Wesel: Prostatazentrum am Marien-Hospital öffnete Türen

Infotag in Wesel : Prostatazentrum öffnete Tür für Interessierte

Das Prostatazentrum Niederrhein feierte sein zehnjähriges Bestehen mit einem Tag der offenen Tür. Besucher konnten sich hier mit einem Tabuthema auseinandersetzen.

Schon früh bevölkerten Interessierte am Tag der offenen Tür das Prostatazentrum Niederrhein im Marien-Hospital. Ein Video im Foyer führte ins Thema Prostatakrebs ein, in dem von Vorsorgeuntersuchungen und Ultraschall die Rede war. „Ich bin selbst Betroffener, wollte mich informieren“, erklärte ein Hamminkelner. „Ich war bei der Früherkennung und überlege jetzt: warten, aktive Überwachung oder Bestrahlung?“ Bei der Entscheidung, wie er mit der Diagnose umgehen kann, könne so ein Tag helfen, meinte der 59-Jährige.

In dem etwas zu klein geratenen Vortragsraum begrüßte Zentrumskoordinator und Urologie-Chefarzt Miguel Garcia Schürmann die Gäste. Vor elf Jahren habe man sich im Herbst getroffen, ein Jahr später die Zertifizierung erhalten. Damals sei das Zentrum mit sechs Praxen und elf Kollegen gestartet. Heute sind es deutlich mehr. „Wir sind mittlerweile eine schlagkräftige Truppe, das hätte ich so nicht gedacht.“

Im Vortragssaal beleuchteten Experten das Thema Prostatakrebs von verschiedenen Seiten. Der Kamp-Lintforter Urologe Alexander Holz verwies darauf, dass es 2017 deutschlandweit mehr als 60.000 Neuerkrankungen gegeben habe. 40 Prozent der männlichen Bevölkerung Europas seien gefährdet. Deshalb seien Früherkennung und Diagnostik enorm wichtig bei der „häufigsten Krebserkrankung beim Mann“ und der „zweithäufigsten Todesursache“ – normal ab 45 und ab 40 Jahren bei familiären Risiken, so Holz. Die Prostata werde mit zunehmendem Alter größer. Grund: „Die Natur hat sich das nicht so ausgedacht hat, dass wir älter als 30 werden.“

Das bedeute aber nicht zwangsläufig Prostatakrebs. Der so genannte PSA-Blutwert sei da nur ein Hinweis. Bei einer Entzündung zum Beispiel könne der Wert zurückgehen. Mit der Bestimmung des Wertes könne man aber Karzinome schneller herausfiltern und behandeln.

Im Flur beriet Guido Ostermann von der erst im März gegründeten „Selbsthilfegruppe Prostatakrebs“ Interessierte. „Der Austausch bewirkt, dass mit dem Thema offen umgegangen wird und Mythen wie ,Da spricht man nicht drüber’ oder ,Da kann man nix machen’ aufgebrochen werden“, sagte der 57-jährige. Es gelte, aktiv zu sein, „Vorsorge und Früherkennung zu betreiben“, sagte der Weseler. „Es ist wichtig, das in den Familien auch offen zu kommunizieren.“ Seine Offenheit überraschte.

Im dritten Stock des Hauses konnten Interessierte nachverfolgen, wie man einen Greenlight-Laser für Eingriffe an der Prostata unblutig nutzen und wie man über die Verbindung von MRT und Ultraschall bei der Fusionsbiopsie krebsverdächtige Bereiche in der Prostata genauer erkennen kann.

„Ich hatte die OP schon, für mich war das eine Auffrischung“, sagte Heinz Zorn aus Mehr, der von der Veranstaltung angetan war. Sein früherer Kollege Siegmund Walter fand „das breite Spektrum der Vorträge“ gut. „Aber das mit der Vorsorge, das ist ein Schritt für mich.“

(aflo)
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