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Weseler York Hovest will über den Atlantik rudern

Aktivist für die Rettung der Meere : Weseler Hovest will über Atlantik rudern

Der aus Wesel stammende Fotograf und Weltenbummler York Hovest legt sich mit zwei Freunden ins Zeug, um auf die Bedrohung der Meere aufmerksam zu machen. Im Dezember legt ihr Ruderboot auf Gran Canaria ab Richtung Barbados.

Wenn York Hovest zu einer Expedition aufbricht, dann kommt immer etwas Großes dabei heraus. Das hat der in Wesel geborene und in München lebende Fotograf Ende Januar erst im Kulturspielhaus Scala mit seinem Bildvortrag „100 Tage Ozeane – Die Helden der Meere“ bewiesen. Das Projekt ist längst nicht zu Ende. Wie berichtet, werden im September ein Buch und ein Film dazu erscheinen. Dies wird flankiert vom Versuch einer extrem sportlichen Leistung: Mit Rainer Ballwanz und Andreas Stollreiter will Hovest von Gran Canaria aus über den Atlantik nach Amerika rudern. Am 1. Dezember wollen die drei Abenteurer ihre Tour angehen, mit reiner Muskelkraft und erhoffter Hilfe der Passatwinde nach etwa 5000 Kilometern und 50 Tagen in der Karibik auf Barbados (Kleine Antillen) ankommen.

Ziel ist es, auf die Bedrohung der Weltmeere und ihrer Ökosysteme aufmerksam zu machen. „Wenn das Meer stirbt, stirbt auch der Mensch“, sagt Hovest, der gerade 41 Jahre alt geworden ist. Das Projektmotto – ins Englische übersetzt „Heroes of the sea“ – gibt dem Boot seinen Namen: „H.O.T.S“. Am vergangenen Samstag ist es am Starnberger See bei München unter segnender Mitwirkung von Pfarrer Peter Brummer und Mitgliedern des Tutzinger Rudervereins getauft worden.

 Erste Testfahrt von York Hovest (vorn) und Rainer Ballwanz auf dem Starnberger See
Erste Testfahrt von York Hovest (vorn) und Rainer Ballwanz auf dem Starnberger See Foto: YH
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Helden der Meere werden die Ruderer nach ihrer Tat sicher auch sein, gemeint sind damit aber jene Menschen, die bereits Lösungen für die globalen Umweltprobleme gefunden haben. Etliche hat York Hovest schon getroffen und in seine Geschichten eingebaut. Weitere will er kennenlernen, mit ihren Beispielen zum Umdenken und Handeln anregen. „Jeder einzelne von uns kann zum Helden werden, indem er sich dazu entscheidet, etwas für unsere Umwelt zu tun“, sagt Hovest.

 York Hovest
York Hovest Foto: YH

Doch bevor die große Überfahrt in Angriff genommen werden kann, steht Training auf dem Starnberger See auf dem Programm. Hovest ist zweifelsohne ein sportlicher Typ, aber ruderisch weitgehend unbeleckt. Er kennt den ungefähren Bewegungsablauf mit Rollsitz und Stemmbrett zwar von Ergometern, wie sie in Fitnessstudios stehen und auch von der Ruder- und Tennisgesellschaft Wesel zum Beispiel im Winter genutzt werden. Aber richtiges Sportrudern auf dem Wasser in Wind und Wetter war ihm bislang fremd.

 Der Tutzinger Pfarrer Peter Brummer (l.) segnet Mannschaft und Boot.
Der Tutzinger Pfarrer Peter Brummer (l.) segnet Mannschaft und Boot. Foto: YH

Vor wenigen Tagen ging es erstmals für zweieinhalb Stunden auf den See. Die haben offenbar gereicht, um einen Eindruck von dem zu geben, was vor der Crew liegt. „Windstärke 9, Graupel und Schnee: Wir hatten Not, wieder zum Steg zurückzukommen“, schildert Hovest und lacht dabei so erfrischend, dass am ernsthaften Verfolgen des Plans keine Zweifel aufkommen. Leven Brown hat das Boot gebaut und wird das Trio in der Vorbereitung unterstützen. Der Brite hat fünfmal den Atlantik und einmal den Indischen Ozean im Ruderboot überquert, mit seinen Taten diverse Einträge ins Guinness-Buch der Rekorde gesammelt und gilt als erfahrenster Ozeanruderer der Welt. Wenn die „H.O.T.S“ auf hoher See ist, wird er per Satelliten-Telefon mit der Mannschaft in Kontakt bleiben, sie unter anderem vor aufziehenden Unwettern und anderen Hindernissen warnen.

Mit Hovest geht der Frankfurter Unternehmer Rainer Ballwanz (59) auf die Reise. Ihm geht es um das Ausloten des persönlich Machbaren, physisch und mental. „Ich will wissen, wie es sich anfühlt, mit tausenden von Kilometern Wasser drumherum in einem kleinen Ruderboot auf einem Ozean unterwegs zu sein“, sagt Ballwanz. Dritter im Bunde ist der Osteopath Andreas Stollreiter (39) aus München. Würde man ihn fragen, warum er sich auf das unberechenbare Abenteuer einlässt, so Hovest, klänge die Antwort in etwa so: „Ich weiß es nicht. Es ist ein Gefühl, dem ich folge.“

Offiziell präsentiert werden Boot und Mannschaft Ende Mai auf dem Umweltfotofestival Horizonte in Zingst an der Ostsee, die im Sommer das Übungsgebiet der angehenden Extremruderer sein wird. Die Nussschale wird „selbstverständlich ohne Begleitschiff, sonst wäre es ja langweilig“ (Hovest), über den Atlantik bewegt. Zur Ausstattung wird die modernste Navigations- und Sicherheitstechnik ebenso gehören wie eine automatische Steuerungs- und eine Wasseraufbereitungsanlage. Die Liste der Ausrüstung ist so lang, dass Hovest meint, sie würde hier den Rahmen sprengen. Den drei Ruderern stehen zwei Rollsitze zur Verfügung, so dass immer einer entspannen kann. Im Zwei-Stunden-Takt wollen sie sich ablösen, damit das Boot stetig Vortrieb bekommt.

Apropos Rahmen: Ohne Sponsoren geht es nicht. Hovest rechnet mit Kosten von rund 150.000 Euro und hat auch schon einige Partner und Geldgeber gefunden, die sich mit ihren Logos auf dem Boot verewigen dürfen. Einer davon ist Edeka Komp. So wird denn der Fleischwurst-Ring, der das O im Label der Märkte in Wesel und Hamminkeln bildet, mit auf die Reise gehen.

Ein Fernziel, das York Hovest mit seinem Engagement verfolgt, hatte er unlängst in Wesel genannt: eine digitale Datenbank, auf der alle Aktivitäten zum Schutz und Erhalt des marinen Ökosystems gebündelt dargestellt werden, einen visuellen Globus zum Erlernen und direkten Handeln.