Wesel: Schulstreit wegen Gründung einer zweiten Gesamtschule

Wesel: „Gutes Schulangebot nicht gefährden“

FDP-Staatssekretär Mathias Richter diskutierte mit Politikern und Lehrern über Weseler Schullandschaft.

Wer zu Beginn der offenen Fraktionssitzung der FDP am Freitagnachmittag gehofft hatte, dass Mathias Richter, der Staatssekretär aus dem NRW-Schulministerium, nach Wesel kommt und im Gepäck die Lösung des seit Monaten erbittert geführten Schulstreits präsentiert, der wurde enttäuscht. „Natürlich muss die Stadt als Schulträger die Entscheidung auf Basis des geltenden Rechts treffen, ob eine zweite Geamtschule oder vielleicht auch eine Sekundar- oder eine Talentschule in die Schullandschaft passt, und nicht das Ministerium“, sagte der 51-jährige FDP-Politiker vor mehr als 40 interessierten Zuhörern im Ratssaal.

Auch wenn es nicht zu seinen Aufgaben gehört, eine Schulform qualitativ zu beurteilen, so machte er trotzdem deutlich, dass es eine zweite Gesamtschule in Wesel nicht unbedingt leicht haben dürfte. Denn das Hauptproblem wird eine funktionierende Oberstufe sein. „Beide Gesamtschulen müssen, auch wenn sie kooperieren, über jeweils mindestens 42 Oberstufenschüler verfügen“, so Richter. Mehrfach appellierte er an die politisch Verantwortlichen, möglichst bald eine Entscheidung zu treffen, mit der alle Beteiligten leben könnten. Wichtig sei es außerdem daran nachzudenken, „ein funktionierendes Schulangebot nicht in Mitleidenschaft zu ziehen“.

Der am Tag zuvor von SPD-Fraktionschef Ludger Hovest verkündeten Annahme, dass bei nicht Erreichen der erforderlichen Oberstufenschülerzahl, aus einer neuen Gesamtschule einfach eine Sekundarschule werden könne, widersprach der Staatssekretär: „Das geht nicht. Da müsste die Gesamtschule aufgelöst und ein Antrag auf Gründung einer Sekundarschule gestellt werden.“

  • Wesel : Bezirksregierung empfiehlt zweite Gesamtschule

Die offene Fraktionssitzung nutzten Politiker aller Fraktionen, um ihre bekannten Position darzustellen. Interessant waren die Fragen aus dem Publikum. Karen Schneider, die Leiterin des Konrad-Duden-Gymnasiums, wollte wissen, welchen Wert eine vom Rat gegebene Garantie hätte, die Zügigkeit der Gymnasien und der Realschule bei Gründung einer zweiten Gesamtschule nicht zu deckeln. Klare Antwort von Richter: „Die Entscheidung des Schulträgers gilt. Die Bezirksregierung jedenfalls kann die Zügigkeit nicht in Frage stellen.“ Doch was in der Zukunft passiere, könne natürlich niemand wissen.

Dirk Timmermann, der Leiter der Lauerhaas-Gesamtschule, ergriff ebenfalls das Wort und bat die Politik inständig darum, möglichst schnell eine Entscheidung zu treffen, damit er nicht auch 2019 wieder Kinder ablehnen müsse: „Das möchte ich nämlich nicht nochmal erleben.“ Sollte die zweite Gesamtschule kommen, möchte Timmermann wissen, nach welchen Kriterien die Schulen die Kinder aufnehmen, um Ärger mit Eltern bei möglichen Absagen zu verhindern. „Ich wünsche mir ein Verfahren, das von Stadt und Bezirksregierung erarbeitet und dann auch öffentlich kommunziert wird.“

Der Weseler Bundestagsabgeordnete Bernd Reuther, der die Sitzung moderierte, sprach zwar am Ende davon, dass man zur Not auch ein Bürgerbegehren starten werde, um den Bürgerwillen zu erfragen. Gleichwohl signalisierte er aber auch Konsenzbereitschaft. „Lassen Sie uns die Zeit nutzen. Dann brauchen wir uns auch nicht über ein Bürgerbegehren unterhalten“, so Reuther.

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