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Wesel: Rentner kämpft um sein E-Mobil

Von der Polizei aus dem Verkehr gezogen : Weseler Rentner kämpft um sein E-Mobil

Ein 65-Jähriger aus Wesel soll mit einem E-Mobil mit Tempo 50 unterwegs gewesen sein. Das sagt die Polizei, die den Krankenfahrstuhl sichergestellt hat. Der Senior hält dagegen, sein E-Mobil könne gar keine 50 km/h fahren. Wurde das Fahrzeug frisiert?

Cosimo Rullo (65) aus Wesel ist früher gern einen heißen Reifen gefahren. Das leugnet der Rentner nicht: "Von Wesel nach Emmerich brauchte ich früher in meinem 380er-Mercedes nur zehn Minuten über die A 3 mit 200 km/h, das war für mich kein Problem." Dass er aber nun im Streit mit der Weseler Polizei liegt, weil er mit seinem dreirädrigen Seniorenmobil zu schnell unterwegs gewesen sein soll, das will Rullo nicht verstehen.

Tempo 50 soll er laut Polizeibericht in Bahnhofsnähe in Wesel gefahren sein, selbst Radfahrer soll der schwerbehinderte Mann auf seinem Seniorenscooter des Typs "Eco Engel 501" überholt haben. Doch Rullo sagt: "Niemals war das Tempo 50." So schnell würde das Gerät gar nicht fahren können. Der Vorwurf der Polizei, er hätte das Fahrzeug frisiert, so dass es schneller fahren kann, weist er von sich. "Ich habe hinten nur einen Teil entfernt, damit ich besser in Aufzüge passe. Aber dadurch ist mein Fahrzeug doch nicht schneller geworden."

Am Montag geschah der Vorfall: Der gebürtige Italiener, seit seinem sechsten Lebensjahr wohnt er in Deutschland, wollte von der Innenstadt in Richtung des Weseler Stadtteils Fusternberg fahren. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 25 Stundenkilometern darf man mit dem Scooter unterwegs sein. Die Polizei sah in ihm aber einen Temposünder. An der Unterführung hätten ihn die Beamten überholt und hätten sich dann mit ihrem Fahrzeug quer auf den Radweg gestellt, um ihn zu stoppen, berichtet Rullo, der generell auf Behörden nicht gut zu sprechen ist. Immer wieder liegt er mit der Kreisbehörde, der Verwaltung, auch mit Kliniken im Streit, räumt Rullo ein.

Dass die Polizei ihn am Montag besonders auf dem Kieker hatte, könne auch damit zusammenhängen, dass er einen Tag vorher am Rhein von einem Beamten schon einmal ermahnt worden sei, nicht zu schnell zu fahren. Er würde Fußgänger gefährden, lautete der Vorwurf. Andere Passanten seien ihm da zur Seite gesprungen, sagt Rullo. Manche würden einfach kein Fingerspitzengefühl dafür haben, wie man mit einem behinderten Mann wie ihm umgeht. Der 65-Jährige kann sein linkes Bein nur noch schwer bewegen. "Ich bin auf meinen Roller angewiesen."

Am Mittwoch war der Weseler Rentner bei der Polizei. Die Beamten teilten mit, dass inzwischen die Staatsanwaltschaft eingeschaltet sei. Cosimo Rullo sagt, er habe sich mit der Polizei darauf geeinigt, dass der Tüv das Fahrzeug einmal überprüft. Falls es nicht frisiert wurde und tatsächlich nur 25 Stundenkilometer fährt, darf man es weiter ohne Führerschein fahren. Dann dürfte Cosimo Rullo sein Seniorenmobil wieder mitnehmen. "Ich habe null Punkte in Flensburg, und dabei soll es auch bleiben."

(RP)