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Wesel: Mehrgenerationenhaus will Brieffreundschaften fördern

Mehrgenerationenhaus Wesel : Brieffreundschaft in Zeiten von Corona

Das Mehrgenerationenhaus Bogen sucht Menschen, die Freude hätten, mit Bewohnern des Nikolaus-Stiftes eine Brieffreundschaft zu beginnen. Der neue Projektkoordinator Daniel Renzel will Interessenten zusammenführen.

Das in Zeiten der Corona-Pandemie geltende Besuchsverbot in Pflegeheimen macht vielen Bewohnern zu schaffen. Ein wenig Linderung könnte ein Brieffreundschafts-Projekt des Mehrgenerationenhauses Bogen (MGH) bringen, das der neue MGH-Projektkoordinator Daniel Renzel jetzt beim Besuch unserer Redaktion vorgestellt hat.

Ein seit Jahren ehrenamtlich tätiger MGH-Mitarbeiter (94), der im Weseler Nikolaus-Stift wohnt, hat von einem ähnlichen Projekt gehört, das hervorragend angenommen werde. „Jetzt wollen wir das auch mal probieren“, sagt Daniel Renzel. Der 38-Jährige, der mit Frau und drei Kindern in Obrighoven lebt und zum 1. April die Nachfolge von Ilka Mainka angetreten hat, hat die Adressen von sieben Senioren des Nikolaus-Stiftes, die gerne schreiben und sich freuen würden, wenn ihnen jemand schreibt. „Wer Lust hat, kann sich gerne an mich wenden. Ich werden die Adressen dann weiterleiten“, sagt der studierte Sozialarbeiter und Sozialpädagoge, der vor dem Wechsel zum MGH bei der Caritas in Bocholt im Bereich Stadtteilentwicklung tätig war (siehe Infobox).

Doch es ist nicht das einzige Projekt, dass das MGH in Zeiten von Corona neu anbietet. Das zweite heißt „Erlebnisse aus dem Schuhkarton“ und soll Anregungen für Aktivitäten in den vergleichsweise eintönigen Alltag geben. „Ziel der von unserem MGH-Team entwickelten Projektidee ist es, zusammen mit engagierten Institutionen, Vereinen und interessierten Einzelpersonen Schuhkartons zu gestalten, die mit einem kleinen, leicht umzusetzenden Freizeitvergnügen bestückt sind“, erklärt Daniel Renzel. Dies können kleine Rätsel, Forschungsprojekte, eine Kunstaktion oder etwas Ähnliches sein.

Um deutlicher zu machen, was möglich ist, präsentiert er einen Schuhkarton, in dem sich unter anderem ein Eierkarton und ein Din-A5-Heft befindet. „Das ist unser Prototyp.“ Im Deckel befindet sich eine Beschreibung der „Schatzsuche in der Natur“. In dem Eierkarton sind verschiedene Symbole zu erkennen – beispielsweise ein Schneckenhaus, eine Feder, eine Blume, eine Eichel oder auch ein Tannenzapfen. „Die Kinder, deren Eltern den Karton ausgeliehen haben, können jetzt am Besten im Wald diese Dinge suchen und in den Karton füllen“, erklärt Daniel Renzel. „Wir würden uns freuen, wenn man dann etwas in das beiliegende Gästebuch einträgt. Wo man unterwegs war, was man womöglich erlebt hat.“

Der Projektkoordinator geht davon aus, in den nächsten Wochen mehrere Schuhkartons mit Erlebnissen präsentieren zu können, die dann gegen eine kleine Gebühr ausgeliehen werden können in dem eigentlich geschlossenen MGH an der Pastor-Janßen-Straße 7. „Vielleicht stellen wir die Kartons im Fenster aus und bieten eine Ausgabemöglichkeit an, bei der genügend Abstand gehalten wird.“

Das vielfältige Angebot im MGH für alle Generationen ist in der Corona-Krise stark eingeschränkt. Die Schwangerschaftsberatung läuft immerhin noch telefonisch und online. Telefonieren kann mit dem MGH auch jeder, der beispielsweise neue Kontakt knüpfen möchte und den Sorgen plagen. „Wir können dann an die richtigen Stellen vermitteln“, sagt Daniel Renzel.

Übrigens hat der Second-Hand-Laden des MGV in der Dependance Am Birkenfeld wieder geöffnet. Und auch das Angebot des Mittagstisches besteht weiterhin. „Nur können die Mahlzeiten wegen der Beschränkungen in Zeiten von Corona nicht im Bogen oder im MGH Am Birkenfeld eingenommen werden. Dafür ist die Zahl der Außerhaus-Bestellungen stark gestiegen.“

Ein Angebot, das es erst seit Beginn der Corona-Krise gibt, ist mittlerweile vergleichsweise gut angenommen worden: die Telefonkette. Wie berichtet, können sich Menschen im MGH melden, die in Zeiten der Corona-Krise mit jemandem telefonieren möchten. Täglich, an bestimmten Tagen oder nur alle paar Wochen einmal. „Wir haben mittlerweile 24 Interessenten, die meisten im Seniorenalter, die miteinander telefonieren und Freude daran haben“, erklärt Daniel Renzel.

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