Wesel: Trio Unico fasziniert im Bühnenhaus mit Romantik, Neo-Klassik und Tango

Konzert im Weseler Bühnenhaus : Trio Unico fasziniert mit Romantik, Neo-Klassik und Tango

Das Trio Unico überzeugte bei seinem Gastspiel in der Kreisstadt vor allem mit wunderbaren Piazzolla-Interpretationen. Die Zuhörer waren begeistert.

Unico, einzigartig, das waren sie, die drei jungen Musiker des Trio Unico, die jetzt im Bühnenhaus vier Komponisten verschiedener Epochen spielten. Ihre Interpretation des argentinischen Tango-Komponisten und -Erneuerers Astor Piazzolla (1921-1992) sucht ihresgleichen, doch ob Romantik oder Moderne – dem Trio Unico gelang es. Entsprechend begeistert war das Publikum.

Eigentlich nicht erstaunlich, denn Flötistin Myriam Ghani, Cellistin Katarina Schmidt und Pianist Victor Soos haben, obwohl alle noch unter 30, schon bedeutende Musikpreise gewonnen und mit namhaften Orchestern gespielt. Katarina Schmidt wurde ein Violoncello von 1751 aus dem Deutschen Musikinstrumentenfonds zur Verfügung gestellt – auch das eine Auszeichnung. Es ist immer wieder erstaunlich, welche Töne sie dem Instrument entlockt, ganz gleich, ob sie es zupft oder mit dem Bogen spielt. Wenn jemand noch herausragte bei dem wunderbaren Konzert, dann die grandiose Cellistin. Der Städtische Musikverein Wesel hat wieder mal eine sichere Hand bei der Einladung der Künstler bewiesen.

Den Anfang des Konzerts macht ein Trio g-Moll von „Freischütz“-Komponist Carl-Maria von Weber (1786 – 1826), der gemeinhin als der Begründer der Romantik gilt. Gleich im ersten Satz fällt auf, wie warm und kraftvoll das Trio Unico daherkommt und wie präzise das Zusammenspiel funktioniert. Im zweiten Satz gefällt besonders die tirilierende Flöte. Der Flügel tritt oft hinter den beiden anderen Instrumenten zurück, doch wenn, wie im dritten Satz, Victor Soos mal allein zu hören ist, überzeugt der erst 22-Jährige durch sein wohl temperiertes Spiel.

Danach dann Piazzolla, genauer sein „Invierno Porteño“, der Winter von Buenos Aires aus dem Jahr 1969. Die drei versetzen den Zuhörer in eine Tango-Kneipe der argentinischen Hauptstadt, bringen Melancholie und Tristesse ihrer Bewohner sowie die Enttäuschung über das ärmliche Dasein exakt rüber. Sie haben das Gefühl genau verstanden, das Piazzolla transportieren möchte. Und sein Bandoneon vermisst man nicht, denn da ist ja das wunderbare Zusammenspiel von Violoncello und Flöte, das dessen tragende Rolle übernimmt. Als Zugabe bringen die drei dann noch den Frühling von Buenos Aires, „Primavera Porteña“, von 1971: Die Stimmung ist quirlig und aufgekratzt, doch immer wieder dringt sie durch, die Melancholie der Stadt und des Tango.

Das Trio des tschechischen Neoklassikers Bohuslav Martinu (1890 – 1959) kommt fröhlich, ja tänzerisch daher und Katarina Schmidt entlockt ihrem Cello die unglaublichsten Töne, auch ihr Bogen tanzt förmlich über die Seiten. Mit einem der „Hits“ der Romantik, dem Klaviertrio Nr. 1 d-Moll op. 49 von Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809 – 1847), begeben sich die drei zum Schluss auf bewährtes Konzert-Terrain – weich und harmonisch zunächst, dann perlend und schnell.

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