Unhaltbare Zustände in Unterkunft angeprangert CDU-Fraktionschef will Obdachlosen helfen

Wesel · Unter anderem, weil sie geänderte Schließzeiten der Notunterkunft am Herzogenring als ungerecht empfinden, haben vier Wohnungslose das Gespräch mit Wesels CDU-Fraktionschef Jürgen Linz gesucht. Der will sich kümmern.

 Kürzlich wollten Obdachlose die Notunterkunft am Herzogenring nicht verlassen, um so gegen die neuen Schließzeiten zu protestieren. Als dann aber die Polizei kam, verließen sie das Gebäude.

Kürzlich wollten Obdachlose die Notunterkunft am Herzogenring nicht verlassen, um so gegen die neuen Schließzeiten zu protestieren. Als dann aber die Polizei kam, verließen sie das Gebäude.

Foto: Klaus Nikolei

Kürzlich haben mehrere Polizeifahrzeuge vor der städtischen Notunterkunft am Herzogenring gehalten, um dem überforderten Sicherheitspersonal Beistand zu leisten. Denn zahlreiche Wohnungslose hatten sich geweigert, das Gebäude von 8 bis 16 Uhr zu verlassen. In den Wintermonaten nämlich konnten sie kommen und gehen, wann sie wollten.

Im Frühjahr möchte die Stadt jetzt aber, dass die Wohnungslosen die Notunterkunft werktags von 8 bis 16 Uhr verlassen, um sich unter anderem um einen Job und eine Wohnung zu kümmern. Das ist seit Jahren gängige Praxis. Da die Obdachlosen aber auf dem praktisch leer gefegten Wohnungsmarkt kaum eine Chance haben, möchten sie nicht unbedingt länger als vier Stunden die Unterkunft verlassen müssen. Vor allem nicht die, die einen Arbeitsplatz haben.

Eine von ihnen ist Renate Hoppe. Zusammen mit drei weiteren Wohnungslosen hat sie am Mittwochnachmittag Wesels CDU-Fraktionschef Jürgen Linz in dessen Büro im Rathaus besucht. Denn im vergangenen Jahr hatte er sich auf Anregung unserer Redaktion mit vier Obdachlosen getroffen, sich deren Nöte angehört und anschließend das Thema im Sozialausschuss öffentlich diskutiert. Damals hatte die Verwaltung Veränderungen und Verbesserungen versprochen.

Jürgen Linz, dessen CDU mit den Grünen und der FDP in Wesel regiert, wundert sich, dass es ganz offenbar nach wie vor große Probleme in der Obdachlosenunterkunft gibt. „Aus dem Gespräch mit Frau Hoppe und ihren Begleitern weiß ich, dass es nicht nur um die Schließzeiten geht, sondern auch um das Sicherheitspersonal. Weil einige Mitarbeiter die deutsche Sprache nicht beherrschen, kommt es offenbar immer wieder zu Problemen. Auch sollen nach wie vor WC-Anlagen defekt sein“, so Linz im Anschluss an das Gespräch mit den Hilfesuchenden.

Er will alle vorgetragenen Punkte in einem Antrag zusammenfassen und diesen an die Verwaltung schicken. Im Sozialausschuss Ende Mai soll dann die Politik über die ganze Sache beraten. „Ich werde dann eine Sitzungsunterbrechung beantragen, damit die Betroffenen die Möglichkeit haben, ihre Argumente persönlich vorzutragen. So haben wir das schließlich auch bei der letzten Sitzung gemacht“, betont Linz.

Vor dem Hintergrund des Wohnungsmangels kritisiert der Fraktionschef die Forderung der Verwaltung, die Obdachlosen sollten sich tagsüber unter anderem um eine Wohnung bemühen. Auch dass Obdachlose mit Gehbehinderungen, die einer Arbeit nachgehen, von der Stadt angeboten wird, die Notunterkunft zu verlassen, um im Asylbewerberheim an der Fluthgrafstraße ein Zimmer unter dem Dach zu beziehen, kann Linz nicht verstehen. „Denn dort gibt es keinen Aufzug. Wie sollen die Leute mit Beeinträchtigungen in den dritten oder vierten Stock kommen? Generell muss man die ganze Sache einfach menschlicher anpacken“, sagt er.

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