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Wesel: Superintendent Thomas Brödenfeld zum Coronavirus

Himmel & Erde : Keine Panik bitte!

Thomas Brödenfeld, Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Wesel, schreibt über das Coronavirus und unsinnige Hamsterkäufe.

Das Coronavirus scheint momentan alle anderen Nachrichten zu verdrängen. Kaum eine Stunde vergeht, in der nicht eine neue Schlagzeile über SARS-CoV-2, so der offizielle Name des Coronavirus, erscheint. Italien schließt alle Schulen und Universitäten, Japan hat diesen Schritt bereits letzte Woche umgesetzt. Weltweit werden Kreuzfahrtschiffe mit Infizierten in Quarantäne genommen, Fluggesellschaften lassen ihre Flugzeuge am Boden, in nicht wenigen Ländern drohen wirtschaftliche Schwierigkeiten bis hin zu Rezessionen. Sportliche Massenveranstaltungen werden ebenso abgesagt wie Konzerte oder Theateraufführungen.

Auch in der Bevölkerung macht sich zunehmend ein Gefühl der Bedrohung breit. Hamsterkäufe in den letzten Tagen, leergefegte Regale in den Supermärkten und Diebstähle von Desinfektionsmitteln in Krankenhäusern lassen erahnen, was auf uns zukommt, wenn die Zahl der am Coronavirus Erkrankten weiter steigt. Aber Panik ist ein schlechter Ratgeber und auch in der aktuellen Lage nicht angezeigt. Zur Stunde der Abfassung dieser Kolumne gab es in Deutschland 404 Infizierte, zwei davon waren lebensgefährlich erkrankt, gestorben ist hierzulande noch niemand. Das kann und wird sich in den nächsten Tagen und Wochen sicher ändern. Und dennoch besteht kein Grund, das Ende der Welt zu befürchten.

Jeder kann sich mit einfachen Maßnahmen im Alltag behelfen. Auf Händeschütteln kann einige Woche verzichtet werden, Niesen und Husten sollte man ohnehin in die Armbeuge, gründliches Händewaschen ist immer sinnvoll und gut. Einen Mundschutz benötigen Ärzte und alle anderen Mitarbeitenden im Kranken- und Pflegedienst, für alle übrigen Menschen ist er absolut entbehrlich. Und dann hilft da auch noch ein Blick auf Zahlen und die Welt, so, wie sie ist. Seit dem Ausbruch des Coroanvirus vor zwei Monaten sind bis jetzt weltweit 3000 Menschen an den Folgen der Erkrankung gestorben. Jedes Jahr sterben weltweit zwischen 290.000 und 645.000 Menschen an Grippe, 25.000 davon in Deutschland.

Täglich sterben auf dieser Erde 24.000 Menschen an den Folgen von Hunger und Unterernährung, das sind über acht Millionen Hungertote im Jahr. Wenn jeder von uns einen Teil der Summe, die wir für unsinnige Hamstereinkäufe in den letzten Tagen ausgegeben haben, für die Bekämpfung von Hungerursachen spenden würde, könnte diese große Geißel der Menschheit sicher wirkungsvoll bekämpft werden.

Bei Corona empfiehlt sich deshalb, was im Leben immer sinnvoll ist: Vorsicht ja, Panik nein, Gottvertrauen immer.

Unser Autor Thomas Brödenfeld ist Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Wesel.