Die guten Nachrichten CDU-Urgestein hilft SPD-Mieter +++ Laden verschenkt Blumen +++ Viel Solidarität

Wesel · Dankbar sind derzeit Hilmar Schulz und Julian Köster, die in Wesel gemeinsam den Ticketshop Klanghelden gegründet haben. Ihr Vermieter stundet überraschend die Miete. Die Geschichte dahinter ist eine besondere.

 Hilmar Schulz (SPD) mit Julian Köster (r.) betreibt den Laden „Klanghelden“.

Hilmar Schulz (SPD) mit Julian Köster (r.) betreibt den Laden „Klanghelden“.

Foto: Klanghelden

Auf vielerlei Art entsteht in Wesel, Hamminkeln und Schermbeck gerade eine neue Solidarität in Zeiten der Corona-Krise: In sozialen Netzwerken wie im realen Leben gibt es viele Nachrichten, die hoffnungsvoll stimmen. Wir berichten als Journalisten täglich über Missstände, wollen aber auch das Positive erwähnen, was jetzt die Gesellschaft zusammenhält.

Worüber freuen Sie sich, was stimmt sie optimistisch? An dieser Stelle wollen wir jetzt regelmäßig davon erzählen. Schreiben Sie uns eine Mail an wesel@rheinische-post.de oder an Rheinische Post, Großer Markt 11, 46483 Wesel. 

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 Wenn der CDU-Vermieter dem SPD-Mieter hilft, dann ist das in diesen Zeiten eine ganz besonders große Koalition. Dankbar sind derzeit Hilmar Schulz und Julian Köster, die in Wesel gemeinsam den Ticketshop Klanghelden gegründet haben, mit dem sie auch als Veranstaltungsmanager auftreten. Die Corona-Krise setzt den jungen Gründern, die am 1. Juli 2019 starteten, extrem zu. „Wir haben im Moment 100 Prozent Ertragsausfall“, sagt Hilmar Schulz. Umso überraschter war der 37-Jährige jetzt, als ihn sein Vermieter Rudi Spelmanns aus Wesel anrief und ankündigte, dass er die Miete ab April stunden werde, um die Klanghelden zu unterstützen. Was man wissen muss: Rudi Spelmanns ist Urgestein der Weseler CDU, fungierte viele Jahre als Fraktionschef. Hilmar Schulz wiederum hat eine bunte Parteivergangenheit, war lange Mitglied bei der Linken, ist jetzt Mitglied der SPD. Hilmar Schulz sagt: „Der Anruf ging von Herrn Spelmanns aus, nicht von mir. Als er mit sein Angebot machte, musste ich erst einmal schlucken, ein ganz toller Moment. Das hilft uns derzeit sehr bei der Senkung der Fixkosten.“ Die Klanghelden, die auch das Kulturprogramm der Landesgartenschau konzipieren, findet man im Internet auf der Seite www.klang-helden.de

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Auch das Team des Eine-Welt-Ladens in Wesel versucht das Beste aus der gegenwärtigen misslichen Lage zu machen. „In diesen besonderen Corona-Zeiten möchten Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Weltladen Esperanza einen besonderen Service für die anbieten, die nicht mehr in die Stadt kommen dürfen“, sagt Klaus Bauer als Vorstand der Weseler Eine-Welt-Gruppe. Per Lastenfahrrad bietet das Team einen Lieferservice an. Biologisch produzierte und fair gehandelte Lebens- und Genussmittel werden an die Tür gebracht. Zum Sortiment gehören unter anderem Tee, Kaffee, Zucker, Honig und andere Brotaufstriche, Reis, Schokolade und andere Knabbereien, Bonbons, Gebäck, Orangensaft, trockene Rot- und Weißweine, manchmal auch Bananen. Die Bestellung erfolgt per Telefon 0281 31085, per Mail über info@ewg-wesel.de oder per Briefkasten-Post direkt am Weltladen und bitte immer unter Angabe des Namens, der vollständigen Adresse und der Telefonnummer (für Rückfragen). Die Auslieferung erfolgt binnen zwei Tagen mit dem Fahrrad. Der Laden selbst musste schließen. Die Auflagen der Behörden waren so, dass sämtliche nicht essbare Produkte aus dem Raum hätten entfernt werden müssen – das Team  entschied sich für die Schließung.

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Am Mittwochvormittag gab viele gut gestimmte Menschen, die mit bunten Frühlingssträußen bepackt durch durch die Fußgängerzone liefen. Gezahlt haben sie dafür allerdings nichts. Denn die Weseler Blumenhandlung Risse an der Hohen Straße hat sämtliche Ware verschenkt, da sie durch den Erlass der Landesregierung gezwungen war, ihr Geschäft nicht mehr zu öffnen. An diese freundliche Geste werden sich gewiss viele der Beschenkten erinnern, wenn Risse nach der Corona-Krise wieder öffnet.

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 Rudi Spelmanns, CDU-Urgestein, ist Vermieter.

Rudi Spelmanns, CDU-Urgestein, ist Vermieter.

Foto: Malz, Ekkehart (ema)

Besuchszeiten in Seniorenheimen sind stark eingeschränkt worden, alle Menschen sind dazu angehalten so wenige direkte soziale Kontakte wie möglich zu haben. Das Mehrgenerationenhaus Wesel möchte alten Menschen helfen, indem es mithilfe von ehrenamtlich Engagierten eine Telefonkette organisiert. Dabei bahnt das Mehrgenerationenhaus die Kontakte an und bringt in Erfahrung, wer sich noch beteiligen möchte. Ziel ist, dass jeder der möchte, mehrmals in der Woche angerufen wird. Die Weitergabe von Telefonnummern läuft über das Mehrgenerationenhaus. „Auf diese Weise kommt es zu Kontakten, die sonst niemals entstanden wären. Und wer weiß, vielleicht entstehen auch - wenn alles vorüber ist - nette Begegnungen“, sagt Ilka Mainka, Projektkoordinatorin des Mehrgenerationenhauses. Infos unter 0281 95238135 und mgh@skfwesel.de.

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