Wesel: Traditionsgaststätte Haus Blumenkamp weicht Doppelhaus-Neubauten

Haus Blumenkamp schließt am 20. Dezember : Gasthof weicht für Millionenprojekt

Die Eheleute Gaby und Wilhelm Busch investieren mehrere Millionen Euro in den Bau von acht Doppelhaushälften und einem Zweifamilienhaus. Dafür muss das traditionsreiche Haus Blumenkamp im März 2020 abgerissen werden.

Ende des vergangenen Jahres haben Gaby und Wilhelm Busch nach Abwägung aller Vor- und Nachteile und nach zahlreichen schlaflosen Nächten eine Entscheidung getroffen, die in Blumenkamp und darüber hinaus mittlerweile für reichlich Gesprächsstoff sorgt: Im März 2020 werden die Eheleute das traditionsreiche Restaurants Haus Blumenkamp abreißen lassen. Auf dem dann freien Areal an der Hamminkelner Landstraße sollen acht Doppelhaushälften und ein barrierefreies Zweifamilienhaus entstehen, die alle ab Ende 2021 vermietet werden sollen.

Gaby und Wilhelm Busch freuen sich, dass die Arbeiten an den vier Reihenhäusern so weit fortgeschritten sind. Erste Mietinteressenten gibt es bereits. Foto: Klaus Nikolei

Zu dem Neubauvorhaben gehören auch vier Reihenhäuser, die bereits in den vergangenen Monaten auf einer angrenzenden Freifläche entstanden sind. Aktuell befinden sie sich noch im Rohbau. „Wenn alles gut geht, werden sie im März fertig sein“, sagt der gelernte Koch. Mietinteressenten für die 132 Quadratmeter großen Häuser (Architekt ist Fred Störmer aus Wesel) gebe bereits. Zielgruppen könnten unter anderem in Wesel stationierte Nato-Soldaten sowie Mitarbeiter von Altana und Byk-Chemie sein.

Im Jahr 1886 erhielt die Bauernkneipe in Blumenkamp eine Schankerlaubnis. Foto: Klaus Nikolei

Eigentlich hatten der 59-Jährige und seine Frau keinen Gedanken ans Aufhören verschwendet. Doch dann erkrankte Wilhelm Busch vor drei Jahren plötzlich an Rheuma. Zwar haben die beiden mit Hilfe ihrer Mitarbeiter weitergearbeitet, aber klar war auch, dass es so dauerhaft nicht weitergehen kann. „Wir haben dann über alle Möglichkeiten gesprochen: verpachten, verkaufen, Gewerbe, Arztpraxen – einfach alles“, sagt Gaby Busch. Am Ende aber stand fest, dass ein Abriss die beste Lösung sein würde.

„In zehn Jahren hätten wir uns die gleiche Fragen stellen müssen. Wegen der Erkrankung meines Mannes mussten wir halt jetzt eine Entscheidung treffen“, sagt Gaby Busch. Man verliere zwar jetzt seine Komfortzone und begebe sich auf unbekanntes Terrain. „Aber wir haben jetzt noch die Power und den Idealismus, das alles zu machen.“

Überaus erleichtert ist sie vor allem darüber, wie ihre 84-jährige Schwiegermutter auf die Abriss- und Neubaupläne reagiert hat. „Sie, die hier schon seit 60 Jahren wohnt, hat nur gesagt, dass man hier immer schon abgerissen und neu gebaut habe. So sei der Lauf der Dinge. Das sei die Zukunft. Da ist vor allem meinem Mann ein Stein vom Herzen gefallen.“ Froh sind die beiden auch, dass ihre drei fest angestellten Mitarbeiter schon neue Jobs in Aussicht haben. Zum Team gehören ansonsten noch ein halbes Dutzend Aushilfskräfte.

Ihrer Heimat werden die Buschs treu bleiben. Sie alle ziehen in einigen Monaten nebenan in das weiß verklinkerte Haus, das Wilhelm Buschs Eltern vor Jahrzehnten gebaut hatten und das bislang vermietet war.

Statt ihre Gäste zu bekochen beziehungsweise zu bedienen, werden Gaby und Wilhelm Busch im Bereich Hausverwaltung tätig sein. Eine eigene Firma haben sie bereits gegründet.

Zum letzten Mal geöffnet hat das Restaurant Haus Blumenkamp offiziell am 20. Dezember. Dann nämlich der alljährliche „Winterschlussverkauf“ satt. Was heißt das genau? „Dann“, sagt Wilhelm Busch und lacht, „gibt es eine Art Resteessen. Alles, was wir dann noch im Kühlhaus haben, verarbeiten wir zu einem Vier-Gänge-Menü“. Keine Frage, dass es dann richtig voll sein wird im Haus Blumenkamp. Denn viele Gäste aus Wesel, Schermbeck, Friedrichsfeld, Duisburg und Oberhausen möchten sich dann verabschieden. „Einige“, erzählt Gaby Busch, „können es gar nicht fassen, haben Tränen in den Augen und sagen: ,Wo sollen wir dann hin?’“

Bevor jedoch die Abrissbagger mit ihrer Arbeit im März beginnen, soll das Inventar an Gastronomie-Kollegen und Privatleute verkauft werden. Die genauen Termine im Januar stehen noch nicht fest.

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