Wesel: Tauschtag der Briefmarkensammler-Vereinigung

Tauschtag in Wesel : Sammler sind mit Leidenschaft bei der Sache

Rund 50 Briefmarkensammler aus der ganzen Region trafen sich zum Tauschtag. Viele sammeln seit Jahren und haben sich spezialisiert.

Briefmarken sammeln? Ist das denn heutzutage tatsächlich noch „in“? Aber ja, es gibt sie durchaus noch, die begeisterten Sammler. Kisten, Alben und Kartons stapelten sich am Sonntagvormittag auf den langen Tischen im Bürger-Schützenhaus; voll mit Marken aus aller Welt. Etwa 50 Sammler aus der Region sind auch in diesem Jahr wieder zum Großtauschtag der Briefmarkensammler-Vereinigung gekommen, um ihre eigenen Sammlungen zu erweitern und andere zu bestaunen.

Leidenschaftlich blättern die Sammler mit verzücktem Blick durch die Alben und fachsimpeln miteinander; Pinzette und Lupe immer parat. Da ist zum Beispiel Peter Lohmer aus Marl, der für sein Hobby auch schon mal bis Antwerpen und weiter fährt. An einem anderen Tisch sitzt Rosemarie Wolsink, die zwar selbst nicht viel mit Briefmarken anfangen kann, aber ihren sammelnden Ehemann seit Jahrzehnten bei seinen Streifzügen für sein Hobby treu begleitet. Denkt man doch oft, dass eher Männer diesem Hobby verfallen sind, so wird man hier eines Besseren belehrt. Im Weseler Verein werden die Ämter des ersten und zweiten Vorsitzes durch Damen bekleidet. Die Vize-Vorsitzende Christa Wolters-Tenbergen erzählt, dass sie seit ihrem achten Lebensjahr Briefmarken sammelt. Irgendwann spezialisiert man sich auf einen Bereich, und so sucht sie zum Beispiel Marken der Olympischen Spiele aus Mexiko. „Da kommt man gar nicht so leicht ran“, sagt sie. „Man kann wirklich froh sein, dass es heutzutage über das Internet und soziale Medien aber einfacher geworden ist.“ Auch Postkarten von Wesel sammelt Wolters-Tenbergen. Und so kam es, dass sie vor Jahren sogar in zwei erfolgreichen Bildbänden die Stadtgeschichte von Wesel porträtierte und veröffentlichte.

Neben ihr sitzt Ingo Egerlandt, der kaum zu bremsen ist, wenn er beim Reden ins Schwärmen gerät. „Auch mir wurde die Sammelleidenschaft in die Wiege gelegt; meine Familie sammelt bereits in der vierten Generation Briefmarken“, sagt der 53-Jährige, der im Verein die Funktion des Schatzmeisters innehat. „Jeder, der Briefmarken sammelt, entwickelt sich weiter. Da ich mich immer mit historischen Ereignissen beschäftigt habe, dreht sich meine postgeschichtliche Briefmarkensammlung rund um das Thema Zweiter Weltkrieg, nämlich um die britischen Streitkräfte in Frankreich von 1939 bis 1940. Diese Sammlung wird sogar international gezeigt.“

Ingo Egerlandt zeigt Marken und Feldpostbriefe aus England und weiß viel darüber zu berichten. „Ich bekomme selbst immer eine Gänsehaut, wenn ich in die Geschichten eintauche, die ich recherchiert habe“, sagt er und lächelt.

Eine Anekdote hat Ingo Egerlandt dann auch noch zu erzählen: „Als ich meine Briefmarkensammlung in London ausstellte, sprach mich ein Sammlerfreund an. Er zeigte mir einen in der Sammlung ausgestellten Feldpostbrief, der an seinen Onkel adressiert war. Dieser war Soldat und in Frankreich stationiert. Sammlerfreund Stuart wird wohl nächstes Jahr aus Belfast nach Wesel kommen und an unserem internationalen Briefmarkentreffen teilnehmen. So entstehen Freundschaften!“

(mg)
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