Wesel: Technikmarkt Saturn schließt Anfang März seine Filiale im Esplanade-Center

Neuer Standort in Wesel gesucht : Saturn im Esplanade-Center schließt

Der Elektromarkt schließt zum 3. März. 39 Mitarbeiter sind betroffen. Als Gründe werden die schwierige Lage mit längeren Leerständen und einer geringen Publikumsfrequenz genannt. Saturn sucht nun einen Alternativstandort.

Um genau 7.01 Uhr ging Dienstagfrüh zeitgleich im Büro von Verwaltungschefin Ulrike Westkamp und der Wirtschaftsförderung im Rathaus eine Mail von Saturn-Geschäftsführer Falk Blättgen ein. In dem Schreiben teilen er und sein Kollege Georg Linke der „sehr geehrten Bürgermeisterin“ mit, dass Saturn im Esplanade-Center Anfang März schließen werde. Der letzte Verkaufstag ist Samstag, 2. März. Gleichwohl macht das Duo in der Mail deutlich, dass damit nicht automatisch das Engagement von Saturn in der Kreisstadt enden muss. Man werde nun alternative Standorte in Wesel prüfen.

„Die schwierige Lage des Centers mit längeren Leerständen und einer entsprechend geringen Kundenfrequenz lässt uns leider keine nachhaltig wirtschaftlichen Perspektiven für diesen Standort in Wesel entwickeln“, heißt es in dem Schreiben. Man habe vor diesem Hintergrund Verhandlungen mit dem Center-Betreiber geführt. „Leider ist es uns aber nicht gelungen, gemeinsam eine nachhaltige und zukunftsfähige Lösung zu finden. Daher hat uns der Vermieter fairerweise angeboten, den Mietvertrag aufzulösen“, schreibt Falk Blättgen, der seit September 2017 die Geschicke des Weseler Marktes leitet und hoch motiviert ans Werk gegangen war. Eigentlich hätte Saturn noch einen Mietvertrag bis 2022 erfüllen müssen. Bekanntlich wollte der Elektronikmarkt auf eine kleinere Fläche ins erste Obergeschoss ziehen, um den Weg für die Ansiedlung von Edeka im Erdgeschoss und eine Vergrößerung von Aldi freizumachen.

Von der Schließung des 2003 eröffneten Marktes betroffen sind aktuell 39 Mitarbeiter sowie fünf Auszubildende. Das Geschäftsführer-Duo betont, dass man jeden nach Kräften unterstützen werde, der sich auf eine freie Stelle in einem anderen Markt der Unternehmensgruppe bewerben wolle und ihnen faire und branchenübliche Konditionen im Zusammenhang mit dem Fortfall ihrer Arbeitsplätze biete.

Außerdem, so heißt es, werde man sich für die Auszubildenden einsetzen und sie dabei unterstützen, dass sie den praktischen Teil ihrer Ausbildung womöglich in einem nahegelegenen Saturn-Markt abschließen können.

Blättgen und Linke versäumen nicht, der Bürgermeisterin, der Lokalpolitik und der Wirtschaftsförderung ausdrücklich für ihre „ernsthaften Bemühungen, Perspektiven für das Esplanade-Center und seine Mieter zu entwickeln, zu danken“.

Auch wenn Saturn sich eine Zukunft in der Kreisstadt vorstellen könnte, ist der Auszug des Elektronikmarktes aus dem Esplanade-Center eine Schwächung des Einzelhandelsstandortes Wesel. Im Gespräch mit unserer Redaktion zeigt sich jedenfalls der Werbegemeinschafts-Vorsitzende Wolfdietrich Degler geschockt über die Neuigkeit: „Das ist die Härtenummer und sehr schade. Da muss ich mich erstmal setzen.“ Auf Anhieb sind ihm in der Innenstadt keine geeigneten freien Flächen eingefallen. Und die Auswahl an freien Objekten „auf der grünen Wiese“ sei mehr als überschaubar.

Anders als der Werbegemeinschafts-Vorsitzende zeigt sich die Bürgermeisterin von der Entscheidung Saturn wenig überrascht. „Wir bedauern den Auszug zwar außerordentlich, vor allem, weil es jetzt so schnell geht und 39 Mitarbeiter betroffen sind. Aber die Tatsache selbst überrascht uns nicht, weil wir in intensiven Gesprächen waren und wissen, dass die gesamte Branche unter sinkenden oder zumindest stagnierenden Umsätzen zu leiden hat.“ Für Ulrike Westkamp ist vor allem der Internethandel ein Grund dafür. „Trotzdem haben wir gehofft, dass unser Markt bleibt“, erklärt die Verwaltungschefin. Zeitnah wolle man jetzt mit der Wirtschaftsförderung und der Saturn-Geschäftsführung nach einem anderen Standort Ausschau halten. Ob sie schon eine leerstehende Immobilie im Auge hat? „An Spekulationen möchte ich mich nicht beteiligen, zumal wir nicht wissen, was genau Saturn benötigt“, sagt sie.

Das bevorstehende Aus von Saturn an der Kreuzstraße machte natürlich im Rathaus schnell die Runde. Und so griff SPD-Fraktionschef Ludger Hovest zum Telefon, um sein „Bedauern“ zu äußern. Erfreulich sei allerdings, dass man Saturn aus dem laufenden Mietvertrag entlassen habe. „Der Investor muss jetzt schauen, Edeka zügig in das Esplanade-Center zu bekommen“, fordert Ludger Hovest, der allerdings äußerst skeptisch ist, was den Verbleib von Saturn in Wesel betrifft. „Ich glaube nicht, dass die Suche nach einem Alternativstandort ernst gemeint ist. Aber die Wirtschaftsförderung steht Gewehr bei Fuß.“

Auf die Wirtschaftsförderung setzt auch Wesels CDU-Fraktionschef Jürgen Linz seine Hoffnung. „Denn ich wünsche mir ausdrücklich, dass Saturn in Wesel bleibt“, betont Linz, der von dem Rückzug des Elektronikmarktes aus dem Esplanade-Center völlig überrascht ist. „Zumal wir kürzlich noch das Signal bekommen haben, dass es ein Gesamtkonzept für das Center gibt. Und Saturn hat dabei eine wichtige Rolle gespielt.“

Von der Entscheidung der Saturn-Geschäftsführung völlig überrascht zeigte sich ebenfalls die Edeka Handelsgesellschaft mit Sitz in Moers. Auf Anfrage teilte das Unternehmen mit, dass man nun auf weitere Infos des Vermieters warte, um dann mit den in Frage kommenden Kaufleuten, die den Edeka-Markt in dem Center künftig betreiben wollen, zu sprechen. Man befinde sich derzeit in der Meinungsbildungsphase.

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