Wesel

Ich erinnere mich zu gut an die Autofahrt nach dem Besuch meiner Großeltern in Bergerfurth. Schon Wochen zuvor hatten meine Geschwister und ich den Vedes-Spielwarenkatalog von Franck von vorne nach hinten und zurück gewälzt, Markierungen gemacht, Wünsche beschlossen und kurz danach wieder verworfen.

O, Du schöne Weihnachtszeit! O, Du guter Spielwarenladen.

Wesel
Foto: ANDREAS ENDERMANN

Jetzt stand das Fest kurz bevor und nach dem Besuch der Oma packte meine Mutter diese große Franck-Tüte in den Kofferraum. Beim Einräumen rappelte es so verdächtig, wie es nur dann rappeln kann, wenn sich in diesem Karton genau jenes Lego-Parkhaus befindet, das ich mir so sehnlichst gewünscht habe. Bei der Fahrt rappelte es weiter, doch trotz beharrlichen Nachfragens behielt meine Mutter das Geheimnis für sich. Eigentlich war ich schon zu alt für dieses Lego, wollte mich aber von den Klötzchen nicht ganz trennen. Und als ich dann am Weihnachtsabend 1988 das Paket öffnete, da befand sich darin doch tatsächlich dieses Parkhaus mit zwei Obergeschossen, angeschlossener Tankstelle und sogar einer Waschanlage mit blauen Bürsten. An diesem Abend hätte ich das Christkind pausenlos drücken können. Diese Kindheitserinnerung bleibt mit dem Weseler Geschäft Franck verbunden, wo es Spielwaren in Hülle und Fülle gab, wo wir Kinder in einen Zustand entzückend Staunens versetzt wurden.

Wesel
Foto: Fritz Schubert
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Heute bin ich selbst Papa, und auch, wenn die Fast-schon-Teenie-Kinder auf andere Spielgeräte stehen - zu Weihnachten gab es nach langer Debatte eine Playstation, an der seitdem zweimal in der Woche für eine halbe Stunde gespielt werden darf -, ist die Faszination für Spielwarengeschäfte nicht verschwunden. Mein Jüngerer kauft sich immer noch manchmal Matchbox-Autos. Der Große kann sich im Spielwarenladen der Faszination von Autoquartetten nicht entziehen. Und die Kleinste mag Puppen aller Art. Wir werden also weiter Spielwarenläden besuchen. Papa wird demnächst mal schauen, ob es dort das Parkhaus noch gibt.

Wesel
Foto: Malz Ekkehart

Sebastian Peters

Ich hatte schon immer ein Herz für Tiere. Heute, mit 16, bin ich deshalb stolze Besitzerin der süßesten Katze der Welt. Als Grundschulkind damals habe ich deshalb das ganze Schleichtiersortiment von Spielwaren Franck gekauft. In allen Lebenslagen kannte Schleich die Antwort. So besuchte mich nach der Verkleinerung meiner Mandeln jeden Tag ein neues Schleichtier im Krankenhaus. Als ich dann aus dem Hospital entlassen wurde, verkündete ich meiner Mutter, jetzt müssten wir für alle Schleichtierkinder eine Mutter kaufen. Und da sie natürlich verstehen konnte, dass jedes Tier eine Mutter braucht, ging es nun also zur Familienzusammenführung in mein Lieblingsspielwarengeschäft. Schon bevor ich geboren wurde, spielte Spielwaren Franck eine wichtige Rolle in meinem Leben: Meine Mutter legte abends eine dort erworbene Spieluhr auf ihren Bauch, um mich mit der Musik zu beruhigen.

War Franck schon für mich ein ganz besonderer Ort, so war das Geschäft für meinen jüngeren Bruder der Himmel auf Erden. Er wollte immer unbedingt in die Legoabteilung. Für ihn war Lego das Allergrößte und Spielwaren Franck bot nun mal eine ganze Etage voll bunter Steinchen. Immer freute er sich auf den neuen Legokatalog. Und wenn wir dann endlich das Spielwarengeschäft betraten, nahm er sich gleich zwei mit: einen verwahrte er sorgfältig in seinem noch heute bestehenden Archiv und der andere begleitete ihn bei Schritt und Tritt. Hatte er einmal die Chance, verbrachte er Ewigkeiten in der Legoabteilung. Er stellte dann sein aktuelles Lieblingslegopaket auf den Boden, legte sich davor und begann sich in die Legowelt zu träumen. Nicht weiter verwunderlich war da der größte Wunsch des Fünfjährigen: einmal bei Spielwaren Franck übernachten. Heute ist er 13, die Legoschätze befinden sich in einer riesigen Kiste. Da schläft heute die Katze drin.

Fiona

Kalberg

Es gibt nicht so wahnsinnig viele Geschäfte in Wesel, bei denen die Nennung der Branche gar nicht notwendig war, um zu wissen, was es dort zu kaufen gab. Spielwaren Franck gehörte definitiv dazu. Es reichte, zu sagen, "das gibt's bei Franck" und jedes Kind, aber auch jeder Erwachsene wusste sofort, was gemeint war. In diesem Zusammenhang sicher durchaus bemerkenswert, dass dieses Geschäft auch als Erwachsener noch einen Reiz auf mich ausübte, wenn auch nicht mehr mit diesem Wow-Effekt, den ich empfunden habe, wenn ich als Kind diesen wunderbaren Laden betreten habe.

Man wusste einfach nicht, wo man zuerst hinrennen sollte, welches Spielzeug man zuerst bewundern sollte und welchen Wunsch man zuerst gegenüber den Eltern äußern sollte, weil man diesen oder jenen Artikel unbedingt besitzen wollte. Wir hatten auch in Bislich ein kleines, aber feines Spielzeug-Geschäft. Aber Franck, das war noch einmal eine ganz andere Dimension.

Worauf ich jedes Mal als allererstes zugesteuert bin: die Bälle. Dort gab es unglaublich harte, orangefarbene Gummibälle - vollkommen unbespielt und glatt. Und die tuppten so wahnsinnig hoch, wenn man sie auf die Erde prellte. Fast noch besser: Lederbälle (oder war es Kunstleder?) im damals noch klassischen Schwarz-weiß-Flecken-Muster. Mindestens genauso anziehend fand ich aber die umfangreiche Puzzle-Abteilung. Jedes Mal zog es mich in den Keller, wo sich die riesige Auswahl von Schachteln in sämtlichen Größen befand. Und auch zur Karnevalszeit war Franck eine prima Adresse - Cowboy- und Indianer-Utensilien wurden inklusive der Schminke nur zu gerne dort gekauft.

Als junger Erwachsener änderten sich dann die Bedürfnisse. Nicht aber das Geschäft, das ich aufsuchte. Jetzt waren es die Gesellschaftsspiele, wie "Die Siedler von Catan" oder "Elfenland", nach denen ich bei Franck suchte, sie fand und sie kaufte. Die letzten Besuche in dem Geschäft mit dem bunten Schriftzug über dem Laden habe ich dann mit meinem Sohn absolviert. Dass er ebenfalls fasziniert war, muss man nicht extra erwähnen. Schade, dass das jetzt bald vorbei ist.

Michael Elsing

(RP)