Wesel: Senioren sind mit Mehrgenerationenhaus "Im Bogen" nicht glücklich

Mehrgenerationenhaus in Wesel : Zum Glück der Senioren fehlen Torten

Seit die ehemalige Seniorenbegegnungsstätte „Im Bogen“ im Frühjahr Teil des Mehrgenerationenhauses (MGH) geworden ist, sind dort deutlich weniger alte Menschen anzutreffen. Kritiker sehen sich bestätigt.

Als im vergangenen Jahr bekannt wurde, dass die Trägerschaft der in wirtschaftliche Schieflage geratenen Seniorenbegegnungsstätte „Im Bogen“ (gegenüber des Marien-Hospitals) in die Hände des Sozialverbandes katholischer Frauen (SfK) übergehen sollte und das Mehrgenerationenhaus (MGH) seinen Hauptsitz aus dem Schepersfeld in die Stadtmitte verlegen würde, traten zahlreiche Kritiker auf den Plan. Der „Bogen“, so lautete die Forderung, müsse in seiner bekannten Form erhalten bleiben.

Mehrere Monate musste „Der Bogen“ wegen Umbauarbeiten geschlossen werden. Als das MGH im Mai Eröffnung feierte, war die Hoffnung groß, dass die älteren Stammgäste wiederkommen würden. Doch das ist nicht geschehen. So jedenfalls ist der Eindruck von Gertud (73) und Friedhelm Kretzschmann (79), die seit Jahren mehrmals in der Woche zu Gast „Im Bogen“ sind und auch nur einen Steinwurf von der Magermannstraße entfernt wohnen. Sie gehörten 2018 zur Schar der Kritiker, die sogar eine Unterschriftenaktion gestartet hatte.

Einmal in der Woche treffen sie sich mit Hans Benzhing, der mittlerweile im Pflegeheim St. Ludgerus in Schepersfeld lebt, zum Mittagessen „Im Bogen“. Die Menüs und Suppen seien sehr schmackhaft, abwechslungsreich und preislich in Ordnung. Zu alten Bogenzeiten kam das Essen aus der Hospital-, jetzt aus der MGH-Küche in Schepersfeld. Dass sich beim Besuch unserer Redaktion außer dem Trio keine weiteren Senioren zum Essen eingefunden haben, ist kein Zufall. „Viele Senioren kommen einfach nicht mehr. Sie sind zwischenzeitlich verstorben oder leben in Heimen. Außerdem gefällt manchen die Atmosphäre hier nicht mehr. So fehlen beispielsweise Bilder“, sagt Friedhelm Kretzschmann. Ein weiterer Kritikpunkt: „Früher gab es hier immer Torten, heute nur Blechkuchen. Das stört viele, die dann direkt weiter zum Café Kuchenzauber gehen“, sagt Gertrud Kretzschmann Seine Wünsche hat das Ehepaar dem Personal schon mehrfach mitgeteilt. „Man sagt uns, dass man das weiterleiten wird. Passiert ist aber bislang noch nichts.“

Geschäftsführerin des MGH ist Anne Oberdorfer. Auf Anfrage erklärt sie, dass sie die Änderungswünsche kennt. „Es ist so, dass wir noch am Anfang stehen, bislang nicht alles schaffen konnten.“ Es sei sehr wohl geplant, noch Bilderleisten aufzuhängen, um Wechselausstellungen durchführen zu können.

Auch die Klagen über fehlende Torten und das Problem, dass man sich mittlerweile zum Frühstück anmelden muss, sind Anne Oberdorfer sehr wohl bekannt. „Es ist aber so, dass wir wirtschaftlich arbeiten müssen und unsere Preise so gering wie möglich halten wollen. Da ist es nun mal nicht möglich, fünf oder sechs verschiedene Kuchen und Torten anzubieten.“ Sie kann verstehen, wenn ältere Menschen an lieb gewonnenen Gewohnheiten hängen. „Wir versuchen soweit es geht, auf die Wünsche der Senioren einzugehen, können aber nicht alles realisieren. Wir können auf jeden Fall nicht so weitermachen wie bisher.“ Denn dass der Trägerwechsel vollzogen wurde, hatte in erster Linie damit zu tun, dass „Im Bogen“ nicht genügend auf die Finanzen geschaut wurde.

Insgeheim hoffen Anne Oberdorfer und ihr Team, dass es sich herumspricht, dass das Café nach einer gut halbjährigen Pause wieder geöffnet hat. „Mit dem Umsatz sind wir aber jetzt schon zufrieden“, sagt die Geschäftsführerin. „Es rechnet sich in etwa.“