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Wesel: Probleme, einen Behindertenparkausweis zu bekommen

Immer mehr Menschen mit Handicap im Kreis : Probleme mit Parkausweisen für Behinderte

Der Behindertenbeauftragte Friedhelm Heinzen bemängelt, dass es in Wesel schwierig sei, einen Behindertenparkausweis zu erhalten. Unterstützung erhält er vom VdK. Die Zahl der gehbehinderten Menschen steige, mahnt Heinzen.

Wesels ehrenamtlicher Behindertenbeauftragter Friedhelm Heinzen fordert, dass mehr Menschen mit Handicap die Chance erhalten sollten, bei der Stadt einen Schwerbehindertenparkausweis zu bekommen. Immer wieder höre er Klagen von Menschen mit Gehbeinderungen, denen ein Schwerbehindertenparkausweis verweigert werde, während einige andere einen solchen Ausweis hätten, offensichtlich aber keine körperlichen Gebrechen hätten. „Das kann so nicht weitergehen. Zumal fast alle Behindertenparkplätze in der Stadt so gut wie nie besetzt sind“, sagt Heinzen.

Unterstützung bekommt der Behindertenbeauftragte vom Sozialverband VdK mit Sitz in Rheinberg. Svenja Weuster ist dort Geschäftsführerin. „Die Hürden, einen solchen Ausweis bekommen, sind sehr hoch“, sagt sie. Durch die letzte Gesetzesänderung Anfang 2017 sei alles noch einmal verschärft worden. „Eigentlich müssten die Voraussetzungen gesenkt werden. Vor allem auch, weil wir immer mehr ältere, kranke und gebrechliche Menschen haben, die eigentlich auf so einen Parkplatz angewiesen sind.“ Das Problem ist aus ihrer Sicht, dass es sich um ein Bundesgesetz handelt, das nur in Berlin geändert werden könnte. „Wir wünschen uns, dass die Bundesregierung diese Forderung aufgreift und entsprechende Verbesserung einführt.“

Friedhelm Heinzen, Wesels ehrenamtlicher Behindertenbeauftragter Foto: Klaus Nikolei

Gerd Füting, Fachbereichsleiter im Weseler Ordnungsamt, weiß um die Schwierigkeit, einen Schwerbehindertenparkausweis zu erhalten: „Wir können nur Antrag-Stellern einen solchen Ausweis aushändigen, in deren Schwerbehindertenausweis das Merkzeichen aG für außergewöhnliche Gehbehinderung zu finden ist“, sagt Füting. Ein G wie Gehbehinderung reiche leider nicht aus. In der Weseler Innenstadt gibt es aktuell 74 Behindertenparkplätze. Bei Rundgängen an mehreren Tagen hat unsere Redaktion festgestellt, dass kaum einer davon belegt ist. Außerdem haben 45 Privatleute vor ihren Häusern einen personenbezogenen Behindertenparkplatz „Wir müssen jeden Antrag einzeln prüfen und stets kritisch hinterfragen. Ein personenbezogener Parkplatz wird nur genehmigt, wenn es in einem Wohngebiet Parkdruck gibt“, erklärt Füting.

Ob jemand das Merkzeichen aG oder nur G erhält, entscheidet das Versorgungsamt des Kreises. Und zwar auf Grundlage von eingereichten Gutachten. Kreisdirektor Ralf Berensmeier erklärt: „Das Merkzeichen aG bekommen eigentlich nur Antragsteller, die entweder im Rollstuhl sitzen, querschnittsgelähmt sind oder dauerhaft auf fremde Hilfe angewiesen sind und sich nur mit größter Kraftanstrengung in einem Kfz bewegen können.“

Von den rund 460.000 Bürgern im Kreis Wesel ist übrigens jeder Siebte behindert und hat einen Grad der Behinderung von 50 Prozent. Als schwerbehindert gelten 66.000 Bürger. Allein 2019 hat der Kreis 5600 Schwerbehindertenausweise ausgestellt. „Das ist ein Massengeschäft geworden“, sagt Berensmeier. Kein Wunder: Denn bis vor einigen Jahren wurde in vielen Städten noch körperlich hart etwa im Bergbau gearbeitet. Nun im Alter haben vor allem viele ältere Männer Probleme mit Rücken, Hüfte und Knie.

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