Wesel Protest vor Kreishaus gegen Kiespläne im Regionalplan

Neuer Regionalplan: Protest vor Weseler Kreishaus gegen Kiespläne

Bürger aus Dingden-Lankern und Alpen-Bönnighardt haben am Donnerstag vor dem Kreishaus gegen die Auskiesungspläne des Regionalverbands Ruhr im neuen Regionalplan protestiert. Mit Spruchbändern kamen Demonstranten.

Erstmals beteiligt der Regionalverband Ruhr (RVR) betroffene Bürger und bietet den Dialog über den Regionalplan an, der für Wohnen, Gewerbe und Ressourcennutzung planerisch für 25 Jahre sichert, was wo möglich ist. Den Willen zum inhaltlichen Dialog betonte am Donnerstag im vollen Kreishaussaal Martin Tönnes, Bereichsleiter Planung beim RVR, der mit seinem Team die Planfestlegungen im Kreis Wesel vorstellte.

Bis zum 1. März 2019 läuft das Beteiligungsverfahren, und das Knackthema ist der Kiesabbau. Im großen Saal des Kreishauses gab es eine kontroverse Debatte. Dabei prallten örtliche Betroffenheit und landesplanerische Vorgabe, mit dem Regionalplan Planungssicherheit für ein Vierteljahrhundert zu schaffen, aufeinander. Auch die Kiesindustrie protestierte – dagegen, dass die Branche im Vorfeld nicht gehört worden war, was verfahrenstechnisch auch nicht vorgesehen ist. Christian Strunk, Geschäftsführer des Weseler Kiesunternehmens Hülskens, sagte, man werde auf Kiesflächen in Bönninghardt, Obrighoven und Kamp-Lintfort verzichten, da kein Konsens vor Ort in Sicht sei. Kein Konsens – das gilt auch für Dingden-Lankern. Johannes Hoffmann, Johannes Bauhaus und Christoph Peters aus dem Hamminkelner Ortsteil sprachen von 180 Hektar, die dem Kiesabbau zum Opfer fallen könnten. Guter Boden werde für immer vernichtet, eine Wasserlandschaft würde entstehen.

Der Bönninghardter Ortsvorsteher Herbert Oymann, der Verstärkung von Alpens Bürgermeister Thomas Ahls bekam, führte den Protest gegen einen möglichen Trocken­abbau an, der eine 30 bis 40 Meter tiefe Grube hinterlassen würde, der die Zukunft des 1700-Seelen-Dorfs mächtig einschränke.

Der Konflikt hat aber eine erheblich weitreichendere Dimension. RVR-Planer Tönnes führte aus, dass er vom Land angewiesen sei, die Rohstoffressourcen für 25 Jahre planerisch zu sichern. Der Niederrhein sei für Kies und Sand Konzentrationsabbaugebiet. 115.000 Wohnungen fehlten in NRW, Brückensanierungen in Serie stehen an – soll heißen: Rohstoffe sind in gewaltiger Menge nötig. Aber, so die Kritik im Saal: Niemand wisse, wieviel Kies in den Export gehe, der RVR hat darüber auch Kenntnisse, es gibt auch keine Exportkontrolle. Sehr schwierig ist auch, umstrittene Flächen aus dem Planungswerk zu verbannen, wenn sie einmal im Entwurf stehen. Bisher galt 20 Jahre Planungssicherheit, die aktuelle Landesregierung hat dies auf 25 Jahre verlängert. Tönnes: „Mit den nötigen Erweiterungen im Regionalplan kommen wir so gerade hin. Sobald ich eine Fläche herausstreiche, wäre ich unter dem Sicherungslimit.“ Streiche er doch, werde er vom Land angewiesen nachzubessern.

Deshalb gilt als einzige Methode, direkt Austauschflächen bei Streichung umstrittener Gebiete zu benennen. Wesels kieslobbyistische SPD tat das am Donnerstag. In Ginderich-Pettenkaul fordert sie Erweiterung, in Bislich-Vahnum die Kombination von Kiesabbau und Bau von Retentionsraum. „Das reicht, um Bönnighardt, Kamp-Lintfort und Obrighoven zu streichen“, betonte Wesels SPD-Chef Ludger Hovest. Christian Winterberg (Grüne Schermbeck) war sofort dagegen. Vahnum sei internationales Vogelschutzgebiet, Pettenkaul Trinkwasserreservoir für Millionen im Ruhrgebiet.

Tönnes machte klar, in Pettenkaul werde er nicht handeln. Wasserschutzrechtlich sei man gebunden. Die SPD forderte den Nachweis, dass hier Wasserschutzrecht gelte. Kies-Unternehmer Strunk will weiter in Pettenkaul und Vahnum baggern. Doch der Draht zum RVR ist unterbrochen. Tönnes: „Wir treffen keine unternehmensbezogenen Entscheidungen.“ Nicht stattfindende Gespräche mit der Industrie, die Abgrabungen im Streit will, bedeuten andererseits, dass auch Nicht-Konsensflächen in den Regionalplan kommen.

Ein Aspekt wurde noch von Helmut Spoo (Aachen) eingebracht wurde. Es müsse nicht immer Kies und Sand sein, das Recycling von Baustoffen werde in NRW vernachlässigt, sagte der Kenner von Rohstoffmanagement. Man könne längst effektiv Kies und Sand aus Beton zurückgewinnen, neuen Beton aus Recyclingmaterial herstellen. Andere Länder seien da weiter.

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