Wesel: Laien dürfen Beerdigungen leiten

Wesel : Laien dürfen Beerdigungen leiten

Simone Jenkner und Wilhelm Heidemann stärken die Gemeinde in Trauerfällen. Die zwei Katholiken aus Wesel erhalten die Beauftragung dazu am Samstag, 14. Juli, im Gottesdienst in der Martinikirche.

„Das kannst Du nicht“ – dieser Satz steht zwischen vielen Einträgen, die Wilhelm Heidemann in sein Tagebuch geschrieben hat. Ein Rollenspiel hatte ihn herausgefordert, Selbstzweifel geweckt. „Ich wollte hinschmeißen“, erinnert er sich der 68-Jährige an die Tage des Zweifelns. Doch er hat dazugelernt und durchgehalten: Am Samstag, 14. Juli, wird der ehemalige Berufskolleg-Lehrer seine Beauftragung zum Begräbnisdienst erhalten. Dies geschieht im Rahmen des Gottesdienst ab 17.30 Uhr in St. Martini.

Dann darf der Laie in der Pfarrei St. Nikolaus Wesel die Verstorbenen auf ihrem letzten Weg und die Angehörigen durch ihre Trauer begleiten. Ebenso wie die 51-jährige Simone Jenkner, die mit Heidemann die Ausbildung beim Bistum Münster absolviert hat. Ihren Dienst führen sie ehrenamtlich aus. Die Zertifikate haben sie erhalten, beauftragt werden sie von Pfarrer Stefan Sühling, der während der Ausbildung ihr Mentor war. Er hält den Beerdigungsdienst für zukunftsweisend: „Die Gemeinde am Ort beerdigt ihre Verstorbenen, dort wird die Kirche in die Hand der Menschen gegeben. Eine Beerdigung muss, wenn keine Eucharistiefeier gewünscht wird, nicht von einem Priester durchgeführt werden. Das ist auch gar nicht die Erwartungshaltung der meisten Trauernden. Sie erwarten, dass jemand kommt, zuhört und Zeit hat.“

Das haben sie geübt. Bevor sie eine Beerdigung leiten dürfen, begleiten die Kursteilnehmer einen erfahrenen Seelsorger. „Wir haben an Trauergesprächen teilgenommen und waren bei fremden Beerdigungen dabei“, berichtet Jenkner. Obwohl sie die Menschen nicht kannte, die beerdigt wurden, sei die Situation berührend gewesen. „In meinem Dienst muss ich die richtige Mischung aus Professionalität und Empathie finden“, sagt die Religionslehrerin. Heidemann nickt. „Zunächst habe ich hinten gesessen, bei anderen Beerdigungen dann vorne. In die Gesichter der Angehörigen zu blicken und direkt mit der Trauer konfrontiert zu werden, das war ein Sprung“, sagt er. Doch mit der Zeit werde es vertrauter, mit der Trauer umzugehen. „Vor Tränen habe ich keine Angst, es ist natürlich, dass Menschen weinen, wenn sie einen Angehörigen verloren haben“, sagt er.

Seit November haben sich zwölf Teilnehmer aus dem Bistum während ihrer Ausbildung mit dem eigenen Glauben sowie dem kirchlichen Verständnis von Tod und Auferstehen auseinandergesetzt und rechtliche Grundlagen zur Beerdigung gelernt. Auf die Trauergespräche haben sie sich mit Rollenspielen vorbereitet. Nun sind sie „Beerdigungsseelsorger“. Ein passender Begriff, findet Sühling. „Es geht bei dem Dienst nicht alleine um das Begräbnis, sondern auch um die Begleitung der Menschen, die von dem Tod betroffen sind“, erklärt der Pfarrer. Dazu gehört insbesondere das Trauergespräch mit den Angehörigen, das vor der Beerdigung geführt wird. Ehrenamtliche und hauptamtliche Seelsorger arbeiten in diesem Dienst auf Augenhöhe, betont der Pfarrer und Kreisdechant.

„Unser aller Ziel ist es, Menschen zu begleiten, ihnen Hoffnung zu geben“, hatte Sühling bei der Übergabe der Zertifikate in Münster gesagt. Und die Absolventen, aber auch alle anderen Gottesdienstteilnehmer, gebeten, sich für ihr Gegenüber zu interessieren – und sich darin ein Beispiel an Jesus zu nehmen: „Auf dem Weg nach Emmaus hört er zu und fragt nach.“