Wesel: Vorwurf wegen sexuellem Missbrauch gegen Pfarrer S.

Auch in Xanten und Moers tätig : Missbrauchsvorwurf gegen verstorbenen Weseler Pfarrer

Vorwürfe wegen sexuellen Missbrauchs sind gegen einen verstorbenen Priester des Bistums Münster erhoben worden. Der in Rees geborene Pfarrer S. arbeitete zuletzt in Wesel.

Das Bistum Münster hat sich am Dienstag in einer Pressemitteilung zum Fall gemeldet. Man wolle die Vorwürfe aufklären und dem Betroffenen, der diese Meldung gemacht hat, seinem Wunsch entsprechend die Kontaktaufnahme zu weiteren möglichen Betroffenen ermöglichen.

Die jetzt erhobenen Vorwürfe richten sich gegen Pfarrer S., der von 1975 bis 1983 Pfarrer in St. Josef Warendorf war. Kurz bevor er Warendorf verließ, soll sich der in Rede stehende Vorfall ereignet haben. Der zum damaligen Zeitpunkt bereits erwachsene Betroffene hat diesen im März 2019 gegenüber einem unabhängigen Ansprechpartner für Verfahren bei Fällen sexuellen Missbrauchs des Bistums bekannt gemacht. Parallel hatte er sich an örtliche Medien sowie an die Kirchengemeinde St. Laurentius Warendorf, zu der St. Josef heute gehört, gewandt.

Die Westfälischen Nachrichten (WN) berichteten am Montag über den Fall. In Warendorf wurden die Kirchenbesucher am Sonntag über den Fall aufgeklärt. Ein heute 58 Jahre alter Mann sagt, er sei vor 38 Jahren von dem Geistlichen nach einem von mehreren seelsorgerichen Gesprächen in dessen Schlafzimmer gebeten worden. Darin habe der Pfarrer den Mann gebeten, sich zu entkleiden und fotografieren zu lassen. Der damals 20-Jährige war Leistungssportler. Er sagt heute, dass er so konsterniert gewesen sei, dass er Folge leistete.

Danach zog sich dieser Mann laut Bericht der WN von dem Pfarrer zurück. Der Pfarrer soll dann aber mehrere persönlich und „unmissverständlich schwärmerische“ Briefe an ihn geschrieben haben, berichtet die Zeitung. Der Betroffene besitze die Briefe noch immer. Der Warendorfer Stadtdechant habe sie gelesen und habe keine Zweifel an der Authentizität. Der Mann habe sich im Kontext der allgemeinen Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche an das Pastoralteam der Kirche in Warendorf gewandt.

Schon im Jahr 2011 hatte das Bistum Münster einen Hinweis auf einen Verdacht auf übergriffiges Verhalten durch Pfarrer S. erhalten. Diesem Hinweis ging das Bistum nach. Der damalige Leiter der sogenannten Missbrauchskommission führte dazu den damaligen Vorgaben entsprechend mehrere Gespräche und Befragungen durch. Der beschuldigte Pfarrer S. litt zu diesem Zeitpunkt bereits an Demenz. Daher wurde er nicht zu den Vorwürfen befragt.

Der in einem Reeser Stadtteil geborene S. wurde 1963 zum Priester geweiht. Er war danach Kaplan in Kranenburg, in Ahlen und St. Viktor Xanten. Danach wurde er Kreislandseelsorger im Altkreis Moers, übernahm 1970 die Pfarrverwaltung in St. Pantaleon Xanten, bevor er von 1975 bis 1983 in St. Josef Warendorf Pfarrer war. 1983 wurde er Pfarrer in St. Peter in Büderich. Von 1991 bis 2011 war S. zudem Malteserpfarrer im Kreis Wesel, ab 1995 auch Pfarrverwalter in St. Mariä Himmelfahrt Ginderich. Ab 2001 war er Leitender Pfarrer der Seelsorgeeinheit in Büderich und Ginderich. 2003 wurde S. emeritiert. Er lebte weiter in Wesel und wirkte in der Seelsorge mit. Im August 2018 verstarb er mit 83 Jahren.

(sep)
Mehr von RP ONLINE