Wesels jüngere Geschichte: SPD regt weitere Video-Dokumentation an

SPD regt Video-Dokumentation an : Neue Pläne für Wesel-Film

Nach „Schutt und Asche“ sowie dem Film über den Wiederaufbau Wesels sollte eine weitere Dokumentation über die jüngere Geschichte der Stadt erstellt werden, sagt die SPD. Gesucht werden Bürger, die Material beisteuern können.

Im 778. Jahr nach Wesels Erhalt der Stadtrechte richtet die SPD den Blick auf die letzten Jahrzehnte. Nach „Schutt und Asche“, der 1995 zum Thema Kriegszerstörung herauskam, sowie dem Film über den Wiederaufbau Wesels (2008) sollte eine weitere Dokumentation über die jüngere Geschichte der Stadt erstellt werden, sagt die Fraktion. Vorsitzender Ludger Hovest stellte mit den SPD-Spitzen Norbert Meesters, Marco Cerener, Wolfgang Spychalski, Ulla Hornemann, Patrick te Paß und Ruth Freßmann jetzt einen Antrag vor, dem Kulturausschuss einen Vorschlag zur Realisierung des Film-Projekts vorzulegen.

Wie Ludger Hovest berichtet, war die Idee unlängst im Rahmen einer Strategiediskussion der Genossen geboren worden, als auffiel, dass der mit dem Wiederaufbau-Streifen angekündigte Teil II aussteht. Dabei sei festzustellen, dass es offenbar ein großes Interesse an der Geschichte der Stadt gibt. Auch die jüngeren Ereignisse stünden im Fokus, was sich an der etwa 11.800 Mitglieder zählenden Facebook-Gruppe „Du bist Weselaner (oder Weseler), wenn ...“ ablesen lasse.  Material gibt es im Weseler Stadtarchiv reichlich, doch soll laut SPD die Bevölkerung mit eingebunden werden. Wer mitgefilmt hat, ob mit Super 8-Kameras oder anderen Techniken, kann Beiträge ab sofort im SPD-Fraktionsbüro im Rathaus in treue Hände geben. Unveröffentlichtes aus den 70ern hat Videojournalist Marco Cerener vom verstorbenen Kameramann Ulrich Weber vermacht bekommen. Überwiegend Gebäude, Sequenzen über Stadtteile wie die Feldmark und Flüren.

An Themen und Ereignissen, die jüngeren Generationen oder Neuweselern womöglich überhaupt nichts sagen, herrscht kein Mangel. Da folgt dem Bau des Bühnenhauses Ende der 50er Jahre schnell ein Weltereignis: Erst Berlin mit New York, dann Wesel mit Hagerstown (wegen des zehnjährigen Bestehens ihrer Städtepartnerschaft): So war es für das erste Gespräch abgemacht. Wegen einer technischen Panne kam alles ganz anders. Wesel und Hagerstown führten schließlich am 27. Juli 1962 das erste Satelliten-Telefonat. Aus heutiger Sicht rührend, damals epochal. 1963 beginnt in der Aue eine Auskiesung. Heute liegt da ein See, den kaum noch jemand als das betrachtet, was er ist: künstlich für Sport und Freizeit angelegt.

Wer hat sich alles 1965 an den Scheiben des Hallenbades die Nase plattgedrückt? Am 19. November eröffnete Bürgermeister Kurt Kräcker das neue Bad mit einem Kopfsprung aus dem Handstand vom Drei-Meter-Brett – im Frack! Im gleichen Jahr wurde Wesel mit der Schill-Kaserne wieder Garnisonsstadt. Das Ende der Straßenbahn, spektakulärer Abriss des Rathauses (Zeche Ewald), um Platz für den Kaufhof zu schaffen. Der erste Eselorden, Wachstum durch die kommunale Neuordnung, die Einweihung der Fußgängerzone, der Umzug des traditionsreichen (Jungen-)Gymnasiums (heute KDG) vom Herzogenring (heute Amtsgericht) in die Feldmark, und immer wieder Menschenmengen bei aufsehenerregenden Aktionen zum Wiederaufbau des Doms. 10.000 sind am 28. September 1978 dabei, als ein 120 Meter hoher Autokran den Turmhelm vom Boden auf den Schaft hebt.

Natürlich ist mit dieser bescheidenen Auswahl längst nicht alles gesagt, was das heutige Wesel in der jüngsten Zeit mitgeprägt hat. Das Stadtarchiv hat mit den Bänden 22 (Chronik 1945-1999) und 33 (Chronik 1961-2010) der Reihe Studien und Quellen zur Geschichte der Stadt Wesel wahre Fundgruben herausgebracht. Viele der darin kurz angerissenen Begebenheiten sind es wert, auch mal filmisch für die Jetzt- und Nachwelt präsentiert zu werden.

Die SPD jedenfalls zeigt sich zuversichtlich, für ihren Vorschlag breite Zustimmung aus den anderen Fraktionen im Weseler Rat zu bekommen. Jetzt müsse das Vorhaben umgesetzt werden, da sonst die vorhandenen Aufnahmen vielleicht technisch nicht mehr reproduzierbar sein könnten.

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