Weseler Konrad-Duden-Journalistenpreis für Beitrag über Spenderherzen

Ehrung im Luthersaal : Duden-Preis für Beitrag über Spenderherzen

Dominik Stawski gewinnt den Weseler Journalistenpreis 2020 für die „Stern“-Reportage „Wenn das Herz versagt...“. Der Presseclub Niederrhein freut sich über kontinuierlich gestiegene Zahl der Bewerbungen.

Die Verleihung des Konrad-Duden-Journalistenpreises in Wesel hat in diesem Jahr unter einem besonderen Stern gestanden: Der Erstplatzierte bei der vorherigen Auszeichnung Anfang 2018 war der Spiegel-Journalist Claas Relotius, der seinen Preis später zurückgab, weil er als Fälscher enttarnt worden war. Dem Zuspruch zum Wettbewerb scheint dies nicht geschadet zu haben: 65 Bewerbungen von 51 jungen Journalisten gingen diesmal ein.

Der Preis ehrt die besten Arbeiten im Hinblick auf deren herausragende sprachliche Berichterstattung und wird in einem zweijährigen Turnus vergeben. Gewonnen hat eine Reportage des Stern-Journalisten Dominik Stawski.

Zum fünften Mal vergaben die Stadt Wesel, Geburtsort des deutschen „Rechtschreibpapstes“ Konrad Alexander Friedrich Duden (1829-1911), der Presseclub Niederrhein sowie der Dudenverlag den mit insgesamt 3.500 Euro dotierten Konrad-Duden-Journalistenpreis. Wesels Bürgermeisterin Ulrike Westkamp (SPD) konnte rund 150 Gäste zur Preisverleihung im Luthersaal empfangen.

Eine zehnköpfige Jury mit der Vorsitzenden Sigrid Baum – und dem früheren RP-Chefredakteur Michael Bröcker – hatte die Beiträge bewertet. Sie konnte Punkte für einzelne Kriterien vergeben – für bildhafte und lebendige Sprache, anschauliche Erklärung der Sachverhalte, gut erzählte Beiträge, klar herausgearbeitete Plots, Lesevergnügen bis zum Ende sowie Nutzung und Korrektheit der deutschen Sprache. Den ersten Platz erreichte Dominik Stawski ist für seine Reportage „Wenn das Herz versagt …“, die im März 2019 im Magazin Stern erschienen war. Die Jury lobte bei der Preisverleihung seinen „detailliert geschilderten und berührenden Beitrag“. Der Autor beschreibt das Schicksal von vier Menschen, die in einer Klinik gemeinsam auf ein neues Herz warten. Ein Jahr lang hat er seine vier Protagonisten begleitet.  Der zweite Platz ging an den Journalisten Björn Stephan für seinen Beitrag „Im toten Winkel“ („Süddeutsche Zeitung Magazin“, Dezember 2018). Anja Reumschüssel sicherte sich mit „Das Ziel im Blick“ („GEO“, Februar 2019) den dritten Platz. Sie sei begeistert von den Preisträger-Texten, sagte Ulrike Westkamp. „Die Texte haben mich nicht nur überzeugt, sie haben mich in den Bann gezogen.“

Der Fall Relotius habe für Veränderungen bei der Ausschreibung gesorgt, erklärte Jurychefin Sigrid Baum im Vorfeld unserer Redaktion. „Es hat dazu geführt, dass wir die Ausschreibungskriterien für den Preis ergänzt haben, damit wir ihn auch zurückfordern können, wenn es dafür einen wichtigen Grund gibt.“ Bei der Beurteilung der eingereichten Arbeiten, auch für die Arbeit der Jury, habe der Fall Relotius aber keine Auswirkung gehabt. „Der Konrad-Duden-Journalistenpreis ist mittlerweile hoch angesehen, sein Bekanntheitsgrad ist stetig gestiegen. Oft wird er in einem Atemzug mit dem ,Deutschen Reporterpreis‘ genannt.“ Mittlerweile seien alle namhaften Redaktionen mit Beiträgen ihrer Autoren vertreten. 2012 wurde der Preis erstmals verliehen, seitdem stieg die Zahl der Bewerbungen kontinuierlich.

Der Konrad-Duden-Journalistenpreis zeichnet besonderen Umgang mit Sprache aus. „Wenn dieses Zeichen wirkt und die Menschen anregt, ein wenig sorgsamer und behutsamer mit Sprache umzugehen, dann wäre das ein tolles Ergebnis.“ Sigrid Baum lobt Bürgermeisterin Ulrike Westkamp. Sie habe das Potenzial der Idee eines Journalistenpreises erkannt und sich persönlich, aber auch mit der Stadt Wesel „umfangreich und großzügig“ engagiert.

Die Beiträge der Preisträger sind unter www.wesel.de/journalistenpreis abrufbar.

(RP)