Wesel: Niedrigwasser verstärkt Schiffsverkehr

Wesel : Niedrigwasser verstärkt Schiffsverkehr

Am Niederrhein sinken die Pegelstände. Die Berufsschifffahrt nimmt aber zu, weil die Gütermengen gleich bleiben und auf mehr Frachter verteilt werden müssen.

Die anhaltende Trockenheit macht sich auch an den niederrheinischen Pegeln bemerkbar. Fehlende Niederschläge an den Oberläufen und Nebenflüssen lassen die Stände sinken. In Wesel geht die Kurve seit dem 10. Juli, als noch 2,55 Meter notiert wurden, kontinuierlich abwärts. Am Montagmittag wurde ein Wert von 1,65 Meter ermittelt. Um diese Marke herum soll der Pegel laut Prognose der Experten auch in den nächsten Tagen schwanken. „Es wird davon ausgegangen, dass der Wasserstand des Rheins zunächst nicht weiter fällt“, sagte Hydrologe Jan Böhme vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) Duisburg-Rhein auf Anfrage unserer Redaktion. In Duisburg-Ruhrort lag der Rheinpegel am Montag bei 2,20 Meer, in Rees bei 1,10 und in Emmerich bei 0,68 Meter.

Gerade die Pegelstände von Rees und Emmerich sollten nun niemanden glauben lassen, er könne den Rhein zu Fuß durchqueren und stünde dabei nur bis zum Bauchnabel im Wasser. Die Werte beziehen sich von Ort zu Ort auf unterschiedliche Gegebenheiten und zeigen dem Schiffsführer nach einem bestimmten Umrechungsverfahren an, mit wie viel Wassertiefe er in der Fahrrinne rechnen kann.So stehen zum Beispiel in Emmerich real noch etwa 2,65 zur Verfügung. Dass es wenig ist, kann jeder Spaziergänger vom Ufer aus schon daran erkennen, dass viele Frachter höher als üblich aus dem Wasser ragen. Besonders die größeren Einheiten, Schiffe ab 135 Meter Länge sowie Schubverbände, können ihre Möglichkeiten von 3,50 bis 4,50 Meter Tiefgang derzeit nicht ausnutzen.

Wer nun glaubt, das Niedrigwasser im Rhein würde den Schiffsverkehr beruhigen, liegt ebenfalls falsch. Paradoxerweise nimmt dieser mit sinkenden Pegeln zu, sagt Martin Wolters, der beim WSA Duisburg-Rhein für den Abschnitt von Voerde bis zur Landesgrenze zuständig ist. Da die zu transportierende Gütermenge gleich bleibt, wird sie auf mehr Schiffe verteilt. Zudem muss die Ebbe für die Transportbranche nicht unbedingt mit finanziellen Einbußen einhergehen. Denn per Kleinwasserzuschlag können höhere Frachtraten in Rechnung gestellt werden. Unterm Strich aber bleibt es dabei, dass auf einer kleiner werdenden Wasseroberfläche auf dem vielbefahrenen Abschnitt zwischen Duisburg und Rotterdam jetzt noch mehr Schiffe unterwegs sind.

Während bei Hochwasser Beschränkungen bis zum Stillstand des Schiffsverkehrs greifen können, gibt es das für Niedrigwasserlagen nicht, erklärt WSA-Sprecher Bernd Schönfelder. Da obliegt es jedem Schiffsführer, für den passenden Tiefgang zu sorgen. Größere Havarien waren in der jüngsten Zeit nicht zu verzeichnen. Laut Martin Wolters gab es nur zwei Festfahrer. Vor drei Wochen kam sein Frachter in Duisburg an der Einfahrt zum Hafen Rheinhausen auf Grund, vor zehn Tagen ein Schiff bei Götterswickerhamm. Beide kamen glimpflich davon.

Die aktuelle Lage auf dem Rhein steht im krassen Widerspruch zu den Verhältnissen Anfang des Jahres. Da hatte Hochwasser mancherorts schon bedrohliche Formen angenommen. Am 9. Januar wurden in Wesel 9,40 Meter notiert. Die Hochwassermarke I bei 8,70. Die Marke II, die hier zur Einstellung des Schiffsverkehrs führt, liegt bei 10,60 Meter. Dass diese überschritten werden kann, zeigte sich zum Beispiel in der Nacht vom 30. auf den 31. Januar 1995 mit 11,16 Meter sowie Heiligabend 1993 mit 10,85 Meter. Bei 11,45 Meter wäre es für die Deiche kritisch geworden. Als historisch höchster je gemessener Stand sind 12,31 Meter des Jahrhunderthochwassers vom 3. Januar 1926 bekannt. Den niedrigsten Pegelstand gab es hingegen am 1. Oktober 2003 mit 1,11 Meter.

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