Wesels Sportdezernent spricht über Rasenplätze, Hallen, Kooperationen

Interview : „Es bringt nichts, Hoffnung zu wecken“

Der Weseler Sportdezernent spricht über Rasenplätze, Hallennutzung und die Notwendigkeit zu Kooperationen von Vereinen.

Herr Benien, der Sportentwicklungsplan ist derzeit wieder in der Diskussion. Der Fußballverein Viktoria Wesel fordert einen Kunstrasenplatz, sieht den Sportentwicklungsplan kritisch.

Rainer Benien Der Sportentwicklungsplan ist für mich ein Impulsgeber. Wir hatten eine breite Beteiligung in der Stadt. Es wurden alle Schulen befragt, alle Vereine. 74 Sportvereine und Abteilungen von insgesamt 115 haben sich beteiligt. Diese vertreten 77 Prozent aller organisierten Sportler in der Stadt Wesel. Dazu gab es eine repräsentative Umfrage in der Bevölkerung. Darauf aufbauend tagte eine kooperative Arbeitsgruppe mit 30 lokalen Experten aus Stadtsportverband, Vereinen, Schulen, Politik und Verwaltung, also bunt gemischt. Die Gruppe hat Handlungsempfehlungen entwickelt und diese in den Schul- und Sportausschuss und Rat gegeben. In beiden Gremien wurde der Sportentwicklungsplan einstimmig verabschiedet.

Die verhindert offenbar am Ende doch keine Kritik Einzelner.

Benien Wichtig ist, dass man erarbeitete Konzepte auch umsetzt. Danach handeln wir. Ende 2017 wurde der Plan verabschiedet, 2018 wurden erste Projekte angegangen. Wir sind aus dem Entwurfsstatus raus. Derzeit kümmern wir uns um die Optimierung der Hallenzeiten. In diesem Jahr werden sie erstmals anhand von festgelegten Kriterien neu vergeben.

Wie ist das Verfahren?

Benien Die Vereine melden die Zeiten an, dann gibt es eine Belegungskonferenz. Auch die Nutzung in den Ferienzeiten ist zu prüfen und für die Vereine möglichst auszuweiten. Wir gehen davon aus, dass ein Großteil der Vereine seine Zeiten behalten kann. Wir wollen auch einen besseren Übergang von Schulzeiten zu Vereinszeiten gewähren. Wir fragen die Schulen ab: Wann nutzt ihr die Schulhallen nachmittags im Schulhalbjahr? Wo kein Bedarf angemeldet wird, da dürfen die Vereine sie nutzen. Gerade in den Wintermonaten gibt es bei Vereinen einen großen Bedarf.

Die Fußballvereine sind im Winter besonders betroffen. Oft kann lange der Rasenplatz nicht genutzt werden. Die Plätze sind gesperrt.

Benien Bislich erhält derzeit den ersten Kunstrasenplatz in Wesel. Auch auf einigen anderen Anlagen soll es einen solchen geben. Die älteren Jugendmannschaften und Senioren können dann weiter draußen Sport treiben, so werden die Hallen entlastet.

Steht das Invest beim Kunstrasenplatz in Relation zum Nutzen?

Benien Es kann im Winter durchtrainiert werden und der Pflegeaufwand ist geringer. Ein solcher Platz ist auch für jüngere Sportler geeignet und besser nutzbar für den Schulsport. Wir schaffen eine qualitative Steigerung für die Sporttreibenden in Wesel. Dass nun manche Vereine einen Kunstrasenplatz fordern, ist verständlich, aber die kooperative Arbeitsgruppe hat diskutiert und ist mit einer einstimmigen Position an die Öffentlichkeit gegangen. Der Plan ist also weitestgehend unstrittig.

Wie ist die Prioritätenliste?

Benien Im Sportentwicklungsplan steht klar, wo Kunstrasenplätze entstehen sollen. An erster Stelle steht das Auestadion, der Tennenplatz soll ein Kunstrasenplatz werden. Die zweite Priorisierung liegt am Molkereiweg, beim PSV. Dort sollen zwei Kunstrasenplätze entstehen. An dritter Stelle steht Büderich/Ginderich, dort wollen wir mit den Vereinen auf der linken Rheinseite etwas realisieren. Dann steht mit geringer Priorisierung ein Kunstrasenplatz im Weseler Norden an. In Bislich war die Entscheidung für den Bau schon gefallen, als der Sportentwicklungsplan noch nicht verabschiedet war. Wichtige Botschaft bleibt immer: Wir wollen nichts gegen die Vereine entscheiden. Es wird niemand gezwungen, seine jetzige Sportanlage zu verlassen. Vereine ohne Kunstrasenplatz müssen ihre jetzige Spielstätte nicht aufgeben.

Was wird in Bislich mit dem alten Platz geschehen?

