Wesel: Wesels Fassadenprogramm wirkt

Wesel : Wesels Fassadenprogramm wirkt

Wesels Fassaden werden aufgehübscht. Möglich macht es das Fassadenprogramm. Das Ergebnis wurde jetzt präsentiert - mit Jan Hofer.

Wenn heute über die architektonischen 50er Jahre gesprochen wird, ist dies nicht unbedingt nur mit Positivem verbunden. Auch in Wesel gibt es viele bauliche Zeugnisse dieser Zeit, wurde die im Zweiten Weltkrieg nahezu komplett zerstörte Stadt doch unmittelbar danach eilig wieder aufgebaut, damit die Menschen Raum zum Wohnen bekamen. Jan Hofers Vater gehörte dazu, etwa mit dem Eckhaus Korbmacherstraße 15/Doelenstraße. Als es vor vier Jahren ganz in den Besitz des Tagesschausprechers mit Weseler Wurzeln überging, war es in einem miserablen Zustand.

Und heute? Heute ist vieles neu, ohne das Alte zu verdecken. Das ist dem Büro "StadtLandNet", das die Modernisierungsberatung und das Fassadenprogramm in der Innenstadt seit 2012 betreut, wichtig, wie Heinrich Hendrix beim Vor-Ort-Termin vor dem Reisebüro Peitsch verkündete. Schließlich sind es genau solche Fassaden, die das Bild Wesels prägten und wieder prägen. Denn in vielen Bereichen sind die Bauten längst überformt und nicht mehr zu erkennen. Wie es anders geht, zeigt das jüngste Beispiel von Jan Hofers Wohn- und Geschäftshaus. Die einfache und zurückhaltende Architektur kommt nach der behutsamen Erneuerung wieder richtig rüber. Die Schaufenster sind geneigt, der zurückliegende Eingang wurde etwas nach vorn geholt, dabei der Fußboden belassen. Die Werbung darf nur bestimmte Formen und Maße haben, die filigranen Originalgitter an Balkonen und Fenstern wurden instandgesetzt, das schlanke Stahlbetondach ist nun freigelegt. Was noch folgt ist eine dezente Beleuchtung des Ganzen. Hofer spricht von einem Niveau, das sich wohltuend von anderen Gebäuden abhebt. Aus ursprünglich einem Ladenlokal, zuletzt Haffke, wurden zwei gemacht. "Die Ecke belebt sich langsam", sagt der gebürtige Büdericher, der möchte, dass die Korbmacherstraße "hochwertiger als die Kreuzstraße wird". Der Tagesschausprecher, der in Hamburg lebt, hat schon weitere Pläne, etwa die Sanierung des Innenhofs. Eines wurde durch die Neuerungen anders. Es gab fast einen kompletten Mieterwechsel.

Seit Beginn der Fördermaßnahmen wurde im Stadtkern die Modernisierungsberatung für 166 Gebäude in Anspruch genommen. 55 Fassaden präsentieren sich bereits modernisiert. Bis Ende des Jahres flossen dafür knapp 273 000 Euro an private Eigentümer, wie Bürgermeisterin Ulrike Westkamp ausführte. Seitens der Eigentümer wurden rund 1,4 Millionen Euro in die Innenstadt-Immobilien investiert. Dort, wo Eigentümer ihre Fassade umgestaltet haben, werden Nachbarn aufmerksam und zeigen ebenfalls Interesse. Ende 2013 waren 795 Quadratmeter Fassade umgestaltet, jetzt sind es bereits 10 600 Quadratmeter - Zahlen, die sich sehen lassen können und für sich sprechen.

Bis Ende des Jahres läuft das Förderprogramm mit Modernisierungsberatung und architektonischem Gebäudeausweis noch. Infos www.wesel.de/modernisierungsberatung oder Tel. 0281 2032214.

(P. H.)
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