Wesel: Lebhafte Diskussion über den Roman "angerichtet" in der Sparkasse

In der Sparkasse Wesel : Lebhafte Diskussion über den Roman „angerichtet“

Im Rahmen der Aktion „Wesel liest ein Buch“ fielen die Urteile über die von Gewalt geprägte Geschichte von Herman Koch sehr unterschiedlich aus.

„Eine Stadt liest ein Buch“ bezeichnet eine Form des lokalen Lese- oder Buchmarketings, bei der über einen Zeitraum von einem Monat möglichst viele Bürger einer Stadt ein bestimmtes Buch lesen und danach darüber mit anderen Menschen diskutieren. Diese Idee, vor knapp 21 Jahren in Seattle/USA mit einem Riesenerfolg gestartet, wurde auch in Wesel aufgegriffen. Der Kriminal-Roman „angerichtet“ von Herman Koch, ausgesucht vom Literaturkreis Rotkehlchen, stieß auf große Resonanz. In der Niederrheinischen Sparkasse gab es dazu jetzt eine Podiumsdiskussion.

Stefanie Hain von Radio KW unterhielt sich mit Bürgermeisterin Ulrike Westkamp, Marlies Hillefeld (Vorsitzende des Sozialausschusses) der Direktorin des Konrad-Duden-Gymnasiums, Karen Schneider, Andrea Margraf von der Kreispolizeibehörde Wesel und dem Autor Rolf Freiberger. Es wurde eine lebhafte Diskussion mit gegensätzlichen Meinungen über ein Buch, das laut Aussage von Rolf Freiberger eigentlich ein Kunstwerk ist. Die Geschichte ist frei erfunden und handelt von zwei Ehepaaren, die in einem Sterne-Restaurant über die Zukunft ihrer Söhne sprechen. Es geht um Gewalttaten, Beziehungen zwischen Eltern und Kindern sowie politische Argumente. Im Mittelpunkt stehen ein Familien-Drama, der Tod einer obdachlosen Frau sowie Konflikte.

Ulrike Westkamp hat den Bestseller des niederländischen Autors Hermann Koch mehrmals gelesen und hält das Werk für sehr brillant geschrieben und mit ungewöhnlichen Wendungen. Zudem sei das Buch sehr gut und schnell zu lesen. Marlies Hillefeld zeigte sich schockiert und entsetzt von solch einem Thriller. Sie würde keinesfalls ein zweites Buch des Autors lesen. Gleichzeitig bemerkte sie aber auch, dass die heutige Gesellschaft eigentlich gar nicht so schlimm sei. Freiberger meinte: „Spannung muss bei jedem Buch erzeugt werden.“ Ein offenes Ende könne man auch für gut befinden. Er hätte es wohl etwas anders geschrieben. Einige Erfahrungen mit Gewalttaten hat Polizeibeamtin Andrea Margraf  gemacht. Sie findet das Buch „schrecklich“. Die Gewalttaten, auch von Jugendlichen, seien größer geworden.

Karen Schneider hat dieses Thema mit ihren Schülern bereits lebhaft diskutiert. Auf der Abschlussveranstaltung am 8. Februar wird sie mit ihrer Deutsch-AG im Kulturspielhaus Scala szenische Darstellungen bringen. Hier könne man dem Autoren dann noch Fragen stellen. Zum Beispiel, wie er gerade zu solch einer Idee gekommen sei, wie sich das anfühle, einen solchen Thriller geschrieben zu haben oder warum er sich für ein Sterne-Restaurant entschieden habe.

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