Wesel: Strohernte als Freizeitvergnügen

Plädoyer für den Müßiggang : Setzen Sie sich doch mal wieder auf einen Strohballen!

Zum Ferienstart: Ein kleines Plädoyer für den Urlaub vom Alltag. Auf einem Strohballen lässt sich die Zeit wunderbar vertreiben.

Sommer heißt ja immer auch Wehmut. Die Zeit so flüchtig. Der längste Tag des Jahres ist schon wieder vorbei. Während wir täglich ins Büro, in die Werkstatt, zur Maloche fahren, brütet draußen der Sommer in seiner heißesten Ausprägung, und ständig erwischt man sich dabei, zu denken: Jede Wette, wenn wir bald Urlaub haben, ist das ganze Spektakel schon wieder vorbei. Dann erinnert man sich an das Prinzip, das ja sowieso für das ganze Leben gelten sollte, das da besagt, dass die Zeit nicht wartet, und dass man die Dinge dann unternehmen solle, wenn einem danach ist.

Man sollte die Sommer genießen wie sie fallen, und einer der schönsten Orte dafür ist am Niederrhein der Strohballen. Jetzt kann man sie finden. Überall fahren die Bauern derzeit die Ernte ein, auf dem Feld bleiben die mächtigen runden Ballen liegen. Unser Exponat fanden wir auf einem Feld in Büderich-Gest, an einem sehr stillen Ort.

Wie kleine Landmarken wirken die Strohballen auf dem stoppeligen Feld –  im Grunde sprechen sie aber eine Einladung aus: Turn mit mir! Für Eltern mit Kindern ist das ein herrlicher Zeitvertreib, und nirgendwo lassen sich von Papa zu Sohn besser Gedanken austauschen als auf einem Strohballen. Jetzt sind die Sommerferien. Jetzt ist die Zeit!

So einen Strohballen zu erklimmen, ist allerdings nicht so einfach. Man will dem Bauern schließlich nicht sein Produkt zerstören, mit dem er im Winter die Kuhställe auslegen kann, damit es die Tiere schön warm haben. Mannshoch ist so ein Ballen. Wenn man als normalgroßer mitteleuropäischer Mann tolpatschig versucht, mit kräftigem Anlauf auf die runde Seite zu springen, rollt er nach vorne. Drei Versuche später die Einsicht: So klappt das nicht. Dann die Erkenntnis: Von der Seite müsste es gehen. Und tatsächlich will es im zweiten Versuch gelingen.

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Wer oben sitzt, wird belohnt: Zwei Meter über dem Stoppelfeldspiegel scheint die Zeit still zu stehen, wenn man nicht viel mehr sieht als Bäume. Ein Greifvogel kreist über uns und kreitscht munter vor sich hin. Ein paar Kühe schauten uns irritiert zu und scheinen zu denken: Was sitzt der Typ da auf unserer Winterdecke?

Wenn sich die Irritation auflöst, dann kann man die Gedanken fliegen lassen, den Sommer genießen. Man denkt an Hölderlin: „Das Erntefeld erscheint, auf Höhen schimmert/ Der hellen Wolke Pracht, indes am weiten Himmel/ In stiller Nacht die Zahl der Sterne flimmert/ Groß ist und weit von Wolken das Gewimmel“, heißt es in „Der Sommer“. Man könnte bis zum Abend hier sitzen, man würde gerne die Sonne untergehen und die Sterne blitzen sehen, aber die Pflicht ruft ja.

Festes Vorhaben: Irgendwann werden wir einen Tag des Lebens sinnlos auf einem Strohballen verbringen. Bis die Sterne funkeln. Bis dahin werden wir von nun an immer mal wieder Kurzurlaub vom Alltag machen – zehn Minuten Strohballen. Hat gut getan.