Wesel: Stadt baut neu Kita für 4,4 Millionen Euro nahe der B 8

Weseler Jugendhilfeausschuss gibt grünes Licht : Stadt baut Kita für 4,4 Millionen nahe B 8

Trotz vereinzelter Kritik am Standort Alte Delogstraße hat der Weseler Jugendhilfeausschuss den Weg frei gemacht für den Bau einer neuen Tagesstätte in der Innenstadt. Im August 2021 soll sie bezugsfertig sein.

Um den weiter steigenden Bedarf von Tagesstättenplätzen – vor allem in der Innenstadt – zu decken, plant die Stadt Wesel den Bau eines viergruppigen Kindergartens auf dem Garagenhof der früheren Autobahnpolizei an der Alten Delogstraße. Der Jugendhilfeausschuss hat am Mittwochabend den Weg für das 4,4 Millionen Euro teure Projekt frei gemacht. Die Entscheidung fiel einstimmig. Nur Norbert Meesters (SPD) enthielt sich der Stimme.

Dass Kinder aus der Innenstadt künftig die B 8 überqueren müssen, um zu der geplanten Tagesstätte an der Alten Delogstraße zu gelangen, wurde im Jugendhilfeausschuss kritisiert. Foto: Klaus Nikolei

Denn er und Andrea Brinkmann vom Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband hatten in der Diskussion zuvor deutliche Kritik an der Wahl des Standortes unweit der mehrspurigen Reeser Landstraße (B 8) geübt. „Der Standort direkt neben dem CJD Berufsförderungszentrum ist nicht wohnortnah. In die Kita werden wohl die meisten Kinder mit dem Auto gebracht. Hätten wir den Klimanotstand in der Stadt ausgerufen, könnte er dort nicht gebaut werden“, so Meesters. Er geht davon aus, dass es dort morgens künftig zu Verkehrsproblemen kommen könnte. Das sei bei der Planung zu berücksichtigen, meinte er.

Andrea Brinkmann, in Wesel bekannt als langjährige Leiterin der Vorzeige-Tagesstätte Sonnenburg in Lackhausen, zeigte zwar Verständnis dafür, dass die Stadt unter einem gewissen Druck stehe, genügend Plätze anbieten zu müssen. Aber: „Bei dem ausgewählten Standort hat man das Gefühl, weit weg vom Schuss zu sein. Eine Tagesstätte sollte mittendrin sein, da, wo Leben ist.“ Vorteile sieht sie in der Nähe zur Aue und darin, dass die Kinder künftig den wunderschönen CJD-Bewegungsgarten nutzen werden. „Aber das löst nicht das Problem für die Innenstadtkinder“, ist Andrea Brinkmann überzeugt.

Wesels Jugendamtsleiterin Ila Brix-Leusmann machte deutlich, dass man zusammen mit den Kollegen vom Gebäudeservice und der Stadtentwicklung nicht weniger als 30 potenzielle Standorte und die Lupe genommen habe – darunter auch die auslaufende Martini-Hauptschule. Die stehe nicht zur Verfügung, weil es „noch einen anderen Beschulungsbedarf gibt“. Am heutigen Freitag, wenn der Politik der neue Schulraumentwicklungsplan vorgestellt wird, dürfte das Geheimnis gelüftet werden, was künftig mit den Gebäuden der Hauptschule passieren soll.

Ila Brix-Leusmann zeigte sich überzeugt, dass der Neubau auf städtischem Grund und Boden so sein werde, „dass sich auch die Innenstadteltern angesprochen fühlen.“ Dass die neue Kita „sehr gut angenommen wird“, davon ist auch Dezernent Rainer Benien überzeugt. Auch wenn der Ausschuss-Vorsitzende Ulrich Marose (SPD) den Standort „nicht optimal“ findet, so möchte er vermeiden, dass die neue Kita „von vornherein schlechtgeredet wird“.

Und mit einem Augenzwinkern meinte er: „Nicht, dass es heißt, das ist der Drive-in-Kindergarten unweit der Aue“.

Außerdem hat der Jugendhilfeausschuss beschlossen, dass die kürzlich an den Start gegangene Awo-Kita am Quadenweg um eine vierte Gruppe erweitert wird. Der Abriss der in die Jahre gekommenen Elterninitiativ-Tagesstätte Villa Kunterbunt an der Isselstraße mit anschließendem Neubau einer größeren Tageseinrichtung am gleichen Standort wird weiterverfolgt.

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