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Wesel: Tierschützer siedeln Zauneidechsen auf dem Fusternberg um

Auf dem Fusternberg : Neue Heimat für die Zauneidechsen

Jeden Morgen schauen Tierschützer auf dem Fusternberg am Bahndamm in dem Areal, das demnächst die Südumgehung durchqueren wird, nach Reptilien. Finden sie welche, tragen sie sie rüber in einen geschützten Bereich.

10.000 Quadratmeter groß ist das Gelände auf der Fusternberger Schillwiese, auf dem sich mittlerweile die ersten Zauneidechsen eingerichtet haben. Eingerahmt von einem hohen Zaun, dazu unten ein Reptilienfangschutz in Form einer stabilen Plastikfolie, präsentiert sich das grüne Areal mit Stein- und Sandhaufen sowie Totholz. Es ist der ideale Lebensraum für die europaweit geschützte Zauneidechse.

Katharina Pick (l.) und Christiane Eberhardt sind seit zwei Wochen morgens am Bahndamm aktiv, um Eidechsen einzusammeln und umzusiedeln. Foto: Weissenfels

Vor knapp zehn Jahren waren in diesem Bereich, den demnächst die Südumgehung durchqueren wird, 30 Exemplare der Tiere mit dem lateinischen Namen Lacerta agilis entdeckt worden. Seither steht fest: Die ortstreuen, wechselwarmen Tiere sollen auch weiterhin hier ihre Heimat haben.

Nicht jeden Tag stecken Zauneidechsen unter den Matten. Foto: christiane Eberhardt

Das Gutachterbüro Oekoplan aus Hamminkeln-Mehrhoog, das die ökologische Baubegleitung für die Südumgehung übernommen hat, wurde in Absprache mit dem Landesbetrieb Straßen NRW aktiv. Zwar war der Eidechsenbestand 2018 nicht mehr so groß wie ursprünglich, was auf die feuchten und kalten Sommer 2016 und 2017 zurückgeführt wird, dennoch lohnt sich die Arbeit.

In der Woche nach Ostern legten Katharina Pick und Christiane Eberhardt 27 Matten aus. Sie stammen von Förderbändern der hiesigen Kiesindustrie und sind ideal für ihren Zweck. In der Nähe des Bahndamms, über den ab und zu der Historische Schienenverkehr mit seinen Zügen rollt, wurden sie auslegt. Wenn es abends kalt wird, bieten sie den Eidechsen Wärme und Schutz. Morgens früh, wenn die selten gewordenen Reptilien noch steif sind, müssen sie nur noch eingesammelt und ins eingezäunte Areal auf der anderen Straßenseite getragen werden.

Dabei ist nicht jeder Tag von Erfolg gekrönt. Am Montag etwa hatte es sich keine Zauneidechse unter der Matte gemütlich gemacht. Sonntag dagegen hatte Christiane Eberhardt gleich zwei Exemplare entdeckt und im gelben Eimer in den geschützten Bereich gebracht. Diese soll übrigens so lange eingezäunt bleiben, bis die Autos auf der Südumgehung rollen. Danach, so der Plan, wird er wieder verschwinden und die Eidechsen können ihren Aktionsradius entsprechend erweitern.

Noch bis Ende Mai werden Zauneidechsen Morgen für Morgen eingesammelt. Da man davon ausgeht, nicht alle Tiere eingefangen zu haben, soll es im September einen zweiten Anlauf geben. Dann sind schließlich auch die Jungtiere auf der Welt.

Insgesamt 63.000 Euro kostet die Rettungsaktion der Zauneidechsen, die ein hohes Wärmebedürfnis haben und deshalb sonnige und trockene Standorte lieben. Die Pflegearbeiten sind dabei noch nicht eingerechnet, so die Landespfleger Laurenz Horstmann und Peter Appels vom Landesbetrieb Straßen NRW.

Doch längst sind es nicht nur die Eidechsen, die sich am neuen Standort wohl fühlen. Die Männer vom Landesbetrieb haben hier unter anderem schon den Hausrotschwanz und den Stieglitz gesichtet. Ein Stückchen weiter soll außerhalb des Zauns Flatterband für das Gegenteil sorgen. Es wurde angebracht, damit sich auf der Trasse, die weiter auf mögliche Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg untersucht wird, keine Brutvögel niederlassen.

(P.H.)