Wesel: Nach Unfall gibt es Streit zwischen zwei Fahrern

Amtsgericht verhängt Geldstrafe : Angeklagter schleudert Beil durch geöffnetes Autofenster

Zwei Männer geraten in Wesel an einer Kreuzung innerhalb von Sekunden heftig aneinander. Letztlich entsteht zum Glück aber nur Sachschaden. Der Fall beschäftigte am Montag das Weseler Amtsgericht.

Der Angeklagte sei wohl nicht mehr so ganz „Herr seiner Sinne“ gewesen, sagte der Richter am Montag in seiner Urteilsbegründung im Weseler Amtsgericht. Verhandelt wurde über einen kurioses Fall im Straßenverkehr, bei dem zwei Autofahrer in einen heftigen Streit gerieten, an dessen Ende einer der Beteiligten ein Beil in Richtung des anderen warf. Verurteilt wurde ein 25-jähriger aus Issum letztlich zu einer Geldstrafe von 1200 Euro, weil der Richter die versuchte gefährliche Körperverletzung als zumindest nicht nachweisbar wertete und so die Tat „lediglich“ als Sachbeschädigung gewertet wurde.

Wenige Augenblicke vor der Tat am 30. Januar hatte es ein Überholmanöver eines 23-jährigen Weseler Kfz-Mechatronikers auf der Neuen Hünxer Straßen gegeben, das der Angeklagte nach seinen Angaben als extrem gefährlich empfunden hatte. Ein Auto des Gegenverkehrs sowie der überholte Lkw hätten nur durch starkes Bremsen einen Unfall verhindern können. Der Issumer wollte daraufhin den Weseler an der nächsten Ampelkreuzung zur Rede stellen.

Zunächst schrien sich die beiden jungen Männer durch die geöffneten Fester an und sprangen dann Sekunden später aus ihren Fahrzeugen, um den Streit mitten auf der Ampelkreuzung fortzuführen. Weil der Angeklagte sich von seinem Gegenüber nach seinen Angaben bedroht gefühlt habe, habe er dann ein Beil aus dem Fahrzeug genommen und vor seinen Oberkörper gehalten. Als sein Kontrahent dies erblickte, forderte er ihn auf, das gefährliche Werkzeug wieder wegzulegen und „wie ein richtiger Mann“ zu kämpfen.

Der Beschuldigte legte dann auch das Beil wieder ins Auto, und wenig später schien sich die Situation zu beruhigen, da beide jungen Männer wieder in ihre Autos einstiegen. Unvermittelt griff dann der Issumer vom Fahrersitz aus aber erneut zu dem Beil und schleuderte dies durch das noch immer geöffnete Seitenfenster in Richtung des Auto des Weselers. Dort traf das Werkzeug, das der Angeklagte in seinem Beruf verwendet, die Fahrerseite und verursachte einen Schaden, den ein Gutachter auf 2300 Euro schätzte. Daraufhin gab der Issumer Gas und fuhr davon – der Weseler alarmierte die Polizei.

Er habe nie und nimmer seinen Kontrahenten verletzen wollen und auch dessen Fahrzeug nicht bewusst beschädigt, sagte der Angeklagte vor Gericht. „Das riskante Überholmanöver hat mich total aus der Rolle gebracht“, begründete der Beschuldigte sein Verhalten und den Beilwurf. Der Richter hielt dagegen: „Auch wenn man der Meinung ist, jemand fahre wie eine gesenkte Sau, ist es nicht immer eine gute Idee, ihn dann auch sofort zur Rede zu stellen.“

(jok)
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