Wesel: Unbändiger Spielfreude beim Domkonzert im Willibrordi-Dom

Ungewöhnliche Kombination: Zwei Oboen und Orgel : Musiker mit unbändiger Spielfreude

Claudia Hellbach und Gerhard Schnitzler (Oboe) sowie Dieter Lorenz (Orgel) gastierten am Sonntagabend im Rahmen der Domkonzerte im Willibrordi-Dom.

Ein in dieser Besetzung nicht allzu häufig anzutreffendes Ensemble gastierte am Sonntagabend im Rahmen der Domkonzerte im Willibrordi-Dom: zwei Oboen mit Begleitung der Orgel. Die Oboisten Claudia Hellbach und Gerhard Schnitzler zusammen mit Dieter Lorenz an der Orgel brachten Werke des Hoch- und Spätbarock zu Gehör. Neben einer Choralbearbeitung über „Schmücke dich, o liebe Seele“ von J. S. Bach sowie dessen „Fantasie und Fuge“ g-Moll standen vier Triosonaten für Melodieinstrumente mit Begleitung durch ein Tasteninstrument auf dem Programm, unter anderem von Johann Joachim Quantz, dem Flötenlehrer Friedrichs des Großen.

Bewusst ans Ende gesetzt hatte man die Sonate von Carl Philip Emanuel Bach, dem berühmtesten der Bach-Söhne, mit ihrer für diese Zeit durchaus kühn zu nennenden Harmonik, Rhythmik und Melodieführung bildet seine Musik eine Brücke hinüber in die sich bereits abzeichnende „Wiener Klassik“.

Das Ensemble bot den Zuhörern eine überaus gelungene Darbietung: In den schnellen Ecksätzen der Sonaten mit ihrer bei mancher Gelegenheit geradezu quecksilbrigen Fröhlichkeit gelang es den Interpreten, mit unbändiger Spielfreude trotz stellenweise halsbrecherischen Tempos dennoch die Zügel in der Hand zu halten und der Fülle an feingliedrigen Figuren ihre Geltung zu verschaffen.

In den langsamen Sätzen ließen sie die langen Melodielinien durch die großartige Akustik des Domes schweben, gestützt vom Continuo der Orgel. Als einzigen negativen Kritikpunkt könnte man anführen, dass die Interpretation an einigen Stellen zu routiniert klang und hier und dort etwas mehr Aufmerksamkeit verdient gehabt hätte.

Das einzige Solowerk des Abends war der Orgel vorbehalten: J.S. Bachs gewaltige Fantasie und Fuge g-Moll BWV 542. Entstanden um 1720, hatte er sich mit diesem Werk auf die Organistenstelle in der Hamburger St. Jakobi-Kirche beworben. Ein Opus, dass bis heute bei Organisten äußerst populär ist. Dieter Lorenz verstand es vorzüglich, einerseits die virtuosen, bis zu sechsstimmigen Geflechte samt ihrer schier überbordenden Harmonik der einleitenden Fantasie hörbar zu machen und andererseits die vier Stimmen der Fuge transparent gleichberechtigt nebeneinander zu halten.

Das Ensemble bedankte sich für den langen Schlussapplaus mit einer Zugabe.

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