Weseler Chorprojekt an St. Martini so aktuell wie nie

Wesel : Neues Chorprojekt ist so aktuell wie nie

Die Chorgemeinschaft Aggiornamento an St. Martini stürzt sich wieder in eine große Aufgabe. Am 17. November führt sie das Schöpfungsoratorium „...und dann war Licht“ auf. Im Projektchor sind neue Mitwirkende willkommen.

Singen macht Spaß. Aber wochenlang jeden Samstag? Und das auch noch mit einem klaren Zieldatum, an dem alles stimmen muss? Die Vorstellung schmeckt nicht jedem. Dennoch gibt es eine wundersam funktionierende Tradition, die jetzt an St. Martini mit einem neuen Chorprojekt in die nächste Runde geht. Seit 16 Jahren gelingt es, alle zwei bis drei Jahre so eine Mammut­aufgabe bis zur Aufführung durchzuziehen. Neben der Anziehungskraft des Neuen und Spannenden, ist es wohl auch das Leckere, das sangesfreudige Frauen und Männer zu Wiederholungstätern macht und Neugierige anlockt. „Das Probenbuffet ist legendär“, sagt Barbara Hochgürtel verheißungsvoll. Sie ist die musikalische Leiterin des Aggiornamento, der etwa 45-köpfigen Chorgemeinschaft an St. Martini.

Claudia Bussing, deren Vorsitzende, hat eine ganz eigene Herangehensweise an das jeweils neu einzustudierende Werk. „Ich kenne es nicht und werde es mir bewusst vorher nicht anhören, weil ich es spannend finde, wie sich dann die Geschichte fügt“, sagt sie. „...und dann war Licht“ heißt das etwa einstündige Oratorium, das am Sonntag, 17. November, ab 18 Uhr in der Martinikirche aufgeführt wird. Das ist zwar noch ein ganze Weile hin, aber es geht ja darum, noch einige neue Mitstreiter für die Probenarbeit zu gewinnen, die am Samstag, 24. August, um 14 Uhr im Martini-Pfarrheim beginnt. Erfahrung im Chorgesang ist natürlich von Vorteil. Grundsätzlich jeder darf sich darauf freuen, herzlich aufgenommen zu werden. Zusammengeschweißt wird der Projektchor am 31. August/1. September bei einem Probenwochenende in Haltern.

Imke Hagemann erinnert sich noch gut an ihren Start. Als sie im Juli 2003 von Hochgürtel angesprochen wurde, war sie voller Zweifel. heute ist sie froh und dankbar, dass sie sich darauf eingelassen hat. Die Oratorien „Emmaus“, „Simeon“ und „Maria“ begleiten sie noch immer. Die Atmosphäre bei den Proben beeindruckt sie wie die Stimmung am Tag der Aufführung, wenn ein besonderer Zauber in der Luft liegt.

„...und dann war Licht“ wird sicher auch für diesen Zauber sorgen. Es geht um das Schöpfungsthema, erzählt entlang jener sieben Tage der Genesis. Klingt alt, ist aber brandaktuell. Denn eine Prophetin schaut dabei in die Zukunft – also in unsere Gegenwart. Und da klingt die Frage an Gott mit an, ob die Welt denn wohl so geworden ist, wie er es sich mal vorgestellt hat. „Das Klima, die Plastik-Problematik, Fridays for future-Aktionen – es hätte nicht besser kommen können“, sagt Stefan Sühling zur Auswahl des Stücks. Geschrieben ist es für Chor, Solisten, Orchester und Band. Die Musik stammt von Thomas Gabriel, der Text von Eugen Eckert. „...und dann war Licht“ ist in Wesel bislang noch nie aufgeführt worden.

Dass Chöre wie auch alle anderen Vereine zunehmend personelle Probleme haben, ist kein Geheimnis. Nur wenige wollen sich verlässlich für Proben oder Training binden lassen, geschweige denn, ein Amt übernehmen. Chorprojekte sind Versuche, dem entgegenzuwirken. Denn die gemeinsame Arbeit ist zeitlich überschaubar und auf ein bestimmtes Ziel gerichtet. Das macht es manchem, der sich nur temporär verpflichten will, einfacher. An St. Martini gibt es eine treue Jüngerschaft und auch etwas Zulauf. Hochgürtel spricht von zwei bis vier projektbezogenen Mitwirkenden, die hängenbleiben. Interessenten sei gesagt, dass die Verköstigung in den Probenpausen wirklich etwas Besonderes sein muss. Es habe am Ende einer Reihe auch schon mal ein Backbuch gegeben...

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