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Wesel: Sportidol Ludwig Lud Müller wird am 25. Januar 90 Jahre alt

Ludwig Müller wird 90 Jahre alt : Der „Russen-Schreck“ feiert Geburtstag

Ludwig Müller feiert am 25. Januar seinen 90. Geburtstag. Besuch aus der alten Heimat hat er schon bekommen, denn die Läufer-Legende aus Wesel hat eine treue Fangemeinde. Unvergessen ist sein Doppelsieg im Länderkampf 1958 gegen die Sowjetunion.

Ludwig Müller ist eine Leichtathletik-Legende und eine Weseler Berühmtheit der Nachkriegszeit. Seine Freunde in der alten Heimat Wesel haben ihn nicht vergessen. Zum 90. Geburtstag des „Helden von Augsburg“ besuchten Heinz Breuer aus Hamminkeln und der Geschichtenschreiber Clemens Reinders aus Haldern das einstige Sportidol des Weseler Turnvereins (WTV) in Fuldabrück (Kreis Kassel).

Der Langstreckenläufer, von allen bis heute nur Lud genannt, der mit seinen Siegen über die favorisierten Russen im 5000- und 10.000- Meter-Lauf beim Leichtathletik-Länderkampf 1958 gegen die Sowjetunion zur Legende wurde, hat deutschlandweit Sportgeschichte geschrieben und war ein großer Werbeträger für die Stadt Wesel. Aber er wurde auch siebenfacher Deutscher Meister in den Langstreckendisziplinen, Sechster im 3000-Meter-Hindernislauf bei den Olympischen Spielen von Rom und war mehr als 40 Mal in der Deutschen Leichtathletik-Nationalmannschaft am Start. Lud Müller wechselte damals vom Weseler Turnverein zum Verein Hessen Kassel.

 Heinz Reuyß (v.l.), Walter Bücker, Anneliese Tyrolf, Hanns-Peter Stumpen, Heinz Breuer, Holger Hintzen, Rainer te Baay und Klaus ten Hoevel auf dem Grußfoto vor dem Berliner Tor
Heinz Reuyß (v.l.), Walter Bücker, Anneliese Tyrolf, Hanns-Peter Stumpen, Heinz Breuer, Holger Hintzen, Rainer te Baay und Klaus ten Hoevel auf dem Grußfoto vor dem Berliner Tor Foto: Erwin Pottgiesser
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Wie Heinz Breuer von seinem Besuch berichtet, geht es Müller dem Alter entsprechend gut. „Er wohnt mit seiner Frau Karin im hessischen Fuldabrück in einem schmucken Eigenheim, welches geschmückt ist mit Urkunden, Fotos, Dokumenten und Pokalen aus seiner ruhmreichen Zeit in den 50er- und 60er-Jahren, von der er immer noch lebhaft und begeisternd erzählen kann“, sagt Breuer. Mit Stolz berichte er auch von den Begegnungen mit den Sportgrößen der damaligen Zeit: Fritz Walter, Hans-Günter Winkler, Steffi Graf und seinem Freund Armin Hary, der oft bei ihm zu Besuch war. Aber auch die Kontakte zu seinen alten Freunden vom WTV sind bis heute geblieben. Nach seiner Karriere als Langstreckenläufer spielte er noch viele Jahre erfolgreich Tennis und danach war er auch noch als Trainer aktiv.

Über die Glückwunschkarte mit einem Foto und einem Gedicht, so Breuer weiter, habe Lud Müller sich sehr gefreut. „Auch die Grüße und Glückwünsche der Weseler Bürgermeisterin Ulrike Westkamp haben ihn sehr berührt.“ Breuer hatte in seiner humoristischen Art ein Gedicht verfasst und ließ Müller im Namen „Deiner Freunde vom Weseler Turnverein“ wissen: „Du bist unser Sportidol und Weseler Jung geblieben.“ Die ehemaligen Aktiven des Weseler Turnvereins Heinz Reuyß, Walter Bücker, Anneliese Tyrolf (Buchholz), Hanns-Peter Stumpen, Heinz Breuer, Holger Hintzen, Rainer te Baay und Klaus ten Hoevel hatten sich für ein Geburtstagsgrußfoto vor dem Berliner Tor aufgebaut und allesamt unterschrieben.

Müllers wichtigste Phase fiel in eine Zeit, in der die Leichtathletik eine bedeutende Rolle in Deutschlands Sport spielte, in der Erfolge riesig gefeiert wurden und in der der Kalte Krieg zwischen West und Ost die politische und gesellschaftliche Welt beherrschte. Wenn beide Seiten aufeinandertrafen wie am 20. und 21. September 1958 beim Leichtathletik-Länderkampf zwischen Deutschland und der Sowjetunion, war die Aufmerksamkeit riesengroß. Damals richteten sich alle Augen auf den Weseler. Ludwig Müller wurde als „Held von Augsburg“ bekannt, was ihn bis heute begleitet. Im Augsburger Rosenaustadion gewann er überraschend die 5000- und 10.000-Meter-Rennen. Seine Zeiten: 14:06,8 Minuten für die 5000 Meter am ersten Wettkampftag und 29:52,6 Minuten für die 10.000 Meter am zweiten Tag. „Die sowjetischen Leichtathleten galten zu dieser Zeit als übermächtig“, erinnert sich Heinz Breuer. „Die russischen Langstreckenläufer waren eine Bank. Kein Wunder, dass der 115:105 Gesamtsieg des Deutschen Leichtathletik-Verbandes, der erst durch die Siege Müllers möglich wurde, als Sensation empfunden und groß gefeiert wurde.“ Ein Erfolg, der mit dem „Wunder von Bern“, dem Gewinn der Fußball-Weltmeisterschaft 1954, auf eine Stufe gestellt wurde.

Für Ludwig Müller war es sein größtes sportliches Erlebnis. „Es ist und bleibt mir genauso viel wert wie ein Olympiasieg oder Weltrekord“, hat er stets gesagt. Heinz Breuer steuert bei, dass Müller für seine Leistung auch den Beinamen „Russen-Schreck“ bekam.