Wesel setzt auf Lkw-Technik gegen Unfälle

Großinvestition von Stadttochter : Wesel setzt auf Lkw-Technik gegen Unfälle

Müllwagen dürfen nicht mehr rückwärts fahren. Der städtische Betrieb ASG in Wesel setzt deshalb auf neue Kamera- und Sensortechnik. Auch Abbiegesysteme werden vermehrt angeschafft. Grund sind vermehrte Unfälle im Land.

Großinvestition in die Sicherheitstechnik beim städtischen Tochterunternehmen ASG (Abfall, Straßen, Grünflächen): Vier Müllfahrzeuge werden in einem Pilotprojekt mit Kamerasystemen ausgestattet, die den Wagen beim Rückwärtsfahren sofort bremsen, wenn sich ein Fußgänger oder Radfahrer direkt hinter dem Müllfahrzeug befindet. Für den gesamten Fuhrpark wiederum werden in den nächsten Monaten Abbiegeassistenzsysteme angeschafft, um die Gefahr von tödlichen Unfällen mit Fußgängern und Radfahrern sowie eigenen Mitarbeitern der Müllabfuhr zu bannen. „Wir sorgen so für mehr Sicherheit auf Wesels Straßen“, sagt ASG-Betriebsleiter Ulrich Streich.

Grund für die Neuanschaffungen – die Rückfahrsicherung von der Firma Visy GmbH, die Abbiegesysteme von Brigade – sind nicht zuletzt die gestiegenen Anforderungen der Unfallkassen. In der Branchenregel „Abfallsammlung“ war schon im Oktober 2016 festgehalten worden, dass Müllautos unfallträchtige Rückwärtsfahrten möglichst vermeiden sollen. Für alle Straßen in Wesel prüfte der ASG danach, wo ein Risiko besteht. „Wir haben eine Gefährdungsbewertung für jede Straße in Wesel vorgenommen“, erklärt Ulrich Streich. Über 100 Straßen habe es gegeben, in denen die Müllautos viele Jahre rückwärts einfuhren – oft bedingt durch eine Sackgasse. Für diese Straßen wurde dann überprüft, wie Rückwärtsfahrten sicherer werden oder vermieden werden können.

Wo ein sogenannter Einweiser nicht eingesetzt werden kann, bittet der ASG an vielen Straßen die Bürger schon jetzt, die Tonne ans Ende der Sackgasse direkt an die Straße zu stellen. Das ist etwa im Bereich Gutenbergstraße oder am Geranienweg der Fall. An anderen Straßen setzt der ASG wiederum kleine Müllfahrzeuge ein, die leichter wenden können. Bei Straßen mit Wendehammer sind die Anwohner schriftlich darauf hingewiesen worden, dass es ein temporäres Halteverbot gebe, wenn die Müllautos zu bestimmten Zeiten kommen, etwa im Bereich Eifelweg.

Auswertungen der Unfallkassen zeigen, dass es in 2008 und 2009 allein bei der Unfallkasse NRW für den Bereich Westfalen-Lippe 30 Müllwerker gab, die bei ihrer Arbeit angefahren wurden. Davon wurde bei sechs Unfällen der Einweiser vom eigenen rückwärtsfahrenden Abfallsammelfahrzeug angefahren. „Wir in Wesel hatten zum Glück noch keinen Unfall“, sagt Ulrich Streich. Gleichwohl sah er die Notwendigkeit, auf die neuen Vorschriften zu reagieren. Einen sechsstelligen Betrag investiert sein Unternehmen insgesamt. Dies geschieht auch mit Blick auf einen Abbiegeunfall, der in Wesel im Juni 2018 auf der Reeser Landstraße geschah. Ein Lkw erfasste dort beim Rechtsabbiegen eine Radfahrerin.

Ulrich Streich hat sich mit seinem Team mehrere Assistenzsysteme angesehen. „Es gibt welche mit Frontkamera, Rückfahrkamera, Arbeitsraumüberwachung, Bird-view-Systeme, Rückfahrüberwachung mit Eingriff in das Bremssystem und Abbiegeassistenten“, berichtet er. Schon jetzt seien beim ASG 28 Fahrzeuge mit einem oder mehreren Assistenten ausgestattet. 25 Fahrzeuge mit Rückfahrkameras hat der Fuhrpark des ASG. Sieben Mülfahrzeuge haben bereits eine Arbeitsraumüberwachung. Zunehmend würden sich aber komplexere Techniken durchsetzen, sagt Streich. Dabei kann durch die Kameraprüfung der Wagen im Notfall auch gebremst werden.

Die Kameras des Unternehmens, auf das der ASG jetzt setzt, sind noch nicht zertifiziert. Mit einer Anerkennung sei aber in den nächsten Monaten zu rechnen, sagt Ulrich Streich.

(sep)
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