Wesels Kämmerer Paul-Georg Fritz nimmt Sabbat-Sommer

Abschied von Paul-Georg Fritz : Kämmerer nimmt Sabbat-Sommer

Der nach acht Jahren nicht mehr wieder gewählte Beigeordnete und Kämmerer Paul-Georg Fritz wurde verabschiedet – mit Taschentüchern. Vielleicht geht es nun in die Politik und in die Selbstständigkeit als Rechtsanwalt

Acht Jahre hat er im Rathaus die Finanzen verwaltet, war für die städtischen Immobilien sowie die Bereiche Informationstechnik und Recht zuständig. Am Mittwoch verließ der Beigeordnete und Kämmerer Paul-Georg Fritz zum letzten Mal sein Büro im dritten Stock, weil sein Vertrag auslief. Seine Kollegen machten es ihm nicht leicht, sie schmückten seinen Raum mit lauter Papiertaschentüchern und weinenden Smileys. Man mochte sich offensichtlich. Versüßt wurde der Abschied dennoch: mit zwei Kuchen, die Ehefrau Halyna und Tochter Sofiya (21) gebacken haben. Doch vielleicht gibt es demnächst ein Wiedersehen mit Fritz. Denn möglicherweise wechselt der 53-Jährige die Seiten im Ratssaal und nimmt für die Grünen in einem der Ausschüsse als sachkundiger Bürger Platz. Denn dieser Partei gehört er nicht nur seit 1981 an, er hat auch Erfahrung, saß bereits mit 19 im Stadtrat von Pulheim.

Diese Entscheidung ist bislang allerdings genauso wenig gefallen wie die seiner beruflichen Zukunft. Es soll eine Art Sabbat-Sommer werden, kündigt Fritz im Gespräch an. So viel Zeit möchte er sich nehmen. Zum einen, um sie mit seiner Familie zu verbringen, zum anderen, um mit dem Motorrad, einer Suzuki Reiseenduro, quer durch die Ukraine zu fahren, der Heimat seiner Ehefrau. 1600 Kilometer sind es bis zur Grenze, doch Paul-Georg Fritz will mehr. Zum Beispiel in die Karpaten, ans Donaudelta und an die Schwarzmeerküste. Und das wohl weitgehend allein, um später seine Frau in ihrer Heimatstadt zu treffen.

Bislang sah man den Kämmerer meist auf dem Tourenrad, das er in der Regel benutzte, um vom alten Pfarrhaus in Bislich, wo er wohnt, ins Rathaus zu kommen. Gut 20 Kilometer sind dies und das geschätzt knapp 1500-mal in den acht Jahren. Nur wenn es wettermäßig gar nicht ging, stieg er in den Bus.

In Bewegung möchte der gebürtige Kölner, der nach Stationen im brandenburgischen Peitz und in Neukirchen-Vluyn in die Kreisstadt kam, auf jeden Fall. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich nichts mache“, sagt er. Die Arbeit in der Verwaltung habe ihm immer viel Spaß gemacht, aber auch als Rechtsanwalt könne er sich seine Zukunft vorstellen. Drei Jahre lang war er in Ostdeutschland bereits vor allem im Bereich Ausländerrecht aktiv.

Dass es im Weseler Ratssaal manchmal hoch her ging und er im Mittelpunkt der Kritik von SPD und CDU stand, scheint ihn nicht sonderlich überrascht zu haben. „Jede Kommune hat ihre Sonnen- und Schattenseiten“, findet der Verwaltungsfachmann, der sich aber sicher ist, dass man auch bei unterschiedlichen Meinungen gut miteinander arbeiten kann, wenn denn die Chemie stimmt. In Pulheim etwa habe er beste Drähte zur CDU gehabt. Und auch in Wesel hätte er sich durchaus vorstellen können, mit dem einen oder anderen aus SPD und CDU mal ein Bier zu trinken. Er habe sich auf jeden Fall immer vor seine Mitarbeiter gestellt, wenn sie aus dem politischen Raum angegriffen worden seien. Rückendeckung bekam Fritz dabei in der Regel von seinem Parteikollegen Ulrich Gorris, eine gewisse Sicherheit gab ihm die Familie und der Freundeskreis, wenn er mal wieder besonders im Fokus stand. Heute reist Paul-Georg Fritz erst einmal nach Berlin zu einem Empfang. Dort ist er seit 2001 ehrenamtlich beim Gemeinsamen Juristischen Prüfungsamt der Länder Berlin und Brandenburg tätig. Sprich: Er prüft Juristen, die von der Uni kommen, und ist bei der zweiten juristischen Staatsprüfung nach dem Referendariat dabei. Danach geht es erst einmal in die alte Heimat Peitz und zum Besuch seiner Tochter Marie-Luise (20).

Und mit den anderen beiden Kindern Julia (13) und Lyubomyr (17) möchte er demnächst einfach mal das tun, wozu er oft nicht kam: ins Schwimmbad gehen oder Minigolf spielen...

(P. H.)