tritt erneut als Kandidatin an

Zur Bürgermeisterwahl schicken die Sozialdemokraten Ulrike Westkamp erneut ins Rennen. Die CDU ist nun unter Zugzwang.

Im politischen Wesel war die Nachricht erwartet worden, dennoch kommt sie zu einem so frühen Zeitpunkt überraschend. Mit dem sicheren Gefühl der Stärke wagt sich die SPD Wesel früh aus der Deckung und legt sich auf Ulrike Westkamp als Bürgermeisterkandidatin fest. SPD-Parteivorsitzender Ludger Hovest ließ bei der Stadtverbandsversammlung in der Niederrheinhalle keine Zweifel aufkommen, wer für die Weseler Genossen zum Wahltermin im Herbst 2020 antritt: Amtsinhaberin Ulrike Westkamp (58) werde bei der Kommunalwahl wieder kandidieren. "Damit ist die Frage für die SPD erledigt", sagt Hovest kurz und knapp.

Ulrike Westkamp sagte am Abend selbst nichts zum Thema Kandidatur. Auf Anfrage unserer Redaktion bestätigte sie aber gestern: "Ja, sofern es die Gesundheit zulässt, werde ich erneut antreten. Ich fühle mich gut. Ich wünsche mir, noch ein paar Jahre Bürgermeisterin in Wesel zu sein." Die Weseler CDU bringt die Ansage zu einem so frühen Zeitpunkt unter Zugzwang. Mit welchem Kandidaten gehen die Christdemokraten ins Rennen? Mehr als die Hälfte der Ratsperiode ist vergangen - üblicherweise ist dies für die Parteien der Zeitpunkt, in dem sie den Markt der Kandidaten sondieren. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Jürgen Linz hatte zuletzt mitgeteilt, dass es noch kein eindeutiges Stimmungsbild gebe. Ob er selbst noch einmal kandidiert?

2014 verlor Jürgen Linz deutlich gegen Westkamp, holte 39,9 Prozent der Stimmen, während die SPD-Stadtchefin mit 52,3 Prozent stark abschnitt. 2004 schaffte Westkamp bei ihrer ersten Kandidatur auf Anhieb den Sprung auf den Chefsessel im Rathaus. 2009 wurde sie dann erstmals wiedergewählt.

  • Kommentar : Heikle Lage

Aus politischen Kreisen verlautet, dass auch CDU-Parteichef Sebastian Hense nicht ohne Ambition ist, als Bürgermeister ins Rathaus einzuziehen. Derzeit arbeitet er als stellvertretender Schulleiter am Andreas-Vesalius-Gymnasium. Als möglicher Kandidat gilt auch Dezernent Klaus Schütz, der CDU-Mitglied ist und den sie mit dem Hinweis ins Rennen schicken könnte, dass er Kenner der Verwaltungsarbeit ist. Chancen hätten die Christdemokraten wohl am ehesten mit einem Kandidaten, der von außen kommt, der nicht in die Ratspolitik eingebunden ist. CDU und SPD agieren in Wesel in einer Großen Koalition - entsprechend müssen die CDU-Ratsmitglieder eng mit der SPD und der Stadtchefin zusammenarbeiten. Möglicher externer Kandidat wäre nach Ansicht von Rathaus-Insidern der Dezernent im Kreishaus, Lars Rentmeister. Er ist CDU-Mitglied, verantwortet beim Kreis unter anderem Justiz und Straßenwesen, Gefahrenabwehr, Ordnungswesen und Ausländerangelegenheiten. Auch der gebürtige Bislicher Christoph Gerwers, Bürgermeister in Rees, wäre eine Option.

Den Wahlkampf jedenfalls haben die Sozialdemokraten eröffnet. Mit der Ansage der SPD, dass Westkamp erneut antritt, wird sie bis zum Herbst 2020 jeden Auftritt auch als Wahlkampf in eigener Sache nutzen können - knapp drei Jahre lang. Westkamp präsentiert sich immer wieder als bürgernahe Bürgermeisterin, gibt sich in Ratssitzungen als Verwaltungsfrau, weniger als politische Bürgermeisterin.

Hovest weiß um den wunden Punkt der CDU. In der Versammlung berichtete er von Nachfragen zur Bürgermeisterkandidatur bei anderen. "Auch bei den Schwatten. Und wer da alle will ...", ließ er den Satz bewusst unvollendet und schilderte genüsslich, dass FDP-Bundestagsabgeordneter Bernd Reuther sich ebenfalls weiter Westkamp als Bürgermeisterin vorstellen könne.

(RP)
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