Wesel: Weseler Brückenposse: Gutachter soll entscheiden

Wesel: Weseler Brückenposse: Gutachter soll entscheiden

Wer trägt Schuld für den bei Regen spiegelglatten Rad- und Gehweg der Theodor-Heuss-Brücke. Auch nach einem Ortstermin ist diese Frage nicht geklärt. Einstweilen bleibt die Brücke hälftig für Radfahrer gesperrt.

Die peinliche Weseler Brückenposse geht weiter. Auch in den kommenden Tagen ist die sanierte Theodor-Heuss-Brücke für Radfahrer und Fußgänger auf einer Seite nicht nutzbar. Das bestätigte die Weseler Verwaltung am Montag auf Anfrage nach einem Ortstermin auf der wichtigen West-Ost-Verbindung. Vertreter des Fachbereichs Stadtentwicklung, die ausführende Firma Janßen aus Kleve und das mit der Planung beauftragte Weseler Ingenieurbüro Arnemann und Weigang hatten sich zuvor getroffen. Ergebnis: Das Ingenieurbüro soll ein externes Gutachten einholen, das feststellt, ob die Arbeiten normgerecht ausgeführt wurden. Wie Wesels Stadtsprecher Sven Coralic mitteilt, beharrt sowohl die bauausführende Firma als auch das Architekturbüro darauf, den Regeln entsprechend gearbeitet zu haben. Auch die Verwaltung als Bauherr, also Kontrolleur und wirtschaftlich Verantwortlicher, spielt in dem Fall keine glückliche Rolle.

"Wir gehen davon aus, dass nachgebessert werden muss", räumte Bürgermeisterin Ulrike Westkamp (SPD) am Montag ein. Sie testete sie noch am Freitag gegen Mitternacht nach dem Eselrock-Festival die leicht feuchte Fläche. Ihr Urteil: "Zu glatt." Die Stadtchefin erklärte ihr Bedauern über die Unfälle. Die Stadt habe die Baustelle aber noch nicht abgenommen, betonte sie. Vermutlich müsse als Oberfläche eine gröbere Körnung her. Das Problem sei vor allem das starke Gefälle der Brücke, das bei neun Prozent liegt. Am Montagabend sendete die Stadtverwaltung außerdem ergänzend eine Pressemitteilung: "Der Eindruck, dass ein nasser Belag des Radwegs nicht griffig sei, konnte augenscheinlich bestätigt werden", hieß es darin.

Bis zur Klärung bleibt die Brückenseite mit dem Geh- und Radweg stadteinwärts für Fußgänger und Radfahrer gesperrt. Baken verwehren den Zugang. Der Fuß- und Radweg auf der stadtauswärts betrachtet rechten Seite kann nach wie vor benutzt werden. Allerdings müssen Fahrradfahrer aus Rücksicht auf Fußgänger die Brücke zu Fuß überqueren. "Sobald das Gutachten fertig ist, werden umgehend weitere Maßnahmen ergriffen, um beide Seiten der sanierten Brücke freizugeben", versicherte die Verwaltung. Auf eine Sperrung hatte insbesondere die Polizei gedrängt.

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    Theodor-Heuss-Brücke in Wesel : Peinliche Brückenposse - Gutachter wird eingeschaltet

Bei der Polizei war bis Freitag vergangener Woche, wie ausführlich berichtet, noch keine Unfallmeldung eingegangen. Nach dem einem Unfall vom Freitag, infolge dessen die Brücke gesperrt wurde, rief die Polizei Radfahrer auf, Stürze zu melden. "Insgesamt wurden uns seitdem vier Unfälle mit leicht Verletzten gemeldet", sagte Polizeisprecher Daniel Freitag am Montag. Ein Kollege habe ihm nach einem Ortstermin berichtet, dass die Radspur bei Nässe "wie eine Eisbahn" sei. Die Polizei appelliert an weitere Opfer, sich mit der Wache in Verbindung zu setzen. Sie ist unter Tel. 02811070 zu erreichen.

Die Brücken-Sanierung war nötig geworden, weil Schäden im Überbau das gesamte Bauwerk gefährden können. 150.000 Euro kostet die Stadt das Abstemmen losen Betons, der Korrosionsschutz der Betonbewehrung, das Verpressen von Rissen mit Epoxydharz, das Instandsetzen von Betonschäden und die Fugensanierung.

(sep/P. H.)