Benien Es gab einen politischen Antrag, eine Beteiligung mit den Bislichern zu machen. Stand heute gibt es noch keine Nachfolgenutzung.

Und was bleibt den Vertretern von Viktoria?

Benien Wir haben offen und ehrlich mit den Vertretern von Viktoria gesprochen. Es bringt nichts, Hoffnungen zu wecken. Es gibt die Alternative im Sportentwicklungsplan, perspektivisch mit WSV und SUS Wesel Nord Sportanlagen gemeinsam zu nutzen. Ich bin überzeugt, dass Kooperationen nachhaltig sind und Synergien schaffen. Das sieht man an der Jugendspielgemeinschaft von WSV und SUS Wesel-Nord. Diese hat nach ihrer Gründung einen sehr guten Zulauf von Kindern und Jugendlichen erfahren. Unser Ziel ist, dass wir mit dem Stadtsportverband und dem Kreissportbund eine Veranstaltung für alle Sportvereine organisieren, möglichst noch in diesem Jahr, bei der unter anderem Beispiele zu Kooperationen und Angebotsentwicklungen vorgestellt werden. Wir hoffen, dass sich daraus Impulse ergeben.

Welche Investitionen sieht der Sportentwicklungsplan weiter konkret vor?

Benien 2017 bis 2019 haben wir in Wartung und Bauunterhaltung 570.000 Euro investiert. In die Modernisierung und Sanierung der Turnhallen in 2017 und 2018 insgesamt 750.000 Euro, in diesem Jahr sind dafür im Haushalt 1,1 Millionen Euro vorgesehen. Die Investitionen in die Weseler Sportinfrastruktur wurden aus den Befragungsergebnissen abgeleitet und erhöht. Es geht zum Beispiel um Bodenbeläge, Prallschutz oder Sanierung von Dächern. Zusätzlich haben wir 2018 jede Turnhalle kontrolliert, welches Material vorhanden ist und den Zustand überprüft. Wo nötig, haben wir Geräte ersetzt.

Wird das reichhaltige Weseler Sportangebot aus Ihrer Sicht schon ausreichend beworben?

Benien Auch hier wird der Sportentwicklungsplan konkret. Die Internetseite der Stadt wird in diesem Jahr überarbeitet und ein neues Gesicht zeigen. Wir wollen dort alle Sportangebote der Stadt Wesel nutzerfreundlich vorstellen. Das war ein Punkt, der bei den Befragungen kritisiert wurde. Die Weseler wollten eine Seite, wo man alle Angebote zentral findet. Der Wert von Vereinssport kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Die Sportvereine leisten einen wichtigen Beitrag zur Integration. Viele Sportvereine sind Heimat geworden für Mitglieder unterschiedlichen kulturellen Hintergrunds.

Hat der Sportentwicklungsplan nur den Vereinssport im Blick? Es gibt ja auch eine Tendenz zu Fitnessstudios, Joggen, vereinsungebundenem Freizeitsport.

Benien Der Trend geht dahin, dass die Leute sich weniger binden, eher punktuell Angebote wahrnehmen. Ich war kürzlich bei der Jahreshauptversammlung des WTV, dort wurden Menschen für 50- und 60-jährige Vereinsmitgliedschaft geehrt. Wenn man sich das anschaut, diese Werte der Beständigkeit, das wird heute immer weniger. Wir müssen also auch Angebote für Menschen schaffen, die sich nicht an einen Verein binden wollen.

Was schwebt Ihnen da jetzt konkret vor?

Benien Eine Empfehlung im Sportentwicklungsplan ist es, Sport im Park-Angebote zu realisieren. Die VHS hat das schon aufgegriffen. Sie wird im Sommer freie Sportangebote am Auesee anbieten. Das läuft über die ganzen Sommerferien. Der WTV hat Familiensportangebote am Sonntagnachmittag installiert, es treffen sich dort 200 Sportbegeisterte, vom Kleinkind bis zur Oma. Auch der Seniorenbeirat hat Empfehlungen aus dem Sportentwicklungsplan aufgegriffen und wird in diesem Jahr einen Aktionstag „Bewegt älter werden“ organisieren. Ein Projekt in diesem Kontext ist auch der Kasinogarten. Er wird derzeit komplett neugestaltet. Dort werden die Fünf Esslinger implementiert. Das sind Hilfsmittel, an denen man auf eine sehr einfache Weise Sport treiben kann. Eine Tafel gibt Hilfestellung zur Durchführung. Es ist eine Art Basis-Fitnessprogramm. Direkt nebenan ist eine Senioreneinrichtung, so gibt es einen direkten Nutzen. Das sind nur einige Beispiele von vielen, wie Wesel sich im Sport weiterentwickelt.

(sep)
Mehr von RP ONLINE