Weseler Autor Ludger Jochmann: Wenn seine Hexe Lilli Weihnachten rettet

Weseler Autor Ludger Jochmann: Wenn eine Hexe Weihnachten rettet

Der in Wesel lebende Kinderbuchautor Ludger Jochmann, besser bekannt als Knister, ist gerade mit "Hexe Lilli rettet Weihnachten" in den deutschen Kinos. Die dritte Verfilmung kommt bei Kritikern und Besuchern sehr gut an.

Als Ludger Jochmann, den viele Kinder auf der ganzen Welt nur unter seinem Künstlernamen Knister kennen, mit der Idee konfrontiert wurde, die berühmte Hexe Lilli mit Weihnachten in Verbindung zu bringen und einen entsprechenden Kinofilm darüber zu machen, da war der Lilli-Erfinder zunächst nicht sonderlich begeistert. "Ich habe mich gefragt, was hat ein Drache mit Weihnachten zu tun", erzählt der in Wesel lebende Jochmann mit Verweis auf Lillis Drachen Hector. Der ultimative Weihnachtsfilm sei für ihn "Der kleine Lord", so der Kinderbuch-Autor. "Das war für mich die Messlatte, in deren Nähe ich zumindest kommen wollte. Es sollten auf jeden Fall Emotionen transportiert werden", sagt Jochmann.

Mit dem Resultat des nach "Hexe Lilli - Der Drache und das magische Buch" (2009) sowie "Hexe Lilli - Die Reise nach Mandolan" (2011) dritten Kinofilms über die Hexe Lilli war er dann mehr als zufrieden. "Hexe Lilli rettet Weihnachten", so der Titel des seit etwa vier Wochen in den Kinos laufenden Streifens, erhielt nicht nur sehr gute Kritiken. Das von Kinderfilm-Spezialist Wolfgang Groos inszenierte Abenteuer kommt auch beim Publikum hervorragend an. "Ich habe den Film jetzt, glaube ich, sechs Mal im Kino gesehen, um auch die Reaktionen der Zuschauer mitzubekommen. Und als ich sah, dass die Leute nicht nur viel gelacht, sondern auch ihre Taschentücher herausgeholt haben, da wusste ich, dass meine Intention aufgegangen ist", freut sich Jochmann.

Es war aber nicht nur das Ergebnis, das den Wahl-Weseler begeisterte. "Die gesamte Produktion hat unheimlich Spaß gemacht", sagt er. Die Dreharbeiten fanden in Köln, Belgien sowie in Sterzing in Südtirol statt. Dort wurde beispielsweise der Weihnachtsmarkt unmittelbar nach dem Fest nicht abgebaut, sondern extra für den Lilli-Film stehengelassen, zusätzlich aufgemotzt und die Stände mit Komparsen besetzt. Jochmann war stets mit von der Partie. Lediglich die Szenen auf der Burg Kreuzenstein in der Nähe von Wien ließ Jochmann aus. "Man hatte mir schon im Vorfeld gesagt, dass es dort enorm kalt sein würde. Da habe ich mir das Dabeisein gespart", sagt der 65-Jährige, der vor 25 Jahren seine überaus erfolgreiche Kinderbuchreihe mit der Hexe Lilli begonnen hatte. Mittlerweile sind diese Bücher in fast 50 Sprachen übersetzt worden und erreichten eine Auflage von mehr als 27 Millionen.

Dabei ist es Jochmann stets wichtig, dass die Verfilmungen nicht etwa auf bereits erschienene Bücher basieren, sondern auf einer völlig neuen Geschichte, die Jochmann extra für den Film schreibt. "Ich wollte einfach nicht, dass die filmische Umsetzung zu sehr vom Buch abweicht", lautet seine Erklärung. So entsteht zunächst die von Jochmann verfasste Story für den Film, dann wird produziert und anschließend erscheint das Buch im Handel. "Weil bis zum offiziellen Kinostart noch einige Zeit ins Land geht, ist dann das Buch letztlich doch eher auf dem Markt als der Film", erläutert Jochmann.

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Der gebürtige Bottroper hat bei der gesamten Produktion ein gehöriges Mitspracherecht und darf auch Wünsche äußern. Seine Freude war groß, als hinsichtlich der Besetzung des Knechts Ruprechts in "Hexe Lilli rettet Weihnachten" sein Wunschkandidat Jürgen Vogel sofort zusagte. "Damit hatte ich nicht gerechnet."

Das Mitwirken von Vogel war für Jochmann eine Art von Entschädigung für das Pech, das er bei den ersten beiden Lilli-Filmen hatte. Für "Hexe Lilli - Der Drache und das magische Buch" lag die Zusage des spanischen Oscar-Preisträgers Javier Bardem, der unbedingt mal mit seiner Mutter Pilar Bardem, die in den ersten beiden Lilli-Filmen dabei ist, zusammen vor der Kamera arbeiten wollte, bereits vor. Doch dann erhielt Bardem ein Angebot von Woody Allen für die preisgekrönte Komödie "Vicky Cristina Barcelona" mit Penelope Cruz und Scarlett Johansson. "Da hatte ich natürlich keine Chance", erzählt Jochmann lachend. Ein weiterer Oscar-Preisträger ging Jochmann für "Hexe Lilli - Die Reise nach Mandolan" durch die Lappen. Kaum zu glauben, aber der Österreicher Christoph Waltz wurde damals beim Casting abgelehnt.

Neben Jürgen Vogel sind zwei bekannte Gesichter der deutschen Film- und Fernsehszene zum dritten Mal bei den Lilli-Filmen dabei: Anja Kling spielt erneut Lillis Mutter und Comedian Michael Mittermeier leiht abermals dem Drachen Hector seine Stimme. "Mit ihnen, aber auch dem gesamten Ensemble haben wir wirklich einen guten Griff getan", sagt Jochmann.

Längst ist die Hexe Lilli nicht nur als Buch und im Kino zu einem Erfolgsmodell geworden. Auch als Serie kommt sie bei Kindern sehr gut an. Und zwar nicht nur bei den Mädchen, was wiederum den Kinderkanal von ARD und ZDF sehr erfreut. "Auch die Jungen interessieren sich für die Lilli-Geschichten. Möglicherweise liegt das an der emanzipatorischen Figur, die Lilli ja nun mal ist", sagt Jochmann.

(RP